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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Wie ein halber Mord

(…) Sehr ernst und eigen gestimmt bin ich auch; denn ich habe gestern und heute bis Mittag Papiere durchgesehn und verbrannt, und damit manches Stück Vergangenheit hinter mir geworfen, was, freylich schon seit Jahren mit Gras bewachsen, doch unter dem Lesen wieder so frisch aus dem Grabe stieg, daß ich wollte, ich hätte lieber blind zu gebrannt, dann wäre es wenig gewesen – jetzt ist’s mir wie ein halber Mord. Man liest alte Briefe so selten und für seine Ruhe wohl daran, es gibt nichts Scmerzlicheres. Die Toten bekommen wieder Seele und Leib, wir müssen sie zum zweiten Male begraben, und die Lebenden älter und kälter Gewordenen sehen uns frisch und jugendarm an, berühren so hundert kleine längst vergessene Stichworte,WeiterlesenWie ein halber Mord

Meersburg – Rüschhaus – ein Reisebericht

(…) Unsere Reise ist sehr gut und schnell vonstatten gegangen, obwohl sie etwas fatal anfing. Von Mamas Medizingläschen hatte sich nämlich der Pfropfen losgerüttelt, und wir merkten erst an dem Gestank von Assa foetida[1]Asant, auch Stinkasant oder Teufelsdreck genannt: im Mittleren Orient als Gewürz verbreitet, soll die Verdauung fördern und gegen Blähungen wirken, daß es zum Teil in Mamas Körbchen und noch mehr in Settchens Mantel ausgelaufen war. Das Fläschelchen wurde zum Wagen hinausgeworfen, das Körbchen war weit von unseren Nasen untergebracht, dennoch wurde Settchen nach einiger Zeit ganz übel, und sie mußte sich mehrere Stunden lang von Zeit zu Zeit zum Wagen hinaus übergeben, bis sie den Mantel abnahm, unter ihr Sitzpolster legte und sich in meinem roten PelzmantelWeiterlesenMeersburg – Rüschhaus – ein Reisebericht

Die Preußen betragen sich schändlich!

(…) Du fragst wegen dem Erzbischof? Da Ihr den Merkur haltet, weißt du das Hauptsächlichste; es ist eine traurige Lage für uns. Die Erbitterung ist schrecklich. Ich war am Tage des Aufstandes in Münster, und die Preußen haben sich schändlich betragen, vorzüglich der General Wrangel, ein Gegenstück zum Obristen Natzmer. Ich war diesen Abend zum Tee bey einer Oberregierungsrätin Rüdiger, Tochter der Elise Hohenhausen, die sich mir durch Nettchen Kettler hatte vorstellen lassen, worauf man es schicklich fand, daß ich ihr einen Besuch abstatte. Ich beredete die Bornstedt, mit der ich zuweilen bey Schlüters zusammentreffe, mit mir hinzugehen, und wir drei Frauenzimmer waren allein hinter dem Teetisch; es war schon spät, und die Rüdiger sagte mehrere Male: „Hören Sie doch,WeiterlesenDie Preußen betragen sich schändlich!

Die Welt kömmt mir seitdem gewaltig nüchtern vor

(…) Wie es mir geht? Jetzt schon gut; ich habe mich wieder ins Klima eingeübt, qualifiziere mich täglich mehr zur Schnelläuferin, gehe ganz bequem in einem Tage nach Hülshoff oder Münster und zurück und setze alle außer Atem, die Schritt mit mir halten müssen. Qu’en dites-vous? Ich denke, die achtundachtzig Jahre, die Sie mir angewünscht haben, werden mir wirklich nach und nach auf den Rücken steigen. Was soll ich Ihnen von meiner Lebensweise sagen? Sie ist so einförmig, wie Sie sie kennen und sie mir grade zusagt: Rüschhaus in seiner bekannten melancholischen Freundlichkeit, im Garten die letzten Rosen, die mich immer rühren, wenn ich denke, wie ich sie Ihnen vor nun schon zwei Jahren beym Abschiede gab, als Sie IhrWeiterlesenDie Welt kömmt mir seitdem gewaltig nüchtern vor

Der Letzte der Mohikaner

(…) ich habe von den Büchern für Caroline, die ihr auf dem Klavier gelassen habt, eine Partie aufgeschnitten und gelesen, — ich dachte, wenn ich sie allenfalls, auch behalten müsste, so wäre die ganze Pastete, die ich losschnitt, doch nur für einen halben Thaler, es war, der Letzte der Mohikaner, von Cooper, unbeschreiblich interessant, vorzüglich die ersten Teile, – die Letzten sind zwar eben so schön, aber man ist schon mehr an die Schreibart gewöhnt, die anfangs so sehr frappiert. (…)

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