Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1826 18.September

Die Spiegel und Mamas schönes Bild erhältst Du durch Überbringer dieses, und heute nachmittag kömmt noch zweimal Gelegenheit, erstlich Klemens, der einen Hasen und ein Huhn bringt und der zugleich Deine kleine Uhr trägt, und endlich ein Wagen, der alles übrige bringt, was noch hier ist. Nur mit einigen Punkten steht es schlimm. Erstlich die Stangen vom Wilkingheger Bett. Davon wußte wenigstens gestern noch niemand recht Bescheid, was aus ihnen geworden. Wenn sie also um das Fremdenbett vielleicht gehören, so rat‘ ich Dir, vorläufig Deine oder meine zu nehmen, denn ich kann Dir nicht dafür stehn, ob sie sich gegen dieses Nachmittag oder überhaupt finden. Ferner will Jennchen durchaus keine Gemüsekörbe abgeben; sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Am 25. Juli 1826 stirbt unerwartet der Vater Clemens-August von Droste-Hülshoff. Der älteste Sohn Werner, der mit seiner Frau auf Gut Wilkinghege lebt, übernimmt als Alleinerbe Burg Hülshoff. Therese von Droste siedelt mit ihren beiden Töchtern Annette und Jenny in den wenige Kilometer entfernten Witwensitz Rüschhaus über. Der Umzug scheint nicht ohne Auseinandersetzungen um den Hausrat abgelaufen zu sein.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 7.August

Nun wegen Mamas und Mariens Mäntel. Die sind keineswegs hier, sondern liegen in Düsseldorf im „Prinzen von Preußen“, nahe beim Bahnhofe. Der Wirt hat sie zurückbehalten, weil er gedacht hat, Mama würde sich in Bonn aufhalten und sie am folgenden Tage mit der Eisenbahn nachfordern. Ich habe dem Kutscher sagen lassen, sobald er wieder nach Düsseldorf fahre, möge er sie doch mitbringen, habe aber zur Antwort bekommen, nach Düsseldorf komme er so selten, dass dies noch wohl ein paar Jahre währen könne. Was soll ich nun machen? Dem Wirte den Auftrag geben, dass er sie nach Meersburg besorgt? Der wird aber keine Rücksicht auf die Kosten nehmen und die Geschichte mehr kosten, als die alten Mäntel wert sind. Werner meint doch, selbst… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Münster
1837 7.Dezember

An Vergnügungen ist diesen Winter schwerlich zu denken, wenigstens für den Adel, von dem ein Teil bereits sich gegen alles dergleichen erklärt hat. Freilich gibt es noch junges Volk, was sich die Haare darüber aus dem Kopfe reißen möchte; indessen die Papas werden wohl dieses mal die Oberhand behalten. Deshalb bleib nur zu Hause, meine liebste Sophie, Du kömmst doch nicht zum Tanzen, zudem da hier jedermann mit dem Erz verwandt oder sehr bekannt ist, unsre Herrenwelt selten zusammen, sondern bald der eine, bald der andere dort, und die noch nicht da waren, haben es größtenteils noch vor … Es ist eine wahre Adelswanderung und wird wohl ganz die Runde gehn. Du glaubst nicht, welchen Eindruck die neuesten Begebenheiten… Weiterlesen »

Hintergrund: Der aus Münster stammende Kölner Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering war im November 1837 zusammen mit seinem Sekretär Michelis verhaftet worden. Grund war seine provokante Haltung gegenüber dem preußischen Staat, der - als protestantisch geprägt - im katholischen Münster ohnehin einen schweren Stand hatte: Im Mischehenstreit bestand der Erzbischof entgegen einer Order König Friedrich Wilhelms III. darauf, dass die Kinder gemischtkonfessioneller Paare katholisch getauft werden. Auch im Hermesianerstreit legte er sich mit Preußen an: Der Erzbischof lehnte die Lehren des aufgeklärten Katholiken Georg Hermes ab und mischte sich in den Lehrbetrieb der Bonner Universität ein. Mehr zum Kölner Kirchenstreit und zu den Tumulten im Münster-Wiki.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 20.Juni

Wir werden jetzt, da wir allein reisen, vor der Mitte nächsten Monats nicht fortgehn. Gott gebe, dass wir jetzt nur nicht durchs Paderbörnische müssen, zu einer Rundtour bei allen Verwandten! Das würde bis zum Herbst hinhalten und ist ein fatales Hängen zwischen Himmel und Erde – überall in den allerengsten Beschlag genommen und doch nirgends heimisch und bequem, ein Reisesack die stehende Equipage und keine Minute für sich zum Arbeiten oder Ruhen … Lieber Levin, ich besuche jetzt unsre alten Plätze am See sehr selten oder vielmehr gar nicht. Die alten Erinnerungen sind notwendig durch neue verdrängt, und da prädominieren die Figelei und der öde Stein; solche Plätze sind eben nur, was man selbst hineinlegt. Ich wollte,… Weiterlesen »

Hintergrund: Die erwähnte Rezension stammt von J. Scherr, der u.a. die Droste-Ballade "Der Graf von Thal" beurteilt hat.
Das Honorar für die zweite Gedichtausgabe soll nach Meersburg gehen, um damit den Kauf des Fürstenhäuschens zu finanzieren.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 7.August

