Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: August von Haxthausen, aus: Meersburg
1844 2.August

Mit meinem literarischen Treiben geht es gut, Cotta hat mir, da ich seit einem Jahre nichts mehr an „Morgenblatt“ geschickt hatte, einen überhöflichen bittenden Brief geschrieben und ein Prachtexemplar der „Nibelungen“, Folio mit Holzschnitten, geschenkt. Hierauf habe ich ihm den Verlag eines Bandes neuer Gedichte, dem auch die ältern zum Teil einverleibt sind, angeboten. Als Antwort hat er mir erst weitläufig auseinandergesetzt, wie wenig oder nichts er andern, selbst Uhlanden oder Lenaun, für erste Auflagen gegeben habe und sich dann zu 500 Tlr. für die erste Auflage verstanden und für jede der späteren 1000 Tlr. in Aussicht gestellt, obwohl der Kontrakt nur auf eine Auflage von 1200 Exemplaren lautet, und zwar auf… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1845 17.Mai

Es ist Abend, Sie sind nicht gekommen, der Wagen ist angespannt, der mich nach Hülshoff bringen soll. Übermorgen geht es von dort weiter, morgen, wenn Sie dieses lesen, habe ich meinem guten, kleinen Rüschhaus Lebewohl gesagt. Alles ist eingepackt und eingeschlossen, meine Zimmer gleichen Ruinen. Leben Sie wohl, leben Sie Alle tausendmal wohl. Sie und die Mutter und Therese. Denken Sie meiner vor allem im Gebet und auch sonst, ich werde Ihrer täglich gedenken und täglich für Sie schreiben in die zwei Bücher, Sie wissen ja wohl, wie ich es gesagt. Adieu, mein Herz ist sehr schwer. Ihre Annette Rüschhaus, 17. Mai… Weiterlesen »

Hintergrund: Von Rüschhaus fährt die Droste über Hülshoff nach Münster (wo sie Schlüter doch noch trifft) und von dort am 19. Mai 1845 weiter nach Abbenburg.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 1.Juli

Bitte, liebe Jenny, besorge doch, dass alles an den rechten Mann kömmt, und schicke mir doch die Berechnung, was Du im Weinberge und für den Garten für mich ausgelegt und durch den Verkauf des Weins noch nicht gedeckt ist, damit ich es das nächste Mal deiner Pension beilege, denn leider kann ich Dir mit Mama kein Geld schicken, da ich den armen Werner, dem es schon so schwer wird, die nötige Summe für Mama aufzubringen, mich jetzt unmöglich entschließen kann zu mahnen. Wäre ich mitgereist, dann wär‘ es ein anderes, dann hätte er mir natürlich Geld geben müssen. Sollte Dir übrigens Mama das Geld vorschießen und du es ihr im Herbste aus dem Ertrage des Weines wieder abzahlen können, so wäre mir das für dieses mal wohl lieb…. Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1837 24.Oktober

Schlüters waren hier, und Junkmann auch. Es geht ihnen wohl. Sie wollen durchaus, ich solle den Barry in Münster bei Hüffer herausgeben. Ich habe wenig Lust dazu. Hast Du jemals gewußt, dass Hüffer, derselbe demagogische Hüffer, seines Zeichens ein Buchhändler . Ich habe gedacht, er wäre Regierungsrat oder so etwas, aber er hat die Aschendorffsche Buchhandlung. … Es ist jetzt ein Sohn der Katharine Busch in Münster, Du weißt wohl, derselbe Levin, der früher bei Specht war. Er ist in einer übelen Lage. Sein Vater, der immer ein mauvais sujet war und, wie die Jungblut uns wohl sagte, bloß seiner Frau zuliebe noch nicht abgesetzt war, ist es jetzt wirklich und auf dem Punkte, nach Amerika zu gehn. Levin will ihn nicht… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin, der 1814 geborene Sohn der verstorbenen Katharine Schücking, kehrt nach seinem Jura-Studium 1837 nach Münster zurück und nimmt Kontakt zur Droste auf. Kennengelernt hatten sich beide bereits 1830.
An: , aus:
1839 17.Januar

Ich schreibe Ihnen aber jetzt nur eben das Nötige, lieber Levin, denn das Paket muss wirklich fort; gottlob, dass ich es Laßbergs Fingern entwunden habe; er machte aber die Pfoten ganz artig auf, als er hörte, dass es ein anderer aufhocken wollte, und hat kein Wort mehr von „zusammen durchnehmen“ gesprochen. Ich habe deshalb – der Eil wegen – auch nur sehr kurz an Luisen geschrieben; aber wenn sie nur halbweg Herzenssprache versteht, so muss sie wohl sehn, dass ich es echt mit ihr meine und sie schon ganz viel lieb habe. Was ich noch vorläufig über das Manuskript zu sagen hätte, habe ich auf dem Blatte, das wahrscheinlich aus diesem gefallen ist, notiert; ich bitte jedes einzelne zu beherzigen und beantworten und erwarte Ihre… Weiterlesen »

