Zuarbeit zum Westfalen-Buch

Von Annette von Droste-Hülshoff
11. September 1842

… und NB. was stellt das für, dass Du behauptest, gar kein Material zu haben? Wo sind denn diejenigen glänzenden, poetischen, gediegenen, mit (Gesichts-)Schmerzen gebornen „jüngsten Kinder meiner Laune“, die ich dir in meinem letzten Briefe von Meersburg gesendet? Heißt es hier wirklich: parturiunt montes, nascetur ridiculus mus? Zu deutsch: Kannst Du wirklich ganz und gar nichts davon brauchen? Mich dünkt, es kamen doch eine Masse schöner Gebräuche darin vor, die es nicht verdienten, so ganz für die Hunde zu gehn. Wirklich, konntest Du nicht wenigstens einiges umarbeiten? Sag‘ es mir nur frei heraus, du weißt, ich hülle mich dann in meine Größe, und tröste mich mit deinem schlechten Geschmacke. …

Ferner: Rüdiger würde gern Statistisches beitragen, anderes schwerlich, verreise aber morgen auf acht Tage, könne also nicht sogleich; an Hüffer möchtest du doch ein paar Worte schreiben, der würde sich dadurch grenzenlos geschmeichelt fühlen und könnte dir gewiss die pikantesten Details geben.

Mehr über die Adressatin/den Adressaten: Levin Schücking
Hintergrund: Levin Schücking hat den Auftrag angenommen, für den - letztendlich nicht realisierten - Sammelband "Deutschland im 19. Jahrhundert" einen Aufsatz über Westfalen zu verfassen.