Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 17.Januar

An den gedruckten Gedichten habe ich überall wenig korrigiert, aber doch einiges, zumeist nur einzelne Worte, die leicht übersehn werden könne, aber nicht dürfen, da es oft krasse Druckfehler sind, die den Sinn entstellen. Ich habe im Manuskript überall, wo ich sie hinrangiert wünschte, dies auf einem weißen Blatte bezeichnet, auch ein Inhaltsverzeichnis nach der Folge beigelegt zur Erleichterung des Ordnens, wenn mal ein Blatt davonfliegen oder die ganze Pastete vom Tische rutschen sollte. Kleckse sind genug auf dem Manuskript – es ist soviel umhergeschleppt! Korrekturen noch mehr: besser so bunt wie eine Elster, als schlechtes Zeug stehnlassen. Wollen Sie die Gedichte anders ordnen, so steht dies bei Ihnen; Sie werden es… Weiterlesen »

An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 20.Juni

Ihre Erzählung im „Morgenblatte“ habe ich gelesen, von so weit an es mir möglich war; die Blätter liegen nämlich nur bis zum Schluß des Monats im Museum vor, wo sie dann geheftet werden und fortan nur im Lesezirkel zu erhalten sind, in dem die schlechte Gewohnheit herrscht, dass man die neuesten Hefte, statt sie wieder einzuliefern, einander leiht, so dass sie oft Monate lang nicht zu haben sind: so stehn Ihre ersten Nummern im Maiheft, und ich habe sie noch nicht erwischen können. Doch enthalten, denke ich mir, die Juniblätter wohl den größeren Teil, und hiernach zu urteilen, muss ich diesem Ihrem neuesten Produkt unbedingt den Vorzug vor allen früheren, auch der „Maske“, geben; es liegt eine tiefe Herzlichkeit, eine einfache… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei der Erzählung Luise Schückings handelt es sich um "Die Heimat", erschienen zwischen 20.5. und 6.6.1844 im "Morgenblatt für gebildete Leser". Mit anderen vor allem süddeutschen Zeitungen liegt das Morgenblatt gewöhnlich im Zeitungs- und Lesekabinett in Meersburg aus.
Eugène Sue ist der französische Arzt und Schriftsteller Marie-Joseph Sue. Seine hier erwähnten "Geheimnisse von Paris" werden mit großem Erfolg über zwei Jahre hinweg als täglicher Fortsetzungsroman in einer Zeitung veröffentlicht.
Die Korrekturfahnen zu seinem Schauspiel "Günther von Schwarzburg" hat Levin der Droste zukommen lassen. Gegenüber Elise Rüdiger übt sie deutliche Kritik an dem Werk.
An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 17.Januar

Zürnen Sie mir nicht, meine liebe junge Freundin, wenn ich Ihre mir so herzlich lieben Briefe diesmal nur sehr kurz beantworte. Diese Zeilen sollen keinen Brief weder bedeuten noch dafür gelten. Sie sind nur ein flüchtiges Zeichen, dass ich Sie liebe und Ihrer gedenke. Ein Gruß, ohne den ich das Paket, mit dem es, wie Levin behauptet, große Eile hat, dennoch nicht mag abgehen lassen, und vor allem eine Warnung, die Pantoffeln doch ja nicht zu schonen. Ich bin eine Person, die gern zu guten Zwecken beiträgt, und werde mit Vergnügen fortwährend den nötigen Bedarf liefern. Deshalb brauchen Sie sie, liebe Luise, brauchen Sie sie mutig und wachsam! Es werden schon neue heranwachsen. Striegeln und streicheln Sie das kleine Pferd… Weiterlesen »

Hintergrund: Der zunächst für Ostern geplante Besuch des Ehepaars Schücking in Meersburg findet im Mai 1844 statt.
Als Geschenk für Luise schickt die Droste ein Paar selbstgemachte Pantoffeln. Levin greift diesen Wink in einem Brief selbstironisch auf.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 30.Juni

Liebste Jenny, ich bin krank, kann gar nicht schreiben und muss doch, seit 14 Tagen, über meine Kräfte. Zwei Briefe an Dich, wovon ich an dem einen zwei, an dem andern vier Tage mich geplagt hatte, habe ich zerreißen müssen, weil unterdessen alles änderst eingerichtet worden war, nun kann ich aber nichts mehr! und da Mama selbst kömmt, kann sie dir auch von allen Verwandten und Freunden zehnmal umständlicher selbst erzählen. Ich schicke Dir also für dieses Mal nur dieses wunderliche Blatt, was die inwendig voll geschriebene Adresse eines der Briefe war und allerlei enthält, was ich sonst abschreiben müsste, und mich wirklich in diesem Augenblicke gar nicht capable dazu fühle. … Wie leid es mir tut, nicht nach dem lieben… Weiterlesen »

Hintergrund: capable: fähig
Fiduzit: Vertrauen
An: Ludwig von Madroux, aus: Meersburg
1848 24.März

