1819 29.August

Ach liebe Großmutter und Tanten, wenn Ihr mir doch wolltet ein bisschen Butter schicken, hierzulande ist sie sehr teuer und schlecht, Frenzchen hat mir von Hinnenburg welche geschickt, aber die ist grade auf, wenn Ihr mir wolltet etwas süßes Brot und einen Käse dazu schicken, dann würde ich Euch sehr dankbar sein, nicht wahr?

Ich mache es wie der schlaue Pilgrim in Hebels Schatzkästlein, aber in diesem fatalen Neste ist ist auch nichts zu haben als für ungeheures Geld, und dann oft noch nicht einmal, bitte schickt es mir auf jeden Fall so bald wie möglich, da ich nur noch acht Tage bleibe …

Dass die Lotterie für die Schneebergsche so gut ausgefallen ist, wisst Ihr schon wohl, ich wollte, ich wüsste nur jemand, dem ich das Geld mitgeben könnte …

Bad Driburg, 29. August 1819

Hintergrund: In Bad Driburg, 20 Kilometer von Bökendorf entfernt, weilt Annette im Sommer 1819 zu einer Kur. Dort soll sie das "Bettellied" - offizieller Titel: "Die Ihr kennt des Lebens Freuden" - geschrieben haben, um Spenden für eine Frau Schneeberger einzutreiben.

1 Anmerkung

  • # Christoph B. Schlüter:
    Christoph B. Schlüter

    Als einst Annette mit ihrer Stiefgroßmutter, der Freifrau Maria Anna von Haxthausen, geb. von Wendt, im Bade in Driburg war, wandte sich eine Frau aus der Umgegend um Unterstützung an diese und schilderte in lebhaften Farben ihre Not. „Kind“, sagte die Großmutter, „kannst du nicht ein kleines Gedicht darüber machen, das, auf einen Teller gelegt, bei den Badegästen die Runde macht?“ Annette tat es sofort und die Sammlung hatte den gewünschten Erfolg.
    In „Annette von Droste-Hülshoff: Briefe der Freiin Annette von Droste-Hülshoff“, 2. Aufl. 1880