Hintergrund: Das Paket enthält neben den für Luise gestickten Pantoffeln die Reinschrift des Manuskripts für die Gedichtausgabe 1844 sowie korrigierte Fassungen mehrerer einzeln veröffentlichter Gedichte sowie ein Exemplar der Gedichtausgabe 1838.
An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1826 18.September

Die Spiegel und Mamas schönes Bild erhältst Du durch Überbringer dieses, und heute nachmittag kömmt noch zweimal Gelegenheit, erstlich Klemens, der einen Hasen und ein Huhn bringt und der zugleich Deine kleine Uhr trägt, und endlich ein Wagen, der alles übrige bringt, was noch hier ist. Nur mit einigen Punkten steht es schlimm. Erstlich die Stangen vom Wilkingheger Bett. Davon wußte wenigstens gestern noch niemand recht Bescheid, was aus ihnen geworden. Wenn sie also um das Fremdenbett vielleicht gehören, so rat‘ ich Dir, vorläufig Deine oder meine zu nehmen, denn ich kann Dir nicht dafür stehn, ob sie sich gegen dieses Nachmittag oder überhaupt finden. Ferner will Jennchen durchaus keine Gemüsekörbe abgeben; sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Am 25. Juli 1826 stirbt unerwartet der Vater Clemens-August von Droste-Hülshoff. Der älteste Sohn Werner, der mit seiner Frau auf Gut Wilkinghege lebt, übernimmt als Alleinerbe Burg Hülshoff. Therese von Droste siedelt mit ihren beiden Töchtern Annette und Jenny in den wenige Kilometer entfernten Witwensitz Rüschhaus über. Der Umzug scheint nicht ohne Auseinandersetzungen um den Hausrat abgelaufen zu sein.
An: Werner von Droste, aus: Abbenburg
1845 5.Juli

Ich habe wieder einen wunderlichen Brief bekommen, von einer jetzt sehr berühmten Klavierspielerin (sie unterschreibt sich „Kammervirtuosin S. Majestät des Kaisers von Österreich“), Clara Wieck, die an einen Komponisten Robert Schumann verheiratet ist, der seit kurzem durch eine Oper „Das Paradies und die Peri“ Aufsehn gemacht hat. Sie schreibt etwas ängstlich und sehr komplimentös; Ihr Mann wünsche eine neue Oper zu komponieren, sei aber mit den vorhandenen Texten und Schriftstellern nicht zufrieden und habe so oft geäußert, wie glücklich es ihn machen würde, von mir eine Dichtung zu diesem Zwecke erhalten zu können, wie er aber nicht den Mut habe, mich darum zu bitten, dass ich es ihr, als seine Frau, verzeihen werde, wenn sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Eine Zusammenarbeit mit Robert Schumann kommt nicht zustande.
An: Marie Antoinette Sprickmann, aus: Hülshoff
1813 14.April

Meine liebe liebe Rätin, mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind. Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkürlich entfuhren, bestärken mich in der Meinung, o Gott, werden Sie doch nicht böse, dass es Ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich zu wagen entschloss, Ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, Sie können es mir ja gelegentlich wiedergeben, wenn Sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten Sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, Sie werden auch gewiss nicht böse, denn Sie wissen wohl, dass ich es nicht übel meine, und das es alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Sprickmanns sind Freunde der Familie, sie wohnen in Münster der Stadtwohnung der Droste-Hülshoffs gegenüber. Anton Matthias Sprickmann arbeitet, um über die Runden zu kommen, neben seiner Tätigkeit als Dozent an der juristischen Fakultät auch als Tribunalrichter. Diesen Job verliert Sprickmann jedoch im Februar 1813. Bereits seit 1811 hat er das Angebot für einen Lehrstuhl an der Uni Breslau, dem er gerne folgen würde - die französische Regierung (Westfalen steht bis 1813 unter napoleonischer Herrschaft) stellte sich jedoch bislang quer.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 17.November

Brentanos Totenamt von Freiligrath habe ich gelesen und jetzt auch das Gedicht im Immermanns Album; das erstere finde ich wohl hübsch, das zweite kaum; hier ist wirklich mitunter nur „gereimte Prosa“, und wenn ich das finde, die selbst so sehr nach dieser Seite neigt, so muss es wohl auffallend sein. Ich fürchte, Freiligraths Ader fängt an sich zu erschöpfen; auch das erste Gedicht hat mich mehr durch seine Pietät gerührt, als durch eigentliche Kraft oder Lieblichkeit erfreut; doch ist es noch immer besser, als was man so gewöhnlich sieht…. Weiterlesen »