Ihr Brief, teurer Freund, kömmt in einem der Beantwortung allerungünstigstem Momente, wo ich mich zum Empfange der heiligsten Sakramente vorbereite, und jeden Augenblick den H. Dekan erwarte. Auch Laßberg will heute seinen österlichen Pflichten nachkommen; Hildel liegt noch zu Bette und war vorgestern so unwohl, dass Jenny die Nacht über bei ihr wachte. Jetzt ist sie wohler, jedoch noch bettlägerig, und kann nicht wohl schreiben. Zu großer Ermattung vom übermäßig schnellem Wachsen hat sich ein starker Katharr gesellt, doch ist’s nicht bedeutend jetzt mehr. Der Totenzettel. Das übrige in Ihrem Briefe enthaltene hoffe ich recht bald mündlich mit Ihnen besprechen zu können, da doch jetzt wohl nächstens völlige Ruhe und… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Adressat dieses letzten überlieferten Briefes ist nicht sicher - möglicherweise ist es Ludwig von Madroux.
Am 24. Mai 1848, am frühen Nachmittag zwischen 14 und 14.30 Uhr, stirbt Annette von Droste in ihrem Zimmer auf der Meersburg. Über die Todesursache ist sich die Droste-Forschung nicht einig. Zeitgenössische Quellen sprechen von einem Blutsturz, andere von einer Lungenentzündung oder von Herzversagen.
Zwei Tage später wird Annette auf dem Meersburger Friedhof beerdigt. Sie ist 51 Jahre alt geworden.
An: Therese von Droste, aus: Meersburg
1841 26.Oktober

Soeben sagt mir Jenny, dass ich dir schreiben solle, dass Schücking hier ist. … Laßberg hat ihm nach Darmstadt, wo er sich grade bei Freiligrath aufhielt, geschrieben, um einen Katalog von seiner Bibliothek zu lassen; Laßberg st ganz von selbst auf den Einfall gekommen., da er sich schon längst, nach seiner geheimnisvollen Weise ganz im stillen, nach einem Menschen umgesehn, der nach den nötigen Kenntnissen keine große Forderungen mache und ihn nicht im Hause geniere; so habe ich nichts von dem Plane gewußt, bis er zur Ausführung kommen sollte, habe mich aber recht gefreut Schücking zu sehn, der vor etwa zehn Tagen angekommen und den ganzen Tag so fleißig an der Arbeit ist, dass Laßberg ihn lobt. Wir sehn ihn selten, außer… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Hülshoff
1846 13.April

Sie wissen nicht, was ich in den letzten Tagen gelitten habe, und welche durchdringende Erquickung mir ihre treue vertrauensvolle Freundschaft gerade jetzt sein muss. Ich habe Schückings scheußliches Buch gelesen, ich habe es von wahrhaft wohlmeinender Hand erhalten, mit dem Zusatze, ich müsse es leider lesen, da ich in dem allgemeinen Verdachte stehe, ihm das Material zu seinen Giftmischereien geliefert zu haben. Sie haben es nicht gelesen, und hätten Sie es gelesen, so würden Ihnen doch hundert Anspielungen (die leider andernorts nur zu wohl verstanden werden) unverständlich bleiben und Sie nicht halb begreifen, wie mir zumute sein muss. Schücking hat an mir gehandelt wie mein grausamster Todfeind und, was unglaublich… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei dem "scheußlichen Buch" handelt es sich um "Die Ritterbürtigen", einen adelskritischen Roman von Levin Schücking in drei Bänden, erschienen 1846. Das Werk löst einigen Wirbel in Münster aus, man hält allgemein Annette von Droste für Schückings Informantin.
An: Pauline von Droste, aus: Rüschhaus
1844 30.Oktober

Du taugst zwar ganz und gar nichts, Paulus, und hast mir auf meinen ellenlangen Brief von Meersburg auch nicht eine Silbe geantwortet. Dennoch schicke ich Dir meine Gedichte, weil Du sonst doch immer ein braver Paulus gewesen bist und ich nicht denken kann, dass Du Dich solltest in einen Saulus verkehrt haben, obwohl ich denn doch nicht begreife, weshalb Du mich so ganz und gar ohne Antwort gelassen hast. Ich denke mir, Du warst verdrießlich darüber, dass ich Dir das Leben in Meersburg als so wohlfeil geschildert hatte und es nun, nach meinen Preisangaben, ganz anders heraus kam. Aber wie konnte ich auch vorausahnen, dass im Badenschen sollte ein vollkommenes Mißjahr gewesen sein, während bei uns zulande alles ganz gut und reichlich… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1820 11.März

Ich bin erst gestern Abend von Hindenburg zurück gekommen, liebe Mama, und habe dir deshalb deinen lieben guten langen Brief nicht eher beantworten können, und gewissermaßen ist es mir jetzt lieb, da ich dir heute auf allen Fall schreiben müsste, und sonst, wenn ich erst eben geschrieben hätte, wohl nichts andres zu erzählen wüsste als die eine langweilige Prozess-Sache, die diesen Brief gradezu notwendig macht, ich will diesen unangenehmen Punkt gleich abmachen, damit ich nachher in Ruhe von was Anderen reden kann. Ich möchte sehr wünschen, liebe Mutter, dass Du mit Mimy über die bewusste Sache gesprochen hättest, sie ist diejenige, von der sie hauptsächlich und mit großem Starrsinn betrieben wird, und ich muss jetzt alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Um welche Prozesssache es sich hier dreht, hat die Droste-Forschung bislang nicht ermitteln können.