Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 16.Februar

Ich machte mich in der letzten Zeit stärker als ich war, um Paulinens Widerstand zu besiegen, die mich nicht begleiten konnte (weil ihr ein junges Mädchen in den Ferien anvertraut war) und mich mit großer Liebe und Sorge entließ; sie hatte alles getan, mir die Reise zu erleichtern, mir alle Karten für Dampfboote und Eisenbahnen, sogar für den Omnibus bis Freiburg verschafft (diese Anstalten stehn miteinander in Berechnung) und zugleich ein Empfehlungsschreiben vom Direktor der Kölnischen Dampfschiffahrt, was an sämtliche Wagen- und Schiffkondukteure gerichtet, ihnen jede Rücksicht für mich auf die Seele band, so bin ich übergekommen fast so bequem wie in meinem Bette (d. h. bis Freiburg) — die Herrn Kondukteure führten mich… Weiterlesen »

Hintergrund: Marqueur: Kellner
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

Was mein damals angefangenes Trauerspiel anbelangt, so habe ich es noch fortgesetzt bis zum dritten Akt, dann blieb es liegen, und jetzt wird es auch wohl ferner liegen bleiben. Es enthält zwar mitunter ganz gute Stellen, aber der Stoff ist übel gewählt, hätte ich es in damaliger Zeit fertig gemacht, wo ich dieses noch nicht einsah, sondern mir im Gegenteil diese Idee sehr lieb und begeisternd war, so war es wohl so übel nicht geworden, aber es ist ein entsetzlicher Gedanke einen Stoff zu bearbeiten, für den ich nicht die mindeste Liebe mehr habe, es ist mir leid, ich wollte, dass ich es damahls fertiggemacht hätte. Außerdem habe ich in dieser Zeit nichts Bedeutendes aufzuweisen außer einer Anzahl Gedichte, wovon verschiedene… Weiterlesen »

An: Pauline von Droste, aus: Rüschhaus
1843 23.Januar

Stoß dich nicht an dem etwas schäbigten Aussehn des Töpfchens, die Salbe war nun einmal darin, und ich fürchtete, sie möchte eher verderben, wenn ich sie in ein anderes Gefäß strich, weil sie dieses nie so luftdicht ausfüllt wie dasjenige, worin sie gleich noch flüssig gegossen ist. Die scheinbar schmutzige Farbe derselben kömmt von den durchgepreßten Kräutern, und den ranzigen Geruch hat sie immer, da die Hauptingredienz ungesalzene Butter ist – dieses schadet aber ihrer Güte nicht, und selbst wenn Schimmel darauf kömmt (was sehr leicht geschieht), so streicht man ihn nur herunter, und das übrige ist so wirksam wie zuvor. Hier das Rezept: Man nimmt erstens unreife Wacholderbeeren, zweitens Moos, was an einem… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste sucht seit dem Winter 1829/30 in der Homöopathie Hilfe gegen ihre vielfältigen Krankheiten. Sie ist eine der ersten, die sich von dem Homöopathen Clemens Maria Franz von Bönninghausen behandeln lässt, einem Cousin von ihr.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 14.Dezember

Ich habe mich durch die Billigkeit des Preises verleiten lassen, das am Wege „zum Frieden“ liegende Fürstenhäuschen mit allen dazu gehörigen Reben zu kaufen – allerdings wohlfeil, aber doch um weit mehr als einen jährlichen Betrag meiner Leibrente, weshalb ich eine Anleihe bei meinem Bruder machen musste. Dafür habe ich nun freilich bei allen denkbaren Wechselfällen ein niedliches Asyl von fünf Zimmern, einer Küche, Keller, Bodenraum, und zwar in der Luft, die mir allein zusagt und endlich wohl meine heimische werden muss, – dabei in guten Jahren einen Weinertrag von etwa vierzig Ohm…. Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1839 1.September

Was sagen Sie dazu, dass ich Ihrem Manne schreibe? So geht’s, Elise, wenn man zu arglos ist! Sie tun Ihre frommen Augen lange nicht weit genug auf. Warum lassen Sie so gefährliche junge Personen in Ihr Haus? … Aber ernstlich, liebes Herz, geben Sie den einliegenden Brief Ihrem Herren Gemahle, er betrifft unseren guten Schücking. Mit Hassenpflug das ist leider nichts. Er hat mein Schreiben erst ganz vor kurzem vorgefunden, als er, nach einer längeren Abwesenheit, zurückkehrte, und war schon vorher längst mit einem Sekretär versehen. Artigkeiten hat er genug geschrieben, sein Brief schwimmt in Freundschaft und Erinnerungen, doch was nutzt mir das? Ich weiß nun zwar, dass er sich Schückings gelegentlich erinnern wird, aber wann?… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 16.November

