1845 20.Februar

Ich brüte jetzt über einem Stoff zur dritten Erzählung für unser Buch, um doch ans Werk zu kommen, bis ich der nötigen Notizen über Belgien für die zweite (als erste soll ja die „Judenbuche“ gelten) habhaft geworden bin, und dichte zwischendurch etwas für den Kölner Schlingel, falls er auf unseren Vorschlag eingehen sollte – Gott gebe es, obwohl mir die Novelle passender für ein Taschenbuch scheint, da es mitunter schwer sein möchte, sie in die nötigen Abschnitte zu teilen, deren jeder doch seinen bedeutenden Fortschritt der Geschichte und spannende Punkte enthalten müßte. Ich glaube, wenn es mit dem Kölner nicht geht, könnte man es noch immer mit einem Taschenbuch (z. B. der Cornelia, wenn die noch existiert) versuchen. …

Adieu, mein Lies – hörte doch der Regen oben und der gräuliche Dreck unten auf! Dann kämen sie wohl, mit Luischen, oder ich entschlösse mich zu einem Versuche, wieviel sich mein Katarrh bieten läßt. „Geduld, Geduld, Du bittres Kraut!“ – ich bin aber eine ungeduldige Geduldige. Gute Nacht, mein lieb Tuckelchen, der Ofen flackert so schön – das ganze Zimmer so winterlich heimlich – es ist eine Schande, dass ich es allein genießen muss. Sie würden in einem See von Träumen schwimmen.

Rüschhaus, 20. Februar 1845

Mehr zum Adressaten: Elise Rüdiger
Hintergrund: Schon im April 1844 dachte Annette von Droste erstmals über ein gemeinsames Buchprojekt mit Elise Rüdiger nach. Geplant sind sechs Erzählungen, von denen jede der Freundinnen drei verfassen sollte. Neben der "Judenbuche" möchte die Droste ihre in Belgien spielende Kriminalgeschichte "Joseph" hierfür verwerten. Der Gemeinschaftsband wird nicht realisiert.
Der Kölner Schlingel ist vermutlich der Redakteur Hermann Püttmann von der "Kölnischen Zeitung"; die Cornelia eine Taschenbuchreihe.