Hier im Hause ist alles wohl. Gestern ist der Weizen eingefahren, sechs kleine Fuder, er scheint sehr vollkörnig. Der Roggen ist schon zu Hause, drei Fuder, die Körner etwas klein, das Stroh sehr lang. Der Flachs steht prächtig, Äpfel bekommen wir ziemlich viele. Sage Mama, die beiden kleinen Kätzchen hätten wir verschenkt, das dreifarbige an Kortenkämpers, aber schon wieder ein neues Trikolörchen, von der jüngsten Trikolor-Madame. Gott! welche Hitze! Heut um 7 schon 21 Grad, und um 12 27. Das wird ein gutes Wein-Jahr geben! Aber wäre es dann nicht schade, den Wein von der Trotte zu verkaufen? Wegen des Geldes brauchst Du es nicht, das will ich wohl besorgen, wenn ich nur weiß, wieviel es sein muss; wenn es nämlich sonst… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1843 17.Februar

Allein zu lesen Von der Bornstedt kann ich Dir eine lange Cantelaine erzählen, sie schreibt zuweilen ihrer letzten Hauswirtin, Madame Glaß, und vor 6—8 Wochen kamen lamentable Briefe, „sie sei in Luzern jetzt ebenso melancholisch wie in Münster, die Schweizer seien geldgierige Leute, und die Verwandten ihres Nikolaus türmten Hindernisse auf, er selbst aber halte fest in treuer Liebe“ – gleich darauf ein zweiter Brief – „Es sei ein Familienrat gehalten, und da man heraus gebracht, dass sie kein bestimmtes Einkommen besitze, werde wohl aus der Heurat nichts werden können, und sie nach Münster zurückkommen“ – Du kannst dir den allgemeinen Schrecken nicht denken! Es war wirklich lächerlich! Wo man nur einem Bekannten… Weiterlesen »

Hintergrund: Die geplante Hochzeit zwischen Luise von Bornstedt und dem Luzerner Nikolaus Rüttimann platzt - wie die Bornstedt vermutlich in einem Brief an ihre frühere Zimmerwirtin Philippine Glass mitteilt. Von Luzern aus reist Luise 1843 nach Paris, von dort weiter nach Magdeburg und später nach Dresden, wo sie bei ihrer Tante Florentine Henriette von Bismarck wohnt. Nach Münster kehrt sie nicht zurück.
An: Luise von Bornstedt, aus: Rüschhaus
1838 2.Februar

Ich habe die Reisenovellen erst eben zu Ende gebracht, da ich sie erst gestern abends spät erhielt, mag aber doch nicht einschlafen, ohne Ihnen, liebste Freundin, ein herzliches und dankendes Wort gesagt zu haben für die Güte, mit der Sie mir den endlosen Schnee zu verzuckern suchen. Das Buch könnte man eher alles andre, auch schlimmere nennen als unbedeutend, und ich würde es nicht gelesen zu haben für einen Verlust halten. Es regt eine Masse von Gedanken an, wäre es auch mitunter nur als Gegensatz. Rüschhaus, 2. Februar 1838, 12 Uhr… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1845 6.Dezember

Von Schücking habe ich kürzlich Briefe, er wohnt jetzt in Köln, redigiert das Feuilleton der Kölner Zeitung und das Rheinische Jahrbuch und bekömmt für ersteres vom DuMont Schauberg 1000 Reichstaler, für letzteres auch einige hundert Taler Gehalt. Seine Aufsätze werden ihm extra sehr gut bezahlt, so dass er sich (ausgenommen, dass der Name Cotta brillanter klingt als DuMont) eigentlich jetzt reichlich so gut steht als in Augsburg; doch ist seine Frau sehr ungern von dort, wo ein sehr angenehmer Kreis von Literaten bestand, der in Köln gänzlich fehlt, fort gegangen. Es scheint, Schücking habe das Heimweh bekommen, er selbst spricht sich nicht klar darüber aus, aber aus einem Briefe Luisens scheint es hervor zu gehn. Er… Weiterlesen »

An: Pauline von Droste, aus: Rüschhaus
1845 27.Oktober

Ich werde diesen Winter sehr einsam verleben. In meinem Alter nimmt die Lust, neue Bekanntschaften zu machen (und Du weißt, diese war bei mir nie groß), gewaltig ab, und mein früherer Zirkel ist gänzlich aufgelöst, auseinander gestäubt wie ein Haufen Flaumfedern. Die gute Rüdiger war mir noch zuletzt geblieben, ist aber seit vierzehn Tagen auch fort, nach Minden, wohin ihr Mann mit gleichem Range, aber einer Gehaltsverbesserung versetzt ist. Die Einsamkeit wird mich nun zwar eben nicht genieren (Du weißt, sie ist eigentlich meine Liebhaberei), aber doch vermisse ich einige der alten Bekannten sehr ungern, namentlich eben die Rüdiger, eine Frau, auf die ich mich in jeder Beziehung verlassen, und immer ihrer wärmsten Teilnahme… Weiterlesen »