Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 5.September

Meine Hausgenossen sind gestern ausgeblieben, ob sie noch in Hülshoff stecken oder in Münster – vielleicht bei Ihnen – weiß Gott. Sie hatten beide Touren vor, wollten aber gestern abend damit fertig sein. Die Hanne macht hier bonne mine au mauvais jeu. Ich glaube, sie findet Rüschhaus schauderhaft einsam, und hat sich wohl unter einem Landleben so nahe bei Münster ganz was anderes gedacht, eine Art Gartenhausparade, wo man die ganze Stadt vorüber- und die halbe hineinziehen sieht. Zudem hat sie sich mich wie mit einem Lichterkranz gelehrter Freunde umsteckt gedacht, wo sie ihre Lampe nicht übel leuchten zu lassen hoffte, und so oft ich in Abbenburg eines Bekannten erwähnte, war gleich die Antwort da: „Mich soll wundern, wie ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Johanna Hassenpflug, die Schwester von Amalie, kommt Ende August 1843 zu einem Besuch ins Rüschhaus.
Annette von Droste und Elise Rüdiger planen eine gemeinsame Reise nach Meersburg. Am 20. oder 21. September 1843 brechen sie zusammen mit Annettes Mutter vom Rüschhaus auf, reisen über Bonn, wo sie den Germanisten Karl Simrock besuchen, und treffen am 3. Oktober in Meersburg ein.
Mit Wilhelmine von Thielmann verbindet die Droste eine langjährige Freundschaft, die im Jahr 1817 begann. Die 25 Jahre ältere Wilhelmine nahm Annette damals unter ihre Fittiche und führte sie in elitäre Münsteraner Kreise ein. Später zog Thielmann nach Koblenz, wo die Droste sie mehrfach besuchte.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 4.Mai

Ob ich mich freue nach Haus zu kommen? Nein, Levin, nein. Was mir diese Umgebungen vor sechs Wochen noch so traurig machte, macht sie mir jetzt so lieb, dass ich mich nur mit schwerem Herzen von ihnen trennen kann. Hör, Kind! Ich gehe jeden Tag den Weg nach Haltenau, setze mich auf die erste Treppe, wo ich Dich zu erwarten pflegte, und sehe, ohne Lorgnette, nach dem Wege bei Vogels Garten hinüber. Kömmt dann jemand, was jeden Tag ein paarmal passiert, so kann ich mir bei meiner Blindheit lange einbilden, Du wärst es, und Du glaubst nicht, wieviel mir das ist. Ist’s nicht ein heitrer Ort, mein junger Freund, Das kleine Haus, das schier vom Hange gleitet, Wo so possierlich uns der Wirt erscheint, So übermächtig sich die… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und Annette von Droste unternehmen in Meersburg täglich lange gemeinsame Spaziergänge. Aus Sorge vor Gerüchten verlassen sie die Burg getrennt, um sich dann in Haltenau zu treffen. Auf dem Rückweg machen sie häufig noch einmal Halt im "Glaserhäuschen". Mit dem Gedichte "Die Schenke am See" setzt die Droste dem Lokal und seinem Wirt ein literarisches Denkmal.

Am 2. April 1842 reist Schücking von Meersburg nach Stuttgart, um dort mit dem Verleger Cotta und dem "Morgenblatt"-Redakteur Hermann Hauff unter anderem über eine Veröffentlichung der "Judenbuche" zu sprechen. Anschließend tritt Schücking eine neue Stelle an: Er wird als Erzieher der Söhne des Fürsten von Wrede in Ellingen und Mondsee arbeiten.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 4.September

Gleichgültig bin ich Ihnen vorgekommen? Lieb Lies! Das Herz hätte mir springen mögen, dass ich Sie wieder hatte in meinem eigenen Rüschhaus (in dem für uns so viele Geister umgehn,) und dass ich dabei denken musste, vielleicht noch einmal so; und nachher, was Gott will und ein rundes Jahr so gnädig ist uns übrig zu lassen; aber ich werde leicht schroff, wenn sich die Bewegung in mir zum Unerträglichen steigert. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie mir ist! Ich genieße jedes Abendrot, jede Blume im Garten wie eine Sterbende. Die letzte Schweize Rreise hat mich zuviel gekostet! Wären Sie nur die drei Wochen noch hier! Wir wollten keine Minute verkommen, keinen Schmetterling unbemerkt fliegen lassen, und für ein ganzes Jahr… Weiterlesen »

