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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Eine Krone aus Papier

(…) Ich habe Dir schon gesagt, daß Wessenberg hier war. Seine Persönlichkeit ist jetzt weder angenehm noch bedeutend; indessen habe ich ihn zu spät kennen gelernt, da er offenbar schon sehr stumpf ist. Man sagt, er behandle Frauen gewöhnlich mit großer Geringschätzung und fast wie unmündige Kinder; mit mir hat er aber eine ehrenvolle Ausnahme gemacht, und nachdem er mir schon durch Baumbach viel Verbindliches über meine Gedichte und den Wunsch, meine Bekanntschaft zu machen, hatte zukommen lassen, trat er mir jetzt, ziemlich taktlos und geziert, mit den Worten entgegen: „Sie sind also die Dichterin! Wahrlich, Sie haben eine herrliche Ader, von seltner Kraft! et cet.“, und Du glaubst nicht, mit welcher koketten, kleinlichen Ostentation er mich den übrigen Tag,WeiterlesenEine Krone aus Papier

Ich bin hier aufgewachsen bin und somit so sehr Herrin meines Stoffes wie keines andern

(…) Die vielfachen, ich möchte fast sagen ungestümen Bitten Malchen Hassenpflugs haben mich bestimmt, den Zustand unseres Vaterlandes, wie ich ihn noch in frühester Jugend gekannt, und die Sitten und Eigentümlichkeiten seiner Bewohner zum Stoff meiner nächsten Arbeit zu wählen. Ich gestehe, daß ich mich aus freien Stücken nicht dahin entschlossen hätte, denn für erst ist es immer schwer, Leuten vom Fach zu genügen, und in dieser Sache ist jeder Münsterländer Mann vom Fach. Ich erinnere mich, daß einst ein sehr natürlich geschriebenes Buch in einer Gesellschaft vorgelesen wurde, die einen Soldaten, einen Forstmann, einen Gelehrten und einen Diplomaten in sich schloß; jeder war entzückt über alles, mit Ausnahme der Stellen, die jedes Fach betrafen. Der Soldat fand Schnitzer inWeiterlesenIch bin hier aufgewachsen bin und somit so sehr Herrin meines Stoffes wie keines andern

Zwei zähe Planken wie wir

Viel Glück zum neuen Jahre, mein altes Lies! Das vergangene ist nicht eben zu loben, Ihnen hat es viele äußere und innere Stürme gebracht, mir eine lange Krankheit und doch auch manche Erschütterung, und so steht’s mit fast allen, die uns nahe sind. Möge das begonnene friedlicher sein! Und um ihm den möglichst vorteilhaften Anstoß zu geben, fange ich es mit einem Briefe an diejenige an, von deren Liebe ich seine besten und innigsten Momente erwarte. Nicht wahr, mein Lies? Treu bey Sonnenschein und Schnee, in guten und bösen Tagen? In Leiden uns auf den andern gestützt, die Freuden doppelt genossen, und wenn’s uns beiden schlecht gehn sollte, doch wenigstens noch einander gehabt! So wär‘ es doch ein Wunder, wennWeiterlesenZwei zähe Planken wie wir

Silvesterbrief

Du lieber Gott, ich soll schreiben und liege schon im Bette und muß noch obendrein nachher einen Teil der Nacht wachen. So soll es mich denn wundern, wie sich Engelbert und Fanny als junges Ehepaar machen werden, obn dieses neue Verhältnis für uns so sehr angenehm ausfallen wird, als wir uns es jetzt wohl denken, und ob, übers Jahr, die kerkeringsche Familie sich wohl um ein Mitglied wird vermehrt haben. Ferner, wie es Fritz Böselager gehen wird, von dem heute Abend bey Tische viel geredet worden, und was es mit Linchen Borg und Dolfs gibt; das sind lauter Dinge, worauf ich neugierig bin. Gott gebe, daß die gute Engel auch endlich einen einigermaßen sicheren Aufenthalt gefunden hat. Wenn dieses gelesenWeiterlesenSilvesterbrief

Mit dem Verleger zerfallen

(…) Mein „St. Bernhard“ hat seltsame Schicksale! Sie wissen, daß ich von Eppishausen aus den Cölner Verleger gebeten hatte, mit der Herausgabe zu zögern, bis ich nach Bonn komme, weil ich noch einiges verändern wolle. In Bonn angekommen, finde ich denjenigen Professor, der sich mit der Besorgung der Sache beladen hatte, gänzlich zerfallen mit dem Verleger, der bis dahin auch der seinige gewesen war. Die guten Leute schrieben sich die furchtbarsten Injurien und werden wohl kaum auf dem Wege der Güte mehr auseinander zu bringen sein. Ich sah das eine Weile an, dann fing es doch an, mir höchst fatal zu werden, daß zwei Menschen, die einander nicht nennen hören konnten, ohne so rot zu werden wie ein paar Welsche,WeiterlesenMit dem Verleger zerfallen

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