Kategorie: Levin Schücking



An: Levin Schücking, aus: Meersburg
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1843 14.Dezember

Ich bin recht gern hier, obwohl außer Laßberg und Jenny, der alten Burg und dem See eben alles anders ist wie vor’m Jahre, als läge ein Decennium dazwischen: lauter neue Domestiken, außer Augusten und dem alten Fasser, der noch immer seinen Kopf aus dem Guckloche unter der blutigen Hand hervorstreckt; die Kinder sehr langbeinig und verändert, Hildel auch moralisch sehr zu ihrem Vorteile, äußerlich beide durch Zähne und eine hübsche Haartracht; das Kesselsche Institut fort, nach Karlsruhe verlegt, am neuen Schlosse alle Läden zu, nichts als Gefangene und Ratten darin; der unermüdliche maître de plaisir, Stiele, in Konstanz verheuratet, nur einmal, mit dem Dampfboote, als sehr dicker, ernster Hausvater sichtbar geworden; Doktor… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
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1843 24.Juni

Sie sind also Bräutigam, und zwar einer höchst wahrscheinlich sehr guten und ganz gewiss höchst liebenswürdigen Braut, die nach Ihrer Beschreibung wirklich grade das zu besitzen scheint, was zu Ihrem innern Glück und äußeren Wohle nottut, und wonach mein Auge lange ängstlich für Sie umher gesucht hat. Nun, Gott segne Sie und gebe Ihnen alles Glück, was Ihr Herz so reichlich verdient! Wenn meine Wünsche für Sie nur erfüllt werden, dann will ich auch nicht zanken, dass Sie meinen warmen, angstvollen Rat, wie gewöhnlich, mit aller Hochachtung beiseite geschoben und dem Schicksal den Handschuh gradezu ins Gesicht geworfen haben. Jetzt bittet Dein Mütterchen Dich aber noch einmal, und es ist die letzte Bitte, von deren… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
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1843 24.Juni

Sie schreiben mir, Hauff habe behauptet, die „Judenbuche“ sei von Ihnen; folglich ist die Rede von mir und ohne Zweifel auch von meinen Gedichten und meiner Absicht, sie Cotta anzubieten, gewesen. Warum schreiben Sie mir nichts Näheres darüber? Ich begreife dieses nicht; günstige Äußerungen würden Sie sich gewiss eine Freude gemacht haben mir mitzuteilen, und ungünstige mir eben so wenig vorenthalten haben, da Sie mich doch gewiss nicht der Demütigung einer abschlägigen Antwort oder eben so demütigender schlechter Bedingungen aussetzen wollen, während mir doch jetzt, Gottlob, hoffentlich viele Buchhandlungen Deutschlands offen stehn. Hüffer und Velhagen sind mir gewiss, und ich glaube auch auf die Verleger der Kölner Zeitung… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
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1843 11.Mai

Sie sehn wohl schon aus meinen Federzügen, lieb Kind, dass ich wenigstens teilweise hergestellt bin; der Aufenthalt in Münster hat mir sehr wohl getan, was ein halbes Wunder ist, unter den täglichen Erschütterungen, die ich am Sterbelager und Sarge des guten Täntchens mit Elisen teilte. Ich tat mir über Macht Gewalt an und dachte, der hinkende Bote würde nachkommen; statt dessen hat diese Widersetzlichkeit gegen mein Nervenübel es gleichsam in Konfusion gebracht, die so übel behandelten Anfälle sind es müde geworden, wieder zu kommen, und jetzt bin ich wohl noch schwach, schändlich reizbar, aber doch nicht eigentlich krank mehr. Freut’s meinen Jungen nicht? Es ist mir ordentlich ein Fest, es ihm zu schreiben, da ich weiß,… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
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1843 11.Mai

Die Mertens war allerdings vier Wochen lang in Münster; hören Sie die Veranlassung, und Sie haben ihren Charakter von der besten und schlimmsten Seite. Ich hatte ihr in Bonn griechische Münzen versprochen, die ich nicht alle für echt halte, aber doch einige darunter, hatte sie ihr auch geschickt und den dankbarsten Brief erhalten, worin sie zugleich mein Urteil über Ächtheit und Nichtechtheit bestätigte. Hierauf verhinderte mich meine Krankheit, zu antworten, und nun erhielt ich den allerimpertinentesten Brief; sie schickte mir die Münzen zurück: „sie seien alle unecht und nichts wert, würden auch, wenn sie echt wären, von so großer Seltenheit sein, dass sie dann kein Sammler, selbst als Doubletten, verschenkt hätte.“ In… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
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1843 11.Mai

Schreiben Sie mir gleich, wie Ihnen die Gall gefallen hat; bin ich schon in Abbenburg, so wird mir der Brief doch unmittelbar nachgeschickt. Wir (Elise und ich) sind natürlich äußerst gespannt darauf, und unsre Wünsche und Gebete werden Sie an jenem Tage begleiten. Gott gebe, dass die Gall ist, wie wir sie uns ausmalen, namentlich Elise: feurig ohne Exaltation, neben ihrem Geiste voll bon sens, und, obwohl glänzend in Gesellschaft, doch ruhig und wohltuend im häuslichen Leben. Lieb Kind, Dein Mütterchen hat carte blanche, zu sagen, was es will, nicht wahr? So bitte ich Dich, wie ich bitten kann, suche die Gall genau zu ergründen, ehe Dein Wort und Urteil unwiederbringlich gefangen sind; es geht hier ums ganze Leben. Ich bin… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Münster
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1843 24.April

