Probleme mit dem Verleger

Von Annette von Droste-Hülshoff
1. Januar 1838

Ich schicke Ihnen ein Stück Briefes, den ich von der Schopenhauer erhalten, mit der Bitte, mir doch sogleich Ihre Ansicht darüber zukommen zu lassen. Ich meinerseits glaube weder von Herrn Hüffer loskommen zu können und noch weniger, dass er für sein höfliches und freiwilliges Anerbieten eine solche Hintansetzung verdient; doch überlasse ich Alles Ihrem besseren Urteil. Hüten Sie sich aber, Sie arglosester und somit unvorsichtigster aller Menschen, diese Zeilen Herrn Hüffer etwa mitzuteilen, die Ausdrücke obskure und geringe Buchhandlung würden ihm schwerlich gefallen, zudem braucht er, falls Sie der Meinung sind, ihm das Manuskript zu lassen, gar nicht zu wissen, dass ich einen Augenblick darüber schwankend sein könnte; so etwas läßt immer einen kleinen Stachel zurück.

Die Gründe der Schopenhauer sind allerdings triftig genug und bestätigen meine frühere Ansicht, aber der Jenenser kann und wird ja auch wohl mal etwas Späteres übernehmen, wodurch das Versäumte nachgeholt werden kann. Doch, wie gesagt, Sie sollen entscheiden, obgleich ich glaube, es ist zu spät. Mein Bruder nimmt morgen diese Zeilen mit, und übermorgen früh wird er Ihre Antwort holen lassen. Sie werden aus dem Datum der Beilage sehn, dass die gute Schopenhauer schon allzulange auf Antwort wartet.

Mit dem Braunschweig geht es lustig voran, oder ging es vielmehr bis jetzt, wo ich erfahren habe, dass mehrere ältere Werke eine genaue Beschreibung dieser Schlacht nebst beigefügtem Schlachtplan enthalten, somit meiner Phantasie keineswegs das große Feld zu Gebote steht, was ich ihr bereits geöffnet hatte; ich muss also warten, bis ich mir Einsicht in diese Schriften verschafft. … Weit schlimmer als diese Zögerung ist es, dass mein Bruder meint, die Zeitumstände erlaubten nicht, grade jetzt mit einem Gedichte aufzutreten, was die Religionsspaltungen zum Gegenstande habe und so offenbar eine katholische Hand verrate; es sehe aus wie absichtliche Aufregung der Gemüter, werde vielleicht auch hier und dort diesen Eindruck machen, und könne sowohl für mich als Herrn Hüffer von unangenehmen Folgen sein, selbst wenn die Zensur es jetzt passieren lasse, da die Sachen leider so ständen, dass der folgende Augenblick immer schlimmer zu werden drohe als der gegenwärtige. Was sagen Sie dazu? Ohne den Braunschweig gäbe es auch wohl ein leidliches Bändchen.

Der zweite Gesang ist übrigens, meine ich, auch schon gut, obgleich vielleicht weniger nach Ihrem Geschmack, da das darin vorherrschende Kriegs- und Lagerleben nicht so viele Naturschilderungen zuläßt; es ist ohngefähr das Verhältnis wie zwischen den beiden Gesängen des St. Bernhard, nur dass dort überhaupt die Naturszenen weit mehr vorherrschen. …

PS: Was die Schopenhauer vom Honorar schreibt, geht nicht von mir aus, es ist mir nicht eingefallen, eins zu verlangen, aber sie hat es wohl vorausgesetzt, da die Schriften ihrer Mutter, wenigstens früherhin, so stark honoriert wurden.
1. Januar 1838

Mehr über die Adressatin/den Adressaten: Christoph B. Schlüter