Buch und Pantoffeln gehen vor

Von Annette von Droste-Hülshoff
26. Oktober 1841

… in meinem Koffer (der noch immer nicht da ist) liegt, was von dem „Westfalen“ („Bei uns zu Lande auf dem Lande“ heißt’s eigentlich) fertig ist, nebst dem Material, den geistlichen Liedern, um sie hier durchzuarbeiten und ins Reine zu schreiben. Auch das Lustspiel habe ich zur Feilung mitgenommen. Wenn ich hinzufüge, dass Therese so gut wie gar keine Zeit hat und ich meine Strümpfe selber stopfe, ferner ein Paar Pantoffeln für Laßberg zu Weihnachten sticke und noch der Therese Heisdorf versprochen habe, ihr etwas auszuschneiden, so siehst Du, dass ich einen guten Berg Arbeit vor mir habe. Das Buch und die Pantoffeln müssen aber vorgehn; vom übrigen was möglich ist. Da Schücking so wenig Zeit hat, werde ich Jenny abends vorlesen, was fertig ist. Sie sagt, das störe Laßberg gar nicht in seinem Puffen, und ohne jemandes Teilnahme arbeitet man nicht mit Luft.

Hintergrund: Im Winter 1841/42 in Meersburg ist die Droste äußerst produktiv. Unter dem Ansporn Schückings schreibt sie täglich ein oder auch mehrere Gedichte. Es entstehen mehr als 30 lyrischen Werke, darunter "Am Turme", "An die Weltverbesserer", "Die beste Politik", "Die Taxuswand", "Im Moose", "Mein Beruf", "Meine Toten", "Locke und Lied".