1820 3.Januar

Ich habe Mittwoch in Höxter im Konzert gesungen mit der Fennewitz. Du kannst nicht glauben, wie mir die Sache erschwert wurde. Zuerst bekomme ich den Brief mit der Bitte und den Noten zugleich am Sonntag davor. Die Zeit von drei Tagen war kurz genug zum Einstudieren, doch nahm ich es an. Den folgenden Abend spät (Montag) kömmt ein zweiter Bote, man hätte sich versehen, Madame Fennewitz hätte die andere Stimme einstudiert. Ich musste also wechseln, obschon ich zum Einstudieren dieser anderen Stimme jetzt nur einen Tag mehr hatte; ich nahm es jedoch an und wurde auch ziemlich fertig. Mittwoch gegen Mittag kommen wir zu Höxter an. Madame Fennewitz ist schon da, und wir wollen anfangen zu probieren; da kömmt es heraus, dass die Fennewitz, wie sie das Duett in Münster gelernt hat, einige Stellen geändert hat, weil sie ihr zu schwer waren; danach musste ich jetzt hintenach meine Stimme auch ändern; und endlich, wie das Konzert bald angehn soll, erklärt Herr Becker, der uns begleiten wollte, dass er es nicht könne und ich also selbst das Klavier dazu spielen müsse.

Ich wollte mich durchaus nicht dazu verstehn, weil ich bei meiner kurzen Zeit absichtlich alle Zwischenspiele auf dem Klavier überschlagen hatte. Wie sich dieser H[err] Becker aber ans Klavier setzte (in der Probe), machte er seine Sachen so schlecht, dass ich mich nur freute, dass ich es übernehmen konnte. Alle diese Fatalitäten zusammen machten mir aber eine solche Angst, dass ich, wie wir auftreten sollten, einen Krampf in der Brust kriegte, und hätte ich nicht überhaupt besser gesungen wie die Fennewitz, so wäre es mir übel gegangen; nun aber ging es gut und wir wurden sehr beklatscht.

Wehrden, Januar 1820


2 Anmerkungen

  • # Therese von Wolff-Metternich:

    Ich war gestern mit Nette und Papa in Höxter auf dem Konzert; Nette sang mit Madame Fennewitz von Tannenburg ein Duett, dass sich die Leute die Ohren ud Augen offen sperrten; nachher wurde auch getanzt; ich habe auch getanzt.
    29. Januar 1820
    (Brief der Droste-Cousine an Ferdinandine von Heereman-Zuydtwyck)


  • # Friedrich Benneke:

    Abends setzte sie sich ans Klavier. Ihr Spiel ist fertig, etwas heftig und überschnell, zuweilen etwas verworren. Mit der größten Leichtigkeit spielte sie das Hauptsächlichste des Don Juan (gemeint ist Mozarts „Don Giovanni), und andere Hauptsachen, durch. Ihre Stimme ist voll, aber oft zu stark und grell, geht aber sehr tief und ist dann am angenehmsten.
    Tagebucheintrag des Hamburger Kaufmanns, der sich im März 1820 in Bökendorf aufhielt