Vorbereitungen für Jennys Hochzeit

Von Annette von Droste-Hülshoff
9. Oktober 1834

Meine Briefe sind jetzt nur lauter Zeddel, liebste Sophie, man kömmt gar nicht zu sich vor Packen, Besuchen machen und annehmen, das ist aber vielleicht gut für uns alle. Ich hatte in meinem letzten Briefe ganz den (wahrscheinlichen) Tag der Heirat zu sagen vergessen – vor dem 18. wird es nicht sein, weiter ist noch nichts gewiss, wenn die nötigen Scheine für Laßberg bis dahin ankommen, wird es wohl auf den Tag bleiben. Aber der Weg ist weit und die Papiere (Totenschein seiner Frau, seiner Eltern – scheint, dass die Proklamation richtig und keine Einsprüche geschehn) müssen von verschiedenen Orten kommen, Laßberg meint aber, bis zum 18. solle alles richtig sein.

Kommt doch sobald als möglich, wir alle freuen uns so darauf, und Werner ist beriffener wie alle, er war gestern hier uns sagte, er habe auch nach Bökendorf geschrieben, weil Jenny anfangs mal gegen ihn geäußert, sie sei noch nicht ganz mit sich darüber im Reinen, ob die Gegenwart mehrerer an diesem Tage und die dadurch vergößerte Feierlichkeit gut auf Mamas Stimmung wirken werden, da ist er gleich bange gewesen, dass ich in meinem Briefe ein Wort könnte fallen lassen, was nicht gut und recht wäre, und hat gegenarbeiten wollen.

Ich sagte ihm, „er sei die kluge Else“ – wie ich geschrieben, seien wir alle und Jenny ebenfalls längst darüber im Reinen gewesen, dass für uns insgesamt – und für Mama vor allem – nichts besser sein könnte, als die Gegenwart ihrer Nächsten, die doch an sich das Tröstlichste sind, und zugleich, ohne zu genieren, doch zu kleinen Geschäften und Zerstreuungen genötigt; er war ganz verblüfft und konnte sich durchaus nicht mehr besinnen, was er geschrieben, zuerst wollte er heute einen Brief nachschicken, ich habe ihm aber gesagt, es sei schon gut, ich schreibe an Dich et cet. Du glaubst nicht, wie konfus das arme gute Blut ist – so … betrübt, und so beriffen …

Rüschhaus, 9. Oktober 1834

Hintergrund: Mit einer Verbindung zwischen ihrer Tochter Jenny und dem verwitweten Joseph von Laßberg war Therese von Droste anfangs nicht einverstanden. Knapp drei Jahre hatte Joseph hartnäckig um Jenny geworben, als die 39jährige am 18. Oktober 1834 dem 64jährigen ihr Ja-Wort gibt.