An Verleger Cotta in Stuttgart

Von Annette von Droste-Hülshoff
30. Oktober 1844

Ew. Hochwohlgeboren haben mich so freundlich beschenkt, dass ich Ihnen längst meinen herzlichen Dank würde ausgedrückt haben, wäre die Ankunft der Büchersendung nicht durch Umstände dermaßen verspätet worden, dass dieselbe erst seit wenigen Tagen in meinen Händen ist. Ihr Geschenk musste mich umso mehr freuen, da meine kleine Bibliothek bis jetzt noch keins der übersandten Werke enthielt und ich mehrere derselben, namentlich Lenaus und Zedlitzens Gedichte, bereits in Münster, wo der Buchhandel sich fast ausschließlich nur mit norddeutschen Produten befaßt, vergebens zu erhalten gesucht hatte.

Als ich im Spätsommer vom Bodensee in meine Heimat kehrte, hoffte ich über Stuttgart zu kommen und dort Ew. Hochwohlgeboren persönliche Bekanntschaft zu machen; Umstände haben unsre Reiseroute geändert, doch bleibt mir dieses Vergnügen hoffentlich vorbehalten, da Familienverhältnisse mich wahrscheinlich nach einem oder zwei Jahren wieder denselben Weg führen werden. Bis dahin möge ein freundliches Geschäftsverhältnis das persönliche Wohlwollen begründen, ohne welches eine Art von Verkehr peinlich ist, und mit welchem ich bereits die Ehre habe mich zu unterzeichnen
Hochachtungsvoll, Fr. v. Droste-Hülshoff