Hintergrund: Elise Rüdiger besucht die Droste im August/Anfang September 1843 im Rüschhaus. Die beiden Freundinnen planen eine gemeinsame Reise nach Meersburg.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Eppishausen
1835 9.November

… Reflexionen können Sie selber machen, die brauche ich nicht aus der Schweiz zu schicken; aber, liebster Freund, ich weiß Ihnen eben nichts Besseres zu geben; die Politik bekümmert uns beide gleich wenig, sonst könnte ich Ihnen sagen, dass die freien Schweizer, die keinen Rang anerkennen wollen, die ärgsten Sklaven des Geldes sind, dass reiche Bauern in den Dörfern uneingeschränktere Herren und schlimmere Tyrannen darstellen, als je der Unterschied des Ranges dergleichen hervorgebracht hat; anderwärts mögen Konnexionen manches bewirken, hier tun sie alles, Geld und Nepotismus sind die einzigen Hebel; wer beides nicht aufzuweisen hat, mag die Hände in den Schoß legen, er ist verdammt, sein Lebelang ein Quäler zu bleiben…. Weiterlesen »

Hintergrund: Eduard d'Alton erstellte eine wenig schmeichelhafte Kritik und übermittelte diese Sibylle Mertens-Schaffhausen zur Weiterleitung an die Droste. Diese hielt das Gutachten aber offenbar zurück, um die Dichterin zu schonen.
Bei der Zwischenstation in Bonn nach Eppishausen hat Joseph Braun Kontakt mit dem Verleger DuMont Schauberg vermittelt. Dieser sagt zu, das Buch bis Ostern 1836 herauszugeben, doch zunächst muss die Droste eine neue Abschrift ihrer Epen anfertigen. Damit beginnt sie Ende 1835; vor März 1836 schickt sie das Manuskript an Braun. Am 5. Juli 1836 antwortet dieser, dass der Herausgabe des Buches aus Sicht des Verlegers nichts im Wege stehe.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 3.April

Was soll ich Ihnen von Schs eigner Lage sagen? Er nimmt sie von der besten Seite, ist vergnügt wie ein König und baut ein Luftschloß ums andre, wobei er seinen zukünftigen Erwerb durch dramatische Arbeiten hoch anschlägt. Cottan hat er noch nicht mit Augen gesehn, ist auch nicht auf Ostern von ihm engagiert, sondern dies wieder auf Michaelis hinausgeschoben, wo er dann sicher auf eine feste Anstellung mit 1500 Gulden rechnet, und bis dahin seine Arbeiten an der „Allgemeinen“ sehr gut bezahlt erhält. Mich macht dies Aufschieben besorgt, und sein Ruhm? es ist kurios damit. Er selbst zitiert mir ein Journal nach dem andern, deutsche und französische, wo ich die brillantesten Sachen über ihn nachlesen soll (eins, im Literaturblatt… Weiterlesen »

Hintergrund: Abominable = abscheulich. Schücking hat auf Anraten der Droste einige anti-kirchliche Stellen aus dem Manuskript seines Schauspiels "Günther von Schwarzburg" gestrichen.
Die nach der München-Reise des Ehepaars Schücking geplante Fahrt nach Venedig kommt nicht zustande; somit müssen die beiden auch auf die angebliche förderliche Wirkung der Seebäder auf die Fruchtbarkeit verzichten. Nach der Hochzeit hatte das Paar eine einwöchige Reise von Darmstadt über Weinsberg nach Augsburg unternommen.
Noch immer hat Schücking keine Festanstellung bei der von Johann Georg Cotta verlegten "Allgemeinen Zeitung" als Redakteur, sondern arbeitet weiterhin lediglich auf Honorarbasis.
An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1830 26.März

