Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Sie haben doch wohl bei Beendigung des Halbjahrs nicht versäumt, sich bündig fest zu stellen? Ich bitte, antworten Sie mir hierauf, denn ich bin in großer Unruhe deshalb; ohne dieses könnten Sie um alles kommen, und selbst ein schriftlicher Kontrakt kann unter Umständen trügen, wie ich Ihnen früher ein Beispiel vom alten Steinmann angeführt. Sind Sie aber noch nicht gebunden und fürchten Veränderungen, die Ihre ohnedies delikate Lage bis zum Bedenklichen, ich wage es zu sagen: bis zum fast Unehrenhaften steigern könnten, so bitte ich Sie, um alle der treuen Sorge und Liebe willen, die ich Ihnen immer bewiesen, sprechen Sie es ehrlich gegen mich aus, und ich will dann mein möglichstes tun, Ihnen durch August, der ja jetzt alle… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1844 12.Dezember

Aber, lieb Herz, was schreiben Sie mir von der Möglichkeit einer Trennung! Glaubte ich es, so würde mir todangst; indessen haben Sie dies so oft, gottlob umsonst, gefürchtet, dass der Gedanke gar nicht bei mir haften will. Warum sollte R vom neuen Oberpräsidenten (den wir noch nicht mal erraten können) zurückgesetzt werden? Von einer Spannung zwischen R und Devigneau haben Sie mir freilich schon früher gesagt, aber übrigens ist die allgemeine Stimme so für R. Ich habe seiner, sowohl was Charakter als Kenntnisse und Fleiß anbelangt, nie anders als mit ausgezeichneter Achtung erwähnen hören (und ich bin oft in diese Gelegenheit gekommen), so dass ich meine, Devigneau kann es nicht wagen, einen so allgemein geschätzten und… Weiterlesen »

Hintergrund: Elises Mann, Regierungsrat Karl Ferdinand Rüdiger, wird 1845 nach Minden versetzt.
An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1826 18.September

Die Spiegel und Mamas schönes Bild erhältst Du durch Überbringer dieses, und heute nachmittag kömmt noch zweimal Gelegenheit, erstlich Klemens, der einen Hasen und ein Huhn bringt und der zugleich Deine kleine Uhr trägt, und endlich ein Wagen, der alles übrige bringt, was noch hier ist. Nur mit einigen Punkten steht es schlimm. Erstlich die Stangen vom Wilkingheger Bett. Davon wußte wenigstens gestern noch niemand recht Bescheid, was aus ihnen geworden. Wenn sie also um das Fremdenbett vielleicht gehören, so rat‘ ich Dir, vorläufig Deine oder meine zu nehmen, denn ich kann Dir nicht dafür stehn, ob sie sich gegen dieses Nachmittag oder überhaupt finden. Ferner will Jennchen durchaus keine Gemüsekörbe abgeben; sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Am 25. Juli 1826 stirbt unerwartet der Vater Clemens-August von Droste-Hülshoff. Der älteste Sohn Werner, der mit seiner Frau auf Gut Wilkinghege lebt, übernimmt als Alleinerbe Burg Hülshoff. Therese von Droste siedelt mit ihren beiden Töchtern Annette und Jenny in den wenige Kilometer entfernten Witwensitz Rüschhaus über. Der Umzug scheint nicht ohne Auseinandersetzungen um den Hausrat abgelaufen zu sein.
An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1840 2.April

Ja, alte Mama, mir geht es nicht besser, ich mag nur nicht davon sprechen, weil es mir dann zu arg wird. Du weißt selbst, wenn ich auch zuweilen nichtsnützig bin, wenn Du da bist, so kann ich doch gar nicht ohne Dich sein. Ich setze mich drüber weg, so gut es geht, da es nun doch mal nicht anders ist, und denke jeden Sonntag: „Nun bin ich wieder eine Woche näher am Mai, aber es wird mir oft recht schwer. Deine Blumen besorge ich gut und will sie nachher Mariechen auf die Seele binden. Wir haben unser Korn alle glücklich eingekriegt und auch den Weizen noch vor der Regenzeit in die Erde, sonst sind hier viele Leute, die damit sehr verlegen sind; jetzt haben wir die Kartoffeln aufgenommen und ziemlich viele und gute bekommen, im… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 17.Juni

Von hier kann ich Ihnen nichts erzählen. Es passiert eben nichts, und Sie kennen niemanden. So will ich Ihnen, faute de mieux, meine kleinen Reisebegebenheiten vorführen; die erste und unbedeutendste würde dennoch meiner armen Mama die Haare zu Berge getrieben haben. Ich habe nämlich das Malheur gehabt, im allerklatrigsten Aufzuge, altem Mantel, ohne Hut, von der Hartmannschen Familie erwischt zu werden – die Mama Hartmann, der Assessor, Tony, und eine Allwine Zurmühlen – alle mit mir auf der Schnellpost, von Münster bis fast Paderborn, zur Hochzeitsfeier Dinchens Hartmann mit Mallinkrodt. Ganz lieb war’s mir nicht, jedoch mit einiger Philosophie schon zu ertragen, aber Mama darf’s nicht wissen, sonst läßt sie mich mein Lebtage… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1841 12.Juli

