Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1819 20.Dezember

Du musst nur nicht denken, liebste Mama, als ob ich besonders krank wäre. Die Leute wollen behaupten, ich sähe besser aus, als da ich hieher kam, und es kömmt mir bisweilen selbst so vor. Auf jeden Fall befinde ich mich seit dem Driburger Bade viel besser; was Leib- und Magenschmerzen und Übelkeiten, womit ich sonst so oft geplagt war, anbelangt, so weiß ich fast nicht mehr, wie sie tun. Auch das Kopfweh hat sich sehr gelegt, nur habe ich schon, solange der Winter dauert, immer eine Trockne in den Augen, doch ganz ohne Verdunklung. Wahrscheinlich ist die ewige Schnee- oder Regenluft schuld daran, wir haben hier noch nicht einen klaren Tag gehabt. Ich brauche jetzt meine alten Pillen, und es bessert sich merklich. Die Pulver will… Weiterlesen »

Hintergrund: Merkurius: Quecksilber
Der alte Forkenbeck ist ein Arzt in Münster.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 12.September

Zu meinem Gedichten ist noch manches recht Gelungene hinzugekommen, und die Pastete bald gar. Dann habe ich aber einen Plan damit, den ich Dir nur im Vertrauen mitteile, und über den ich voraussehe, sehr ausgeschumpfen zu werden. Liebes Herz, die arme – freilich nicht besonders schätzbare – Bornstedt ist sehr, sehr unglücklich, von jedermann verlassen, in eine Melancholie versunken, dass man allgemein für ihren Verstand fürchtet, von ihrem Liebhaber fortwährend schändlich betrogen und geplündert – während man in ihrem jetzigen Zustande es nicht wagen darf, eine Aufklärung herbeizuführen – und gewiss in großer Geldnot, vielleicht hungernd, obwohl sie alle dergleichen Andeutungen mit stolzer Empörung zurückweist; aber… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1841 23.März

Wissen Sie wohl, Professorchen, dass ich jetzt ernstlich willens bin, ein ellenlanges Buch im Geschmacke von Bracebridgehall auf Westfalen angewendet zu schreiben, wo auch die bewußte Erzählung von dem erschlagenen Juden hineinkömmt? Das Schema zum ersten Teile, Münsterland betreffend, habe ich schon gemacht, und das ist für mich ein großer Schritt, denn eben dies Ordnen und Feststellen der wie Ameishaufen durcheinander wimmelnden Materialien macht mir immer zumeist zu schaffen, und habe ich das überwunden, geht’s in der Regel sehr schnell. Nun aber ist mir mit meiner Grippe und Appendix vorläufig ein Schlagbaum vorgefallen, und ich muss mich gedulden oder vielmehr ungedulden, denn nun ich mal angefangen, brennt’s mir wie auf den… Weiterlesen »

Unter der Feder: Bei uns zulande auf dem Lande
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 17.August

Seit ich zuerst deinen und dann der lieben Mama Brief erhielt, hat es mir wie ein Stein auf dem Herzen gelegen, dass ich antworten müsste, und habe es doch nicht gekonnt, denn ich bin tüchtig krank gewesen und hatte noch dazu meinen Homöopathen nicht, der auf längere Zeit verreist war. Jetzt ist er seit 14 Tagen da, und sein erstes Pulver hat mir wieder wunderbar gut getan. Gestern habe ich das zweite genommen, was mich tüchtig angreift, ich denke, desto besser wirkt es nachher! Liebe Jenny! Du schmähst mich so aus, und es war doch wirklich nicht unvernünftig, dass ich hier blieb, da ich recht gut fühlte, was mir in den Gliedern lag. Glaub nur, ich habe eine tüchtige Tour abgemacht in diesen fünf Wochen, fast so arg wie… Weiterlesen »

Hintergrund: In die Hände des Homöopathen Clemens von Bönninghausen hat sich Annette erstmals im Winter 1829/30 begeben - mit nachhaltigem Erfolg.
Die Spanische Fliege ist eine Käferart aus Südeuropa, deren getrocknete Flügel zu dieser Zeit als Zugpflaster verwendet werden.
An: August von Haxthausen, aus: Meersburg
1844 2.August

Mit meinem literarischen Treiben geht es gut, Cotta hat mir, da ich seit einem Jahre nichts mehr an „Morgenblatt“ geschickt hatte, einen überhöflichen bittenden Brief geschrieben und ein Prachtexemplar der „Nibelungen“, Folio mit Holzschnitten, geschenkt. Hierauf habe ich ihm den Verlag eines Bandes neuer Gedichte, dem auch die ältern zum Teil einverleibt sind, angeboten. Als Antwort hat er mir erst weitläufig auseinandergesetzt, wie wenig oder nichts er andern, selbst Uhlanden oder Lenaun, für erste Auflagen gegeben habe und sich dann zu 500 Tlr. für die erste Auflage verstanden und für jede der späteren 1000 Tlr. in Aussicht gestellt, obwohl der Kontrakt nur auf eine Auflage von 1200 Exemplaren lautet, und zwar auf… Weiterlesen »

An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 15.September

Meine Schwester, die Ihnen selbst schreiben wollte, aber sich seit einigen Tagen durch Einfluß des Äquinoktiums zu unwohl dazu befindet, läßt sie bitten, ihr doch zu sagen, was es für eine Bewandtnis mit den zehn oder zwölf Gedichten hat, die Sie Ihnen für das „Morgenblatt“ mitgegeben, da jetzt, nach drei Monaten, noch nicht ein einziges davon erschienen ist. Sie glaubt daraus schließen zu müssen, dass Cotta ihnen entweder die Aufnahme verweigert hat oder Sie aus irgendeinem Grunde es sonst nicht passend gefunden haben ihm dieselben fürs „Morgenblatt“ zu geben. In diesem Falle wünscht sie sie dann einem der andern Blätter zu geben, und läßt Sie deshalb um Nachricht hierüber bitten, aber womöglich mit umgehender… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei dem Gedicht, das die Droste nun doch lieber nicht veröffentlicht sehen möchte, handelt es sich um Lebt wohl!, das sie aus Anlass des Abschieds des Ehepaars Schücking von der Meersburg am 30. Mai 1844 geschrieben hat. Der Wunsch kommt jedoch zu spät; das Gedicht ist bereits am 28. August 1844 in Cottas Morgenblatt erschienen. Bei der Abreise aus Meersburg hat Schücking neben diesem noch weitere Gedichte mitgenommen, von denen die meisten nach und nach im Morgenblatt zum Abdruck kommen.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 16.Februar

Kinkel war (Ende September) wieder gesund und in voller Tätigkeit, seine Johanna aber hätte man steinigen mögen, weil sie den nagelneuen Streit zweier Frauen aus geachteten und mit halb Bonn verwandten Familien auf die skandalöseste Weise als Novellenstoff verarbeitet hatte. Die Indiskretion des Federviehs ist doch heutzutage wahrhaft scheußlich! Meine Charakteristik im „Jahrbuche“ mag auch ein rares Stückchen sein, da sich der gute Kühnast so daran geärgert hat! Sie können wohl denken, dass ich es nicht gelesen, und wahrlich keine Lust dazu habe. Bädeker hat mir das Buch geschickt, d. h. nach Hülshoff. Werner schickte mir den Brief, behielt aber das versiegelte Paket bis auf weitere Ordre zurück; dort mag es ruhn bis zum… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit der gewissen ist wohl die „Kölnische Zeitung“ gemeint, mit den zwei Menschen Luise und Levin Schücking.
Antediluvianisch: vorsintflutlich
In Schückings Kurzbiografie der Droste, die „Charakteristik“, erschienen im Jahrbuch „Vom Rhein“, hat Annette offenbar keinen Blick geworfen.
An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1845 25.August

Im Frühling gehn wir wieder nach Meersburg; ich freue mich recht darauf, dort bin ich immer viel gesünder und kann auch viel mehr und leichter arbeiten; Ruhe, poetische Umgebung und besseres Befinden wirken dann zusammen. Auch in Ihrer Nähe bin ich dann, höre oft von Ihnen und kann es vielleicht möglich machen, Sie zu besuchen und mein lieb Patenjüngelchen zu sehn – lauter Dinge, wonach ich mich herzlich sehne, aber in diesem Augenblicke lange nicht Kraft und Mut genug habe, es recht lebendig zu hoffen. Sie glauben nicht, wie konfus mich diese Lebensweise macht; ich bin so schwindlig wie eine Eule – nicht metaphorisch, sondern wirklich, körperlich; es klingelt mir seit lange fortwährend in den Ohren, und ich sehe alles doppelt…. Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Ich war, um das bewußte Paket zu holen, in Münster bei Ihrer Tante, die ich noch immer hübsch und sehr angenehm finde. Ich hoffte, bei dieser Gelegenheit manches von Ihren Sachen, woran mir liebe Erinnerungen hängen, mal wieder vor Augen zu bekommen, Ihr Schreibzeug, Ihre Bücher, alle die kleinen Andenken von Ihrem Nippestische: aber wahrscheinlich war alles in einer Plunderkammer aufgestapelt, denn die Tante setzte mich in den Kanapee und holte das Bezeichnete herbei. Ich tat natürlich, als sei mir der Inhalt unbekannt, und als wünschten Sie nur Ihre wichtigsten Papiere an einem Ort, wo sie binnen den acht Jahren nicht durch Umziehn dem möglichen Verlust ausgesetzt wären; doch schien die Tante etwas pikiert und meinte, auf… Weiterlesen »

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