Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: August von Haxthausen, aus: Meersburg
1844 2.August

Mit meinem literarischen Treiben geht es gut, Cotta hat mir, da ich seit einem Jahre nichts mehr an „Morgenblatt“ geschickt hatte, einen überhöflichen bittenden Brief geschrieben und ein Prachtexemplar der „Nibelungen“, Folio mit Holzschnitten, geschenkt. Hierauf habe ich ihm den Verlag eines Bandes neuer Gedichte, dem auch die ältern zum Teil einverleibt sind, angeboten. Als Antwort hat er mir erst weitläufig auseinandergesetzt, wie wenig oder nichts er andern, selbst Uhlanden oder Lenaun, für erste Auflagen gegeben habe und sich dann zu 500 Tlr. für die erste Auflage verstanden und für jede der späteren 1000 Tlr. in Aussicht gestellt, obwohl der Kontrakt nur auf eine Auflage von 1200 Exemplaren lautet, und zwar auf… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1842 10.September

Lev Lage macht mich übrigens trostlos, obwohl er gesteht „meist heiter und körperlich sehr wohl“ zu sein. Seine Traurigkeit ist auch gewiss nur momentan, sonst würde er sie in diesem Augenblicke, wo ihm alles Vergangene so recht vor Augen treten musste, schärfer herausgehoben haben. Aber das übrige! Gottlob scheint sein moralisches Gefühl noch völlig unabgestumpft, aber es ist traurig genug, täglich sich innerlich empören zu müssen. Wäre es nur nicht so unmöglich, dass er auf andre Weise leben, nur schlichtweg leben — sich nähren und kleiden — könnte, so würde ich ihn tausendmal weg wünschen; aber er kann es nicht. Er ist körperlich unfähig zu jeder anhaltenden Anstrengung, und ohne diese gibt es nirgends Brot mehr in… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit dem "schlimmen kleinen Wörtchen" ist das vertraute "Du" gemeint. An anderer Stelle bittet die Droste Schücking, sie in seinen Briefen fortan wieder zu sietzen - aus Sorge vor Tratsch und mütterlicher Ermahnung.
Die "andere Sache" ist das Verhältnis, das Schücking in Münster zeitweise mit der verheirateten Elise Rüdiger hatte. Nach der Rückkehr der Droste aus Meersburg besprechen die beiden Freundinnen, wie mit den Hinweisen auf eine vertraute Beziehung beider zu Schücking (Briefe, Bilder) umzugehen ist. Sowohl Annette von Droste als auch Elise Rüdiger wollen vermeiden, dass diese Zeugnisse in falsche Hände geraten - etwa in die der Lusie von Bornstedt, die bereits den gemeinsamen Meersburger Aufenthalt zum Anlass für öffentliche Spekulationen genommen hatte. Von dem Vorschlag der Droste, ihre Briefe an Schücking zu vernichten, will dieser nichts wissen.
An: Ludowine von Haxthausen, aus: Paderborn
1813 27.Juli

Dem guten August danke ich herzlich für das schöne Gedicht. Grimm sage, es täte mir herzlich leid, dass er seine Namensveränderung oder Verdrehung so übel genommen hätte, und da es ihm so sehr missfiele, so wollte ich ihn in Zukunft nicht mehr Unwill, sondern Unmut nennen. Übrigens werde ich die Märchen mit größter Freude sammeln, um ihn zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei einem Aufenthalt bei den Großeltern in Bökendorf im Sommer 1813 hat Annette Wilhelm Grimm kennengelernt. Die Begegnung war offenbar nicht frei von Spannungen.
An: Werner von Droste, aus: Abbenburg
1845 5.Juli

Ich habe wieder einen wunderlichen Brief bekommen, von einer jetzt sehr berühmten Klavierspielerin (sie unterschreibt sich „Kammervirtuosin S. Majestät des Kaisers von Österreich“), Clara Wieck, die an einen Komponisten Robert Schumann verheiratet ist, der seit kurzem durch eine Oper „Das Paradies und die Peri“ Aufsehn gemacht hat. Sie schreibt etwas ängstlich und sehr komplimentös; Ihr Mann wünsche eine neue Oper zu komponieren, sei aber mit den vorhandenen Texten und Schriftstellern nicht zufrieden und habe so oft geäußert, wie glücklich es ihn machen würde, von mir eine Dichtung zu diesem Zwecke erhalten zu können, wie er aber nicht den Mut habe, mich darum zu bitten, dass ich es ihr, als seine Frau, verzeihen werde, wenn sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Eine Zusammenarbeit mit Robert Schumann kommt nicht zustande.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 30.Juli

Zu etwas anderem, hiervor graut mir. Was ich dem „Janus“ schicke? Wahrscheinlich nichts. Huber hat seit meiner Antwort durch Male H nichts von sich hören lassen, außer einer kurzen, aber glänzenden Rezension meiner Gedichte im „Janus“, die mein Onkel August, da sie spät nach Herausgabe derselben, gleichsam hors de saison kömmt, zwar als einen Beweis nimmt, dass auf meine Mitarbeiterschaft rechne; sowie auch der Professor Stahl in Berlin sich höchlich verwundert zeigte (in einem Briefe an Male), dass ich noch keine Antwort erhalten, da Huber auf der Stelle habe schreiben wollen. Indessen heutzutage gehn selten Briefe verloren. Ich denke, meine Bedingungen sind ihm zu hart gewesen. Nicht Geldbedingungen, darin habe ich seine… Weiterlesen »

