Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Clemens von Bönninghausen, aus: Rüschhaus
1829 22.November

(Schilderung der seit dem 7. November neu aufgetretenen Krankheitssymptome) 1. Kopfweh, vorzüglich im Hinterkopf, morgens gelind, nachmittags stärker, abends oft sehr heftig. 2. Knacken mitten im Kopfe, so oft ich ihn umdrehe. 3. Knacken der Kinnlade. 4. Etwas Neigung zu leerem Aufstoßen. 5. Einmal schmerzhaftes Stechen auf der Herzgrube. 6. Zuweilen ein kurzer Stiche in der Seite über der Hüfte, meistens links, selten rechts. 7. Kollern im Leibe. 8. Etwas Beschwerde beim Atmen. 9. Ein beständiger dumpfer Schmerz in der linken Brust, zuweilen in Stiche ausartend, wonach es besser zu werden pflegt. 10. Einmal ein Stich mitten in der Brust, wo der Brustknochen am höchsten ist, aber unter demselben. 11. Zuweilen… Weiterlesen »

Hintergrund: Clemens Maria von Bönninghausen ist einer der ersten Homöopathen, und obgleich er nie Medizin studiert hat, gibt Annette sich als eine der ersten Patientinnen in seine Hände. Jahrelang konnte die Schulmedizin der von Kindheit an kränkelnden Annette nicht durchgreifend helfen. Als sich ihr Gesundheitszustand im Sommer 1829 dramatisch zugespitzt hat, wird sie an Bönninghausen überwiesen, der sie ab September 1829 behandelt. Der Erfolg überzeugt Annette so sehr, dass sie seine Dienste zeitlebens in Anspruch nehmen wird. Erst 1846 muss sie sich in Meersburg von einem Schulmediziner behandeln lassen, weil Bönninghausen nicht greifbar ist.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 2.September

Sehr ernst und eigen gestimmt bin ich auch; denn ich habe gestern und heute bis Mittag Papiere durchgesehn und verbrannt, und damit manches Stück Vergangenheit hinter mir geworfen, was, freilich schon seit Jahren mit Gras bewachsen, doch unter dem Lesen wieder so frisch aus dem Grabe stieg, dass ich wollte, ich hätte lieber blind zu gebrannt, dann wäre es wenig gewesen – jetzt ist’s mir wie ein halber Mord. Man liest alte Briefe so selten und für seine Ruhe wohl daran, es gibt nichts Scmerzlicheres. Die Toten bekommen wieder Seele und Leib, wir müssen sie zum zweiten Male begraben, und die Lebenden älter und kälter Gewordenen sehen uns frisch und jugendarm an, berühren so hundert kleine längst vergessene Stichworte, bei denen uns… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 20.Februar

Ich brüte jetzt über einem Stoff zur dritten Erzählung für unser Buch, um doch ans Werk zu kommen, bis ich der nötigen Notizen über Belgien für die zweite (als erste soll ja die „Judenbuche“ gelten) habhaft geworden bin, und dichte zwischendurch etwas für den Kölner Schlingel, falls er auf unseren Vorschlag eingehen sollte – Gott gebe es, obwohl mir die Novelle passender für ein Taschenbuch scheint, da es mitunter schwer sein möchte, sie in die nötigen Abschnitte zu teilen, deren jeder doch seinen bedeutenden Fortschritt der Geschichte und spannende Punkte enthalten müßte. Ich glaube, wenn es mit dem Kölner nicht geht, könnte man es noch immer mit einem Taschenbuch (z. B. der Cornelia, wenn die noch existiert) versuchen…. Weiterlesen »

Hintergrund: Schon im April 1844 dachte Annette von Droste erstmals über ein gemeinsames Buchprojekt mit Elise Rüdiger nach. Geplant sind sechs Erzählungen, von denen jede der Freundinnen drei verfassen sollte. Neben der "Judenbuche" möchte die Droste ihre in Belgien spielende Kriminalgeschichte "Joseph" hierfür verwerten. Der Gemeinschaftsband wird nicht realisiert.
Der Kölner Schlingel ist vermutlich der Redakteur Hermann Püttmann von der "Kölnischen Zeitung"; die Cornelia eine Taschenbuchreihe.
An: Karl von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 22.November

Welch große Freude hast du mir gemacht, Du guter lieber Onkel! Was für Biester! Kreaturen darunter, die mir mein Lebtage noch nicht vor Augen gekommen sind! Und alle so wohl erhalten! Ich habe ein paar Tage nichts getan, als begucken; dann kriegte ich die Angst, dass sie mir staubig werden möchten und habe sie in meinen neuen Glasschrank gelegt und meinen Tisch daran gerückt, damit