Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: , aus: Meersburg
1847 21.Juli

Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit! Da niemand die Stunde seines Todes voraus weiß, und mich, Endesunterschriebene, Anna Elisabeth, Freiin von Droste zu Hülshoff, meine Gesundheitsverhältnisse veranlassen, ein vielleicht schleuniges Ende zu befürchten, so verordne ich hiermit, hinsichtlich meiner Nachlassenschaft, dass, falls sich kein späteres Testament vorfindet, meine beiden lieben einzigen Geschwister, nämlich: mein lieber Bruder, Werner Konstantin, Freiherr von Droste zu Hülshoff, und meine liebe Schwester, Maria Anna, Freifrau von Laßberg, geborene Freiin von Droste zu Hülshoff, als meine alleinigen Erben eintreten sollen, jedoch in folgender Weise, dass § I alle Teile meines Vermögens, die sich innerhalb… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 30.November

Nun in Eil zwei Zeilen Antwort auf Ihren Brief, der mich natürlich aufs unangenehmste überraschen musste. Ich habe ihn gestern abend erhalten, heute früh meinen Bruder herüber bitten lassen und schicke Ihnen jetzt statt aller Auseinandersetzung die Kopie des Briefs, den derselbe soeben beendet und an Herrn Hüffer geschickt hat; wollen Sie dieselbe gefälligst vorläufig der Cottaischen Buchhandlung mitteilen, so wird die Sache dadurch ohne weitere Weitläufigkeiten erklärt und zugleich die Buchhandlung aller Sorge enthoben werden. Ich bitte, dass Sie derselben mein Bedauern über einen Vorfall ausdrücken wollen, der durch meinen Mangel an Geschäftskenntnis herbei geführt worden ist. Übrigens muss ich auch so anständiges Lehrgeld… Weiterlesen »

Hintergrund: In der zweiten Gedichtausgabe, die 1844 bei Cotta erscheint, sind viele Gedichte erneut abgedruckt, die bereits im ersten Band von 1838 veröffentlicht waren. Weil die Auflage von 1838 noch nicht annähernd verkauft ist, stellt deren Verleger Johann Hermann Hüffer Forderungen an den Cotta-Verlag. Er beruft sich dabei auf das Preußische Landrecht, nach dem einem Verleger bei einer Zweitauflage der volle Preis für jedes nicht verkaufte Exemplar der Erstauflage zusteht. Von den 400 gedruckten Exemplaren des ersten Gedichtbandes sollen, entgegen früherer anderer Angaben von Hüffers Verlag, nur 74 verkauft worden sein. In die Auseinandersetzung schaltet sich Annettes Bruder Werner ein und erzielt mit Hüffer eine Einigung: Die Familie Droste kauft vermutlich 172 Buchexemplare der ersten Gedichtausgabe für 64 Reichstaler auf.
Die erwähnte unentgeltliche Mitarbeit bei der Kölner Zeitung soll der Schriftstellerin Elise von Hohenhausen zugute kommen, deren Erzählung „Die Gattin“ im Gegenzug im April 1845 in dem Blatt veröffentlicht wird.
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Bad Driburg
1819 29.August

Ach liebe Großmutter und Tanten, wenn Ihr mir doch wolltet ein bisschen Butter schicken, hierzulande ist sie sehr teuer und schlecht, Frenzchen hat mir von Hinnenburg welche geschickt, aber die ist grade auf, wenn Ihr mir wolltet etwas süßes Brot und einen Käse dazu schicken, dann würde ich Euch sehr dankbar sein, nicht wahr? Ich mache es wie der schlaue Pilgrim in Hebels Schatzkästlein, aber in diesem fatalen Neste ist ist auch nichts zu haben als für ungeheures Geld, und dann oft noch nicht einmal, bitte schickt es mir auf jeden Fall so bald wie möglich, da ich nur noch acht Tage bleibe … Dass die Lotterie für die Schneebergsche so gut ausgefallen ist, wisst Ihr schon wohl, ich wollte, ich wüsste nur jemand, dem ich… Weiterlesen »

Hintergrund: In Bad Driburg, 20 Kilometer von Bökendorf entfernt, weilt Annette im Sommer 1819 zu einer Kur. Dort soll sie das "Bettellied" - offizieller Titel: "Die Ihr kennt des Lebens Freuden" - geschrieben haben, um Spenden für eine Frau Schneeberger einzutreiben.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Hülshoff
1838 1.Januar

Ich schicke Ihnen ein Stück Briefes, den ich von der Schopenhauer erhalten, mit der Bitte, mir doch sogleich Ihre Ansicht darüber zukommen zu lassen. Ich meinerseits glaube weder von Herrn Hüffer loskommen zu können und noch weniger, dass er für sein höfliches und freiwilliges Anerbieten eine solche Hintansetzung verdient; doch überlasse ich Alles Ihrem besseren Urteil. Hüten Sie sich aber, Sie arglosester und somit unvorsichtigster aller Menschen, diese Zeilen Herrn Hüffer etwa mitzuteilen, die Ausdrücke obskure und geringe Buchhandlung würden ihm schwerlich gefallen, zudem braucht er, falls Sie der Meinung sind, ihm das Manuskript zu lassen, gar nicht zu wissen, dass ich einen Augenblick darüber schwankend sein könnte; so… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Hülshoff
1843 9.Mai