Hintergrund: Victor Aimé Huber hätte für seine Zeitschrift "Janus. Jahrbücher deutscher Gesinnung, Bildung und Tat" gerne Beiträge der Droste. Die Mitarbeit kommt nicht zustande.
An: Ludwig von Madroux, aus: Meersburg
1848 17.Januar

Lieber wertgeschätzter Freund und Vetter! Ich weiß, dass mein langes Schweigen nach so vielen Beweisen Ihrer Güte und Ihres freundlichen Andenkens bei Ihnen keiner Entschuldigung bedarf. Sie haben gewiss keinen Augenblick an meinem lebhaftesten Wunsche, Ihnen zu schreiben, sowie an der bisherigen Unmöglichkeit, ihn zu realisieren, gezweifelt. Das fatale Herzklopfen! Es ist ein arger, obwohl jetzt fast mein einziger Tyrann, aber wie sich andre, allerdings schlimmere und vor allem schmerzhaftere Übel verlieren, nimmt dieses fast in gleichem Verhältnisse zu und hemmt mich so sehr in allem was ich unternehmen sollte oder möchte, dass ich manches Mal — z.B. eben heute — nicht umhin kann zu wünschen, lieber mehr leidend und weniger… Weiterlesen »

Hintergrund: Den Oberst Ludwig Joseph von Madroux lernt Annette im Herbst 1847 kennen, als er für mehrere Wochen Laßbergs Gast auf der Meerburg ist. Beide verbindet eine Leidenschaft für das Sammeln von Kunst. Annette nennt Ludwig zwar Vetter, er sie Cousine – verwandt sind sie jedoch nicht.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 7.August

Sie sehn, Lies, wie schlecht es mit meinem Schreiben geht, 2-3 Zeilen im Tage, aber heute muss etwas gewagt und geleistet werden, denn unser Heinrich, von München abgehend und über Meersburg reisend, um Mama auf ihrer Heimreise zu begleiten, ist schon vor drei Tagen angekommen, und wieder nach drei Tagen (am 10.) steht mir die harte Stunde der Trennung bevor. Von meiner Mitreise kann keine Rede sein; habe ich wirklich noch Jahre zu leben, so müssen wenigstens die nächsten und gefährlichsten in diesem Klima durchvegetiert werden. So sagen wenigstens die Ärzte und andere auch, selbst Mama. Es ist sehr hart, von einer 74jährigen Mutter zu scheiden, vor allem, wenn man selbst krank ist. Das Wiedersehn ist eine Durchfahrt… Weiterlesen »

Hintergrund: Neffe Heinrich, der älteste Sohn von Annettes Bruder, studiert in München. Er holt seine Großmutter, Annettes Mutter Therese, im Sommer in Meersburg ab, die beiden verlassen den Bodensee am 10. August 1847 Richtung Westfalen.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 20.Juni

Wir werden jetzt, da wir allein reisen, vor der Mitte nächsten Monats nicht fortgehn. Gott gebe, dass wir jetzt nur nicht durchs Paderbörnische müssen, zu einer Rundtour bei allen Verwandten! Das würde bis zum Herbst hinhalten und ist ein fatales Hängen zwischen Himmel und Erde – überall in den allerengsten Beschlag genommen und doch nirgends heimisch und bequem, ein Reisesack die stehende Equipage und keine Minute für sich zum Arbeiten oder Ruhen … Lieber Levin, ich besuche jetzt unsre alten Plätze am See sehr selten oder vielmehr gar nicht. Die alten Erinnerungen sind notwendig durch neue verdrängt, und da prädominieren die Figelei und der öde Stein; solche Plätze sind eben nur, was man selbst hineinlegt. Ich wollte,… Weiterlesen »

Hintergrund: Die erwähnte Rezension stammt von J. Scherr, der u.a. die Droste-Ballade "Der Graf von Thal" beurteilt hat.
Das Honorar für die zweite Gedichtausgabe soll nach Meersburg gehen, um damit den Kauf des Fürstenhäuschens zu finanzieren.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1843 17.Februar

Von Schücking habe ich kürzlich Nachricht, die Wirtschaft in Mondsee ist ein Greuel vor Gott, und das erste, was ihnen bei ihrer Ankunft entgegengebracht worden, ist ein neues Kind der Maitresse gewesen, worüber ein Jubel gewesen, als wäre ein Erbprinz geboren, die Prinzessin Marie, die gleich nach der Mutter Tode mit ihrem Onkel Adolph (Vaters Bruder) nach Paris gereist ist, will der Vater jetzt auch nach Mondsee in diese Wirtschaft haben, und hat deshalb geschrieben, sie hat in der Antwort flehentlich gebeten sie damit zu verschoben, worauf der Fürst ganz wütend geantwortet, „wenn sie nicht von selbst käme, würde er sie holen lassen, und zwar durch die Maitresse“, zugleich hat er ihr Vorwürfe gemacht, dass sie dieser keinen… Weiterlesen »

Hintergrund: Fürst von Wrede, bei dessen Söhnen Schücking seit April 1842 als Erzieher tätig ist, hat nicht nur eine todkranke Frau namens Amalia, sondern auch eine Geliebte, Amalie von Löw.