Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1845 17.Mai

Es ist Abend, Sie sind nicht gekommen, der Wagen ist angespannt, der mich nach Hülshoff bringen soll. Übermorgen geht es von dort weiter, morgen, wenn Sie dieses lesen, habe ich meinem guten, kleinen Rüschhaus Lebewohl gesagt. Alles ist eingepackt und eingeschlossen, meine Zimmer gleichen Ruinen. Leben Sie wohl, leben Sie Alle tausendmal wohl. Sie und die Mutter und Therese. Denken Sie meiner vor allem im Gebet und auch sonst, ich werde Ihrer täglich gedenken und täglich für Sie schreiben in die zwei Bücher, Sie wissen ja wohl, wie ich es gesagt. Adieu, mein Herz ist sehr schwer. Ihre Annette Rüschhaus, 17. Mai… Weiterlesen »

Hintergrund: Von Rüschhaus fährt die Droste über Hülshoff nach Münster (wo sie Schlüter doch noch trifft) und von dort am 19. Mai 1845 weiter nach Abbenburg.
An: Betty von Haxthausen, aus: Hülshoff
1826 25.April

Ich bin vorgestern Abend glücklich, aber ermüdet hier angekommen, und habe meine lieben Eltern und Geschwister gottlob alle noch viel wohler aussehend gefunden, als ich sie verließ … die Mutter … ist ebenso rasch und rührig, ebenso gute Fußgängerin wie sonst. Auch der Papa sieht sehr gut aus, und die Jenny und der Ferdinand gar, sind beide auffallend stärker geworden. Ich habe überhaupt alle so zufrieden und glücklich wie möglich gefunden; Werner ganz und gar liebenswürdig, aus Freude über seine nahe Heirat; Papa ganz verklärt neben seinen Orchisbeeten, wo einige nagelneue Sorten aus der Schweiz blühen – unter uns gesagt, nichts weniger als schön; die am meisten ins Auge fallenden sind hellgelb und machen ungefähr so… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach sechsmonatigem Aufenthalt bei Onkel Werner und Tante Betty von Haxthausen in Köln kehrt Annette im April 1826 nach Hause zurück. Zu der Familienidylle, die sie hier beschreibt, tragen die Vorbereitungen für die Hochzeit ihres Bruders Werner mit Caroline von Wendt-Papenhausen am 11. Mai 1826 bei. Das Paar zieht auf das gepachtete Gut Wilkinghege, wenige Kilometer von Münster entfernt.
Annette weiß nicht, dass ihr zwei Schicksalschläge bevorstehen. Am 25. Juli 1826 - drei Monate nach dem Verfassen des vorliegenden Briefes - stirbt ihr Vater Clemens August plötzlich und unerwartet. Auch die Lebenszeit ihres lange Jahre kränkelnden Bruders Ferdinand (Fente) läuft ab - er erliegt am 15. Juni 1829 einer Lungentuberkulose.
An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1843 24.Mai

Wir haben jetzt eine hübsche Stapel hier, das ist doch ein Meerwunder! Jeder, der sie zum ersten Male sieht, proklamiert ihre Schönheit, und damit ist’s all, denn auf die Dauer verdümmlicht sich das Gesicht dermaßen, dass man sich prügeln möchte, sie je hübsch gefunden zu haben; und doch ist sie nicht dumm, und nur der unglückliche schläfrige Familienzug richtet alle Teilnahme zu Grunde. Warum ich dir dies schreibe? Weil ich gar nichts anderes weiß; mir ist seit zwei Monaten nicht für eines Hellers Wert passiert. Ich habe nichts akquiriert, habe nur die ordinärsten Leute unter den ordinärsten Umständen gesehn, nicht mal ein viel besprochenes Buch gelesen, worüber ich mein Licht könnte leuchten lassen, kurz, ich habe,… Weiterlesen »