Ich kann mich unmöglich so schnell entschließen, als von mir verlangt wird. Wenn es nicht so lange Zeit hat, bis ich wieder in Rüschhaus bin und ein wenig mit Euch überlegt habe, so lasst es lieber ganz beruhen, denn auf keinen Fall ist mir viel daran gelegen mitzugehn, aber es könnte mir wohl, bei näherer Überlegung, sehr zuwider sein. Gegen Mannheim habe ich, an und für sich, einen Widerwillen. Die guten Seiten dieses Aufenthalts reizen mich nicht. Von der schönen Gegen kann ich im Winter nicht profitieren. Dass die Stadt schön und regelmäßig gebaut ist, ist mir gleichgültig. Das Theater ist gut, d.h. etwa wie das Kasseler, aber Du weißt selbst, dass ich etwas geizig mit Theatergeld bin, und bloß wenn ich etwas Besonderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Reise, die über Nizza nach Rom führen soll, ist eine Idee Werner von Haxthausens. Der Onkel würde gerne seine Schwester Therese und deren Töchter, Jenny und Annette, mitnehmen. Die Droste freut sich sehr darauf, doch ihre schlechte Gesundheit macht ihr einen Strich durch die Rechnung; mehrfach werden die Reisepläne geändert. Im September bricht ein Teil der Familie von Haxthausen nach Italien auf; die Droste-Frauen sollen später nachkommen. Politische Unruhen (Revolution in Paris und Belgien, Aufstände in einigen deutschen Städten) machen den Plan schließlich zunichte. Ende September/Anfang Oktober reist die Droste stattdessen nach Bonn.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 20.Februar

Ich brüte jetzt über einem Stoff zur dritten Erzählung für unser Buch, um doch ans Werk zu kommen, bis ich der nötigen Notizen über Belgien für die zweite (als erste soll ja die „Judenbuche“ gelten) habhaft geworden bin, und dichte zwischendurch etwas für den Kölner Schlingel, falls er auf unseren Vorschlag eingehen sollte – Gott gebe es, obwohl mir die Novelle passender für ein Taschenbuch scheint, da es mitunter schwer sein möchte, sie in die nötigen Abschnitte zu teilen, deren jeder doch seinen bedeutenden Fortschritt der Geschichte und spannende Punkte enthalten müßte. Ich glaube, wenn es mit dem Kölner nicht geht, könnte man es noch immer mit einem Taschenbuch (z. B. der Cornelia, wenn die noch existiert) versuchen…. Weiterlesen »

Hintergrund: Schon im April 1844 dachte Annette von Droste erstmals über ein gemeinsames Buchprojekt mit Elise Rüdiger nach. Geplant sind sechs Erzählungen, von denen jede der Freundinnen drei verfassen sollte. Neben der "Judenbuche" möchte die Droste ihre in Belgien spielende Kriminalgeschichte "Joseph" hierfür verwerten. Der Gemeinschaftsband wird nicht realisiert.
Der Kölner Schlingel ist vermutlich der Redakteur Hermann Püttmann von der "Kölnischen Zeitung"; die Cornelia eine Taschenbuchreihe.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 24.April

Werner ist vor vierzehn Tagen mit dem Wagen zweimal über und über gekehrt worden, auf dem Wege von Münster nach Hülshoff, hat aber, gottlob, nichts gekriegt. Es war grade am Auftauen, drei Pferde nebeneinander gespannt, zwei an der Deichsel, das dritte daneben – da schlägt der Wagen an der einen Seite in ein Eisloch und total um. Kutscher und Jäger springen glücklich herunter, der Letztere nur halb glücklich, nämlich bis unter die Arme in einer „schalluhen Schlaut“ neben dem Fahrwege. Durch den starken Ruck bricht die Deichsel, die beiden dadurch freigewordenen Pferde werden scheu und reißen auch das dritte vom Wagen los, der nun zum zweiten Male umgekehrt wird, und dann ins Weite! Der Kutscher ihnen nach. Unterdessen steht der… Weiterlesen »

Hintergrund: schalluhen Schlaut = bösartiges Schlagloch
Kolk = Tümpel
An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1835 19.Februar

Ich bin krank, Billchen, deshalb soll ich gar nicht schreiben, nicht lesen; nun, das Verbot ist überflüssig, die Buchstaben schwimmen und rennen durcheinander wie Wassertierchen. Ich will versuchen, wie weit ich komme. … Von früherhin ließe sich allerdings manches sagen, und müßte sogar gesagt werden, aber für dieses Mal wird’s nicht gehen, mein Kopf läuft mit mir um. Nur so viel, ich war Dir böse und bin es nicht mehr, denn ich habe mich entschlossen, jenes, was mich kränkte, und zu verschiedenen Zeiten oft und sehr gekränkt hat, in Zukunft als etwas Unabänderliches zu tragen. Ich meine Deine Unfähigkeit, persönliche Mühe für Freunde zu übernehmen, selbst wenn der Erfolg für jene von Wichtigkeit und die Mühe gering… Weiterlesen »