Sie sind mir sehr lieb, Elise, viel lieber, als Sie es wissen, und auch lieber, als ich Ihnen. Ich sage das nicht, um einen zärtlichen Widerspruch aus Ihnen herauszulocken, sondern damit Sie einen Maßstab haben, nach dem sie meine Neigung beurteilen können. Ich bin mir gewiss, dass Ihre Gedanken nicht so oft bei mir sind, als die meinigen bei Ihnen, und dass Sie mein Wohlsein nicht in dem Grade am Herzen tragen. Das soll kein Vorwurf sein, sondern ein unumwundenes Aussprechen meiner Gefühle für Sie. Fragen Sie L, der weiß wohl, wie wert Sie mir sind und wie lebhaft ich wünsche, fortwährend um sie sein zu können. Die Umstände gestatten dies nicht, um so erfreulicher sind mir Ihre Besuche, vor allem wenn ich denken kann, dass sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Zwischen November 1839 und September 1841 treffen sich Levin Schücking und Annette von Droste regelmäßig. Der junge Mann wandert etwa einmal wöchentlich (nach seiner Erinnerung nicht mittwochs, sondern dienstags) von Münster zum Rüschhaus, unternimmt mit der Droste Spaziergänge, spricht mit ihr u.a. über Literatur, tauscht Bücher mit ihr aus. In gewissen Münsterschen Kreisen kommen die beiden dadurch offenbar ins Gerede. Schücking ist nicht ganz unschuldig daran, gilt er doch als Frauenheld - er hat während seiner Zeit in Münster eine Affäre mit der verheirateten Elise Rüdiger, und auch über ein angebliches Verhältnis mit Luise von Bornstedt wird heftig getratscht.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 17.Juni

So eben erhalte ich Ihren Brief, da nicht früher Gelegenheit von hier nach Brakel war, und nun bin ich ganz desperat. Mein Gott, was soll ich anfangen, wenn Sie fortgehn! Sie sind mir nun so lange alles in einer gewesen, und ich kann mir gar keinen möglichen Ersatz denken, mag mir auch keinen denken, und will nur in Gottes Namen unter die Eremiten gehn, wenn Sie wirklich fort müssen. Es ist um allen Mut zu nehmen! Aber sollte es nicht noch einmal ein Schreckschuß sein, wie so manche frühern? Ist Bodelschwings Ernennung denn schon gewiss? Sie schreiben mir so dunkel darüber, dass es mir mehr lautet wie eine schlimme Prophezeiung, die denn doch noch wohl falsch sein könnte. Ich bin so niedergeschlagen, dass ich Ihnen nicht mal sagen… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach dem Amtsantritt von Ludwig Karl von Bodelschwingh als Regierungspräsident von Münster am 27. Mai 1845 lässt sich Elise Rüdigers Mann nach Minden versetzen.
An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1838 1.August

Ich habe schon gesagt, dass mir Schlüter zuweilen schreibt. Er schickt mir dann die Druckbogen, wie sie nach und nach herauskommen, aber leider doch zu spät, um die Druckfehler zu verbessern, deren einige recht schlimme eingeschlichen sind. Einer der schlimmsten ist im ersten Gesange des St. Bernhard, wo es heißt: „Der Bruder nun in seiner Not – beginnt aufs neu das Kreuz zu reiben – als solle nicht ein Stäubchen bleiben.“ Es muss nämlich heißen „das Kleid zu reiben“. Nun lautet es stattdessen, als ob der Bruder sich den Buckel jucke. So etwas ist sehr fatal; man muss es aber jetzt mit Geduld tragen bis zur etwaigen zweiten Auflage. Jedermann sagt, es sei so schwer, Druckfehler aufzufinden, daher komme es, dass in allen Büchern… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erstausgabe der Gedichte erscheint Anfang August 1838 halbanonym unter dem Namen Annette Elisabeth von D. ... H. ... in Hüffers Aschendorffscher Buchhandlung in Münster. Das Buch wird in einer Auflage von 400 Stück gedruckt, hat 220 Seiten und soll 25 Silbergroschen kosten. Die Droste erhält kein Honorar, aber 30 Freiexemplare, die sie ihrem Mentor Schlüter überlässt. Verkauft werden 74 Exemplare zum Preis von jeweils 16,5 Groschen.
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1805 31.Dezember

Liebe Großmama! Ich hoffe, dich bei dem Schreiben und der Ankunft dieses Briefes in eben der Gesundheit zu treffen, die wir jetzt genießen. Wir haben dieses Jahr recht was Schönes auf Nikolaus bekommen, Jenny hat einen Ring, einen seidenen Geldbeutel, ein paar Handschuh und viel Esswerk bekommen. Ich habe dasselbe erhalten. Werner und Fente haben Jacke und Hose, auch viel Esswerk bekommen. Lebe wohl. Wir alle küssen dir in Gedanken die Hände. Ich verbleibe deine dich liebende Enkelin Nette Bald hätte ich den guten Großpapa vergessen, küsse ihn für… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Brief richtet sich an die (Stief-)großeltern mütterlicherseits. die im ostwestfälischen Bökendorf leben.
Annette von Droste hat drei Geschwister: die zwei Jahre ältere Schwester Maria Anna, genannt Jenny, den anderthalb Jahre jüngeren Bruder Werner Constantin und den drei Jahre jüngeren Bruder Ferdinand, genannt Fente.
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