Es ist mir sehr drückend gewesen, Ihnen, liebes Kind, so lange nicht schreiben zu können; aber ich bin seit zwei Monaten sehr krank. Im März höchst elend, so dass ich jeden Tag zu sterben glaubte. Man hat mich hierher gebracht, um immer unter den Augen des Arztes zu sein, und jetzt ist es seit zehn Tagen bedeutend besser. Was mir fehlt? Ich habe es für Schwindsucht gehalten; es sollen aber nur innere Nervenkrämpfe sein, und jetzt scheint es auch so, da ich mich so plötzlich und rasch bessere, und bei weitem weder so kraftlos noch mager geworden bin, wie zwei Monate unausgesetzten Leidens ohne Nachtruhe und fast ohne Nahrung dies voraus setzen ließen. Noch am Tage vor der glücklichen Wendung konnte ich vor Schwäche das Glas… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Münster
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1843 24.April

Marggraf hat eine Sammlung politischer Lieder herausgegeben und meine „Warnung an die Weltverbesserer“ darin aufgenommen; so muss ich armes loyales Aristokratenblut da zwischen Herwegh, Hoffmann von Fallersleben et cet. paradieren. Freiligrath und Geibel sind aber auch darin, so gibt’s doch noch gute Gesellschaft. Der Redakteur des Feuilletons der Kölner Zeitung, Püttmann, trägt Elisen bei Gelegenheit der Übersendung einiges Honorars die Bitte vor, dass, da sie mich vielleicht persönlich kenne, sie doch suchen möge, mich zu seinen Gunsten dem „Morgenblatt“ abwendig zu machen, und zählt, um mich zu reizen, seine neuen berühmten Mitarbeiter her: Freiligrath, Geibel, Gutzkow, König, Marggraf etcet. Ich kann jetzt wohl daran denken,… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1843 16.Februar

Nun zu der Gall; ob sie zu meiner Schwiegertochter paßt? Das könnte ganz wohl sein; schön und geistreich scheint sie wenigstens unwidersprechlich, und ich wäre sehr begierig, sie zu sehn; wo steckt sie denn jetzt? Nach Darmstadt denkt sie schwerlich so bald zurück zu kommen, da sie ihren Flügel verkauft hat. Es ist mir äußerst erfreulich, Levin, dass Sie in Ihrer jetzigen Verlassenheit einen geistigen Anhalt und Trost in ihr gefunden haben, und wenn es Gottes Wille ist, kann sie Ihnen allerdings dereinst vielleicht noch mehr werden. Dennoch muss ich Dich bitten, liebstes Kind, sei vorsichtig mit der Feder und hüte Dich vor jedem Worte, was Dich binden könnte; die Liebe wird weder durch Schönheit noch Talent noch selbst… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1843 15.Februar

… ich bin wirklich sechs Wochen lang wieder recht miserabel daran gewesen, habe mich halbtot gehustet, mitunter Fieber gehabt und sogar die Leute dahin erschreckt, dass sie einige Nächte bei mir gewacht haben. Unerwartet kam mir das freilich nicht, da ich wohl weiß, dass man einen kurzen Aufenthalt in besserem Klima immer schwer nachbezahlen muss, aber doch sehr unbequem. Jetzt ists um vieles besser, ich bin von Herzen wieder gesund, und der Husten läßt auch nach. Die Fatalität kam recht mal à propos mitten in der Arbeit, und ich habe sechs Wochen meines Lebens gleichsam in den Brunnen werfen müssen. Vielleicht ist’s gut; denn ich fand des Dichtens und Korrigierens gar kein Ende, sehe jetzt aber wohl ein, dass ich mit dem… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
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1842 29.Dezember

Mein Konterfei ist und bleibt Dein eigen, mein lieb Herz, nur hängt die gute Elise so sehr daran, dass sie es nicht unkopiert abgeben will, und kann doch in diesem Augenblicke keinen Maler herbeihexen. Die Wenning verändert sehr unter dem Kopieren und ist teuer dazu; es kann aber nicht fehlen, dass bald irgend ein vazierendes Genie einrückt, und dann, lieber Levin, wissen Sie selbst wohl, dass mich darnach verlangt, mich, wenigstens gemalt, mal wieder recht freundlich von Ihnen ansehn zu lassen; es ist mir ganz betrübt, wenn ich denke, Sie könnten vergessen, wie Ihr Mütterchen aussieht. Neulich traf ich bei der Rüdiger den neuen französischen Lion, M. Cherouit; das Bild wurde umher gezeigt, und Monsieur meinte, „die Züge seien… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
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1842 29.Dezember

Von der armen Adele habe ich einen recht trüben Brief; sie ist noch in Bonn; Wolff, der ihr Übel immer am günstigsten beurteilte und in einer Kur zu heben hoffte, hat jetzt leider diese Ansicht aufgegeben und schiebt sie von sich ab, wie die übrigen, dem Karlsbade zu. Ich fürchte mit ihr, dass an Heilung nicht zu denken ist, nur an Hinhalten, vielleicht Lindern, auf längere oder kürzere Zeit; es geht mir sehr nahe. Vielleicht kömmt sie auf einige Zeit nach Rüschhaus; Mama hat sie wenigstens dringend einladen lassen, und der Umweg ist unbedeutend; ich wünsche es natürlich sehr. Sie hat mir von eigner Hand ein wunderschön gemaltes Blatt geschickt, Randgemälde: ein Blumenkranz mit den zierlichsten Insekten durchsprenkelt,… Weiterlesen »