Jenny schreibt: „Dein Gedicht auf unser Glaserhäuschen, was im ,Morgenblatt‘ steht, macht hier viel Sensation et cet.“ Wie ist das? Ich habe es ja gar nicht eingeschickt? L war anfangs sehr dafür, nachdem er aber seinen Namen in „Eugen“ verändern musste, dagegen. Sie halten ja das „Morgenblatt“, es wird dort wohl „die Schenke am Berge“ heißen. L, der eine Abschrift besaß, muss es jetzt eingeschickt haben – um das Honorar zu vermehren? Das will ich doch nicht glauben! Vielleicht hat er dem „Morgenblatt“ Beiträge versprochen, zu denen ihm Zeit und Lust gefehlt, und faute de mieux ihm vorläufig halt den Mund stopfen wollen. Ich habe übrigens hier, außer dem Ihrigen, noch keinen Brief erhalten. Liebes Herz, wünschen Sie, der… Weiterlesen »

Hintergrund: "Die Schenke am See" erscheint am 25. Februar 1843 im "Morgenblatt" Nr. 48. Der Untertitel lautet "An Eugen M." Ein Jahr zuvor, im Februar 1842, hatte Schücking eine Übersendung des Gedichts an die Redaktion des "Morgenblattes" noch abgelehnt, weil die ursprüngliche Widmung ("An Levin S.") geändert werden sollte.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 12.September

Adelen habe ich noch nicht schreiben können, und muss erst ihre Adresse durch die Mertens abwarten, da sie grade nach Karlsbad reiste, als ich in Bonn war, und der Mertens diese dann zu schicken versprochen. Ich werde dieser doch in den nächsten Tagen schreiben, da ich einen in Betracht der Umstände sehr langen Brief von ihr erhalten, wenige Tage, nachdem man ihren Mann, der mir in Bonn schon sehr bedenklich vorkam, auf einer kleinen Geschäftsreise morgens tot im Bette gefunden. Sie ist doch sehr erschüttert, und mit Recht, denn sie haben eine wahre Höllenehe geführt, und die Schuld stand ganz zu gleichen Teilen. Vielleicht wird sie jetzt wieder liebenswürdiger, da der wenigstens angebliche Grund zu dem ewigen innern Grimmkochen… Weiterlesen »

Hintergrund: Auf Veranlassung ihres Vaters, des Bankiers Abraham Schaaffhausen, heiratet Sibylle 1816 den leitenden Bankangestellten Louis Mertens. Das Paar bekommt sechs Kinder, doch die Ehe gilt gemeinhin als unglücklich - beide verbringen viel Zeit getrennt voneinander, sie auf ihrem Landgut Plittersdorf bei Bonn, er in Köln. Sibylle schart einen illustren Künstler- und Gelehrtenkreis um sich, und sie hat Affären - mit Männern wie mit Frauen. Eine von ihnen ist Adele Schopenhauer.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 14.November

Lieb Lies, ich plage mich wie ein armer Hund mit meinen schlechten Stahlfedern und habe schon ein ganzes Kästchen durchprobiert, aber alle wollen entweder die Dinte nicht lassen, oder haben immer von Neuem Haare im Schnabel, als wenn ihnen ein Bart nachwüchse. Glückselig, wer mit Gänsekielen schreiben kann! ich kann’s nicht, denn ich verstehe sie nicht zu schneiden, und Mama ebensowenig. Rüschhaus, 14. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Zum Schreiben wurden in der Regel die äußersten fünf Federn eines (Gänse-)Flügels genommen. Will man einen Kiel zuschneiden, so muss man ihn zunächst härten. Dazu wird der Kiel schräg angeschnitten und das Mark entfernt oder zurückgedrückt. Anschließend weicht man die Kiele in einem Glas Wasser solange ein, bis sie gänzlich weiß erscheinen. Den eingeweichten Kiel steckt man nun in ein Behältnis mit heißem Sand, der so heiß sein muss, dass die Kiele zwar zischen, aber nicht reißen. Man belässt sie solange darin bis sie an ihren Spitzen transparent sind. Zum Abschluss wird die auf dem Kiel befindliche Haut mit einem scharfen Messer heruntergekratzt und abgewischt. Anschließend kann der Zuschnitt erfolgen. (Quelle: Wikipedia)
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 11.November

Daß ich etwas krank und furchtbar apprehensiv gewesen bin, werden Sie schon durch Nanny und Luischen wissen; doch das ist jetzt vorüber, und ich will das gute Papier nicht mit all den Übeln, die ich hätte haben können und gottlob nicht gehabt habe, verderben, sondern Ihnen lieber danken, so gut ich kann, aber lange nicht so gut ich möchte, für die Treue, mit der mein altes liebes Lies mir seine Brieftäubchen zuflattern läßt. Altes Ding! Wie sie so brav ist, und wie lieb ich sie habe! Ich will mir auch gar keine neuen Freundinnen wieder anschaffen, außer Nanny und Luischen, mit denen ich von Ihnen phantasieren kann. Das tun wir denn auch dermaßen, dass ich zuweilen meine, die Pferde gingen mit uns durch. An Elise in der… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 24.April

Werner ist vor vierzehn Tagen mit dem Wagen zweimal über und über gekehrt worden, auf dem Wege von Münster nach Hülshoff, hat aber, gottlob, nichts gekriegt. Es war grade am Auftauen, drei Pferde nebeneinander gespannt, zwei an der Deichsel, das dritte daneben – da schlägt der Wagen an der einen Seite in ein Eisloch und total um. Kutscher und Jäger springen glücklich herunter, der Letztere nur halb glücklich, nämlich bis unter die Arme in einer „schalluhen Schlaut“ neben dem Fahrwege. Durch den starken Ruck bricht die Deichsel, die beiden dadurch freigewordenen Pferde werden scheu und reißen auch das dritte vom Wagen los, der nun zum zweiten Male umgekehrt wird, und dann ins Weite! Der Kutscher ihnen nach. Unterdessen steht der… Weiterlesen »

Hintergrund: schalluhen Schlaut = bösartiges Schlagloch
Kolk = Tümpel