Von Adelen habe ich Antwort, eine höchst unerwartete: mein buchhändlerischer Verehrer ist – ein Schlagschatten, ein Doppelgänger, kurz, Velhagen & Klasing, der sich vor drei Jahren hinter Adelen steckte, wie jetzt hinter Nanny Scheibler. … Ich glaube, Adele hat Recht; Cotta würde denken, dass entweder das eine oder das andre der Bücher bestimmt reüssieren werde, und deshalb vielleicht beide gut honorieren. Aber in diesem Falle kann ich kaum unter Jahresfrist auftreten, und dann doch nur mit dem ersten Bande des Prosaischen; wenigstens fürchte ich nicht weiterzukommen, da es im Frühling wieder nach Abbenburg geht, und ein Buch, in einem fremden Hause geschrieben, schon alles mögliche ist. Adele schreibt auch von Ihnen mit… Weiterlesen »

An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

O mein Sprickmann, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ihnen nicht lächerlich zu erscheinen, denn lächerlich ist das, was ich Ihnen sagen will, wirklich, darüber kann ich mich selber nicht täuschen. Ich muss mich einer dummen und seltsamen Schwäche vor Ihnen anklagen, die mir wirklich manche Stunde verbittert; aber lachen Sie nicht, ich bitte Sie noch einmal, mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen, er heißt „Sehnsucht in die Ferne“; nein, nein, Sprickmann, es ist wahrhaftig kein Spaß. Sie wissen, dass ich eigentlich keine Törin bin; ich habe mein wunderliches, verrücktes Unglück nicht aus Büchern und Romanen geholt, wie ein jeder glauben würde. Aber niemand weiß es, Sie wissen es ganz allein,… Weiterlesen »

Hintergrund: Otaheite lautet der ursprüngliche Name von Tahiti.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 11.Februar

Sie wundern sich wohl, mein guter Levin, fast zugleich zwei Briefe von mir zu erhalten; aber der von diesem Morgen war mir selbst so unangenehm zu schreiben und muss Ihnen notwendig so unangenehm zu lesen gewesen sein, dass ich es weder mir selbst noch meinem kleinen Jungen zu Leide tun mag, ihn ohne einen verbessernden Appendix zu lassen. Ach, Sie glauben nicht, wie geplagt man ist, sobald man Laßberg einige Einmischung gestattet hat, gleichviel in welcher Sache – was hier schon durch Annahme seines früheren Anerbietens geschehn war; er meint’s gut, nur zu gut, sieht die Sache dann ganz wie seine eigne an und wird zu einem unerschöpflichen Bronnen unbrauchbaren Rats, den er gleich in praxi sehn will und es nicht leicht vergibt,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking, der nun doch die Verhandlungen mit dem Inhaber der Cottaschen Verlagsbuchhandlung, Johann Georg Cotta von Cottendorf, über die zweite Gedichtausgabe führt (als Verleger des "Morgenblatts" sowie der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" ist Cotta auch Schückings Chef), erhöht die Honorarforderungen mehrmals. Seinen ersten Vorschlag (vier Louisdor pro Bogen) ersetzt Schücking durch ein Pauschalhonorar von 700 Gulden, das sind 400 Reichstaler. Dieser Betrag wird vor allem von Annettes Schwager Laßberg als zu gering verworfen; bei einem Umfang von 35 Bogen läge das Honorar bei nur zwei Louisdor pro Bogen, gibt er zu bedenken. Auch hält Laßberg die Auflage für zu hoch, der Abverkauf würde entsprechend lange dauern; üblich seien 750 Exemplare.
Die Autorin selbst wäre mit 700 Gulden, also 400 Talern, zwar durchaus einverstanden, Schücking verhandelt dennoch erneut mit Cotta und führt dabei andere Verlage an, die ebenfalls Interesse an der Herausgabe des Buches angemeldet hätten. Cotta gibt schließlich nach. Das schließlich vereinbarte Honorar beläuft sich auf 500 Reichstaler, das sind 875 Gulden, auf eine Auflage von 1200 Exemplaren sowie zwölf Freiexemplaren für die Droste.
Der Louisdor (eigentlich Louis d'Or) ist eine französische Goldmünze, die damals bereits nicht mehr geprägt wird. Der preußische Reichstaler ist bis 1907 gültig (Wert: 3 Mark). Der in Europa weit verbreitete Gulden (Abkürzung fl) ist vor allem im Süden Deutschlands und im Rheinland im Umlauf, er gilt bis 1876. Zum Vergleich: Das Honorar, das die Droste schließlich für ihren zweiten Gedichtband erhält, liegt deutlich über dem Jahresgehalt eines Oberlehrers - der verdient (im Jahr 1862) 677 Gulden.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 4.September

Der Deutsche legt … (wenigstens die Neueren) gewöhnlich Etwas von ihm nur halb Bezweifeltes zum Grunde – Etwas, das ihm beim Erzählen mit einem Schauer überrieselt hat, und dieser Schauer, dieses Schwanken zwischen – geistigen Einfluß? – unerklärte Naturkraft? – unabsichtlicher Täuschung? – läßt er auch über seine Leser herrieseln. – Hier ist unser Reich, was wir nur mit den Engländern und den Schotten theilen. Rüschhaus, 4. September… Weiterlesen »