Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1843 24.Mai

Du wirst aus meinem langen Schweigen schon geschlossen haben, lieb Herz, dass es mit der Besserung sehr langsam zugegangen ist. Warum ich Dir nicht durch andre habe Nachricht geben lassen? Weil ich gern zu Dir wollte, lieb Kind, und dachte: „Habe ich erst durch eine fremde Hand aufschreiben lassen, so ist’s rein aus damit.“ Du weißt, wie es mit diesen Nervenübeln geht, zuweilen so gute Tage, dass man denkt: „Noch eine Woche crescendo, und ich kann Wind und Wetter ein Schnippchen schlagen“, und dann ist mit einem Male wieder alles nichts! Du begreifst, dass unter diesen Umständen, bei meiner großen Schwäche, die Meinigen (denen sonst, auf Ehre! die Sache ganz recht gewesen wäre) mich nicht fortlassen wollten, da mir ohnedies noch die… Weiterlesen »

Hintergrund: Im März 1843 hat sich die Droste aufgerafft und Sibylle Mertens nach langem Schweigen geschrieben, "wie elend ich sei, daß ich deshalb nicht geschrieben et cet." Die Bonner Freundin, einst selbst in schwerer Krankheit von Annette gepflegt, entschließt sich daraufhin - allen vorangegangenen Verstimmungen zum Trotz - zu einem Spontanbesuch. Vom 28. März bis 30. April 1843 hält sie sich in Münster auf, besucht Annette täglich im Rüschhaus.
Offenbar haben die beiden Freundinnen einen Gegenbesuch der Droste verabredet, den diese aus mit Hinweis auf bevorstehende Verwandtschaftsbesuche in Abbenburg und Meersburg absagt. Sibylle Mertens zieht etwa im August 1843 nach Italien, wo sie drei Jahre - bis Juli 1846 - bleiben wird.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Abbenburg
1839 24.August

Ich lebe hier wie in Rüschhaus und habe sogar auch mein altes schwarzes Kanapee, auf dem ich sitze oder liege (man kann es nennen wie man will) und schreibe, meine alten Lateiner, in denen ich vor dem Aufstehn lese, und mein Frühstück auf der Stube, wie ich es gewohnt bin. … Wären Sie hier oder schrieben fleißig, oder hörte ich auch nur oft von Ihnen wie in Rüschhaus, so würde ich dieses Mal weniger vom Heimweh leiden als gewöhnlich, aber wie es jetzt ist, bin ich doch sehr froh, ein paar Monate hinter mir zu haben. … Nächstens gibt es aber einen Feiertag im Kalender, Malchen Hassenpflug kömmt – wann weiß ich nicht genau, doch darf ich schon in den nächsten Tagen anfangen sie zu erwarten, das ist doch wohl ein Fest! -… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit 10 Juli 1839 halten sich die Droste und ihre Mutter bei den mütterlichen Verwandten in Abbenburg auf. Sie kommt in dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen wenig zum Schreiben, arbeitet aber u.a. an der Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und später unter dem Titel "Die Judenbuche" publiziert wird und in deren Mittelpunkt die Figur Friedrich Mergel steht.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 11.Februar

Ich habe soeben einen Brief zerrissen, weil er sich gar zu kläglich ausnahm, einen bereits fertigen Brief an Sie, mein gutes Kind, worin ich zur Entschuldigung meines Stillschweigens das ganze Heer von Trubeln und wirklichen Unfällen, das uns seit vier Monaten verstört hat, aufmarschieren ließ. Wozu das? Es ist ja jetzt vorüber, manches am Ende nur leere Angst gewesen, und anderes bereits halb verschmerzt. Lassen Sie mich lieber Ihnen danken für Ihr liebes Geschenk. Wie es mich gefreut hat, mögen Sie daraus abnehmen, dass ich es unter Umständen, die wohl geeignet waren, mich allen Interessen, außer den allernächsten, zu entrücken, bereits dreimal durchgelesen habe. Es ist ein schönes Buch, kein einziges schlechtes oder auch… Weiterlesen »

Hintergrund: Das Geschenk, für das die Droste sich bedankt, ist Levin Schückings Buch "Gedichte", 1846 bei Cotta erschienen. Darin ist auch "Auf dem Mondsee" enthalten, das sich an Wilhelm Junkmann richtet. Annette ihrerseits hat ein dem gemeinsamen Freund gewidmeten Gedicht mit "Gruß an Wilhelm Junkmann" betitelt.
Eine abweichende Beurteilung über Levins Gedichtband gibt die Droste in einem Brief an Elise Rüdiger ab.