Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1820 11.März

Ich bin erst gestern Abend von Hindenburg zurück gekommen, liebe Mama, und habe dir deshalb deinen lieben guten langen Brief nicht eher beantworten können, und gewissermaßen ist es mir jetzt lieb, da ich dir heute auf allen Fall schreiben müsste, und sonst, wenn ich erst eben geschrieben hätte, wohl nichts andres zu erzählen wüsste als die eine langweilige Prozess-Sache, die diesen Brief gradezu notwendig macht, ich will diesen unangenehmen Punkt gleich abmachen, damit ich nachher in Ruhe von was Anderen reden kann. Ich möchte sehr wünschen, liebe Mutter, dass Du mit Mimy über die bewusste Sache gesprochen hättest, sie ist diejenige, von der sie hauptsächlich und mit großem Starrsinn betrieben wird, und ich muss jetzt alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Um welche Prozesssache es sich hier dreht, hat die Droste-Forschung bislang nicht ermitteln können.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1843 20.November

Den 19ten. Guten Morgen, altes Lies, es ist Sonntag, und ganz heimlich unser beider Namenstag dazu. Ich glaube nicht, dass im Schlosse jemand daran denkt, aber ich habe schon im Bette daran gedacht, d. h. an Sie, mein Lies, und Ihnen, bien ou mal, ein Stück Novembermorgen-Poesie zum Frühstück gebraten. Da haben Sie die Schüssel, wie sie ist! Noch mit unabgewischtem Rande, aber gut gemeint, und jedes Wort wahr darin. Ach, ich habe mich wieder so arg nach Ihnen gesehnt, dass es ganz unausstehlich war und ich mir fast einbildete, ich sei krank und könne nicht in die Kirche gehn, förmlich bei den Ohren habe ich mich dazu nehmen müssen, und merke doch nun, dass mir eigentlich nichts fehlt als Sie. An Elise. Am 19. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste heißt eigentlich Anna Elisabeth, genauer: Anna Elisabeth Franzisca Adolphine Wilhelmine Louise Maria von Droste-Hülshoff. Von kleinauf wird sie - man kann es verstehen - Annette gerufen.
An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1842 29.September

Geschrieben hast Du nun zwar nicht, jedoch denke ich mir Dich wieder zu Hause und in einer Stimmung, wo das Andenken Deiner Freunde anfängt in Dir wieder aufzuleben; Du hast jetzt allerdings eine schwere Stellung, die alle Deine Zeit und Kräfte in Anspruch nimmt, aber doch mindestens eine unbehinderte, was weniger für Dich als für diejenigen, denen jetzt alle Deine Pflichten gehören, so viel wert ist, dass man kaum wagen darf über das Schicksal zu murren, auf welchem ergreifenden und traurigen Wege es dieses auch herbeigeführt hat. Dennoch traust Du mir wohl zu, dass mein erstes Gefühl aufrichtiger Kummer um einen Mann war, den ich so voll Lebenshoffnung verlassen hatte, und der sich mir immer geneigt und nach seiner Weise… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei Brustwassersucht sammelt sich als Folge von Herzfehlern oder Kreislaufstörungen Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand; sie kann zu schwerer Atemnot bis hin zum Tode führen - wie im Falle von Sibylle Mertens' Ehemann Louis.
Nach dessen Tod kommt es zwischen Sibylle und den Kindern zu einer Auseinandersetzung um das Erbe. Die Kinder zwingen ihre Mutter schließlich gerichtlich, ihr Vermögen zu veräußern, damit sie deren Erbteil auszahlen kann. Das Verfahren zieht sich über mehrere Jahre hin und hat zur Folge, dass Sibylle Mertens sich finanziell deutlich einschränken muss.