Schlagwort: Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard

Mein Versuch, vor’s Publikum zu treten

Von Annette von Droste-Hülshoff
1. August 1838

Ich habe schon gesagt, dass mir Schlüter zuweilen schreibt. Er schickt mir dann die Druckbogen, wie sie nach und nach herauskommen, aber leider doch zu spät, um die Druckfehler zu verbessern, deren einige recht schlimme eingeschlichen sind. Einer der schlimmsten ist im ersten Gesange des St. Bernhard, wo es heißt: „Der Bruder nun in seiner Not – beginnt aufs neu das Kreuz zu reiben – als solle nicht ein Stäubchen bleiben.“ Es muss nämlich heißen „das Kleid zu reiben“. Nun lautet es… Weiterlesen »

Skrupel wegen einer Zeile

Von Annette von Droste-Hülshoff
19. Juli 1838

Mit der äußeren Ausstattung des St. Bernhard bin ich sehr zufrieden, sie ist in der Tat sehr anständig, einen einzigen Druckfehler habe ich gefunden, der aber den Sinn nicht entstellt und mir somit keinen Kummer macht. Er kömmt vor bei der Szene im Grabgewölbe: „So liegen Sie, und keine Träne Rann auf die bleiche Wange noch“, statt dessen steht „Kam auf die bleiche Wange noch“. Dies macht einigermaßen den Eindruck, als erwarte man, dass die Leichen weinen sollten, dahingegen das rann… Weiterlesen »

Was in meiner Schublade verkommt

Von Annette von Droste-Hülshoff
4. August 1837

Lediglich um meine guten Willen leuchten zu lassen, schreibe ich Ihnen heute, lieber Herr Junkmann, denn dieser ist eben auch alles, was ich bis jetzt aufzuweisen habe. Mit andern und klaren Worten: ich habe weder den St. Bernhard noch des Arztes Vermächtnis angerührt, seit Sie zuletzt hier waren; aber wahrlich! der Wille war golden und nur das Fleisch sehr schwach. Erst haben mich die Gesichtsschmerzen nicht verlassen, bis vor einigen Tagen, und solange diese anhielten, war durchaus an… Weiterlesen »

Auswärts mache ich mir bessere Erwartungen

Von Annette von Droste-Hülshoff
23. März 1837

Wegen meines St. Bernhards wird J mit Ihnen geredet haben, ich wünsche noch immer das Gedicht anderswo herauszugeben, denn ich möchte, dass sei Renommee, gut oder schlimm, bereits gemacht wäre, eh es in den Kreis meiner Bekannten käme, da ich nicht darauf rechne, dass es hier sehr gefallen wird; für auswärts mache ich mir bessere Erwartungen und möchte meiner lieben Mutter, die im Grunde jedes öffentliche Auftreten scheut wie den Tod und nur zu empfindlich ist für die Stimme des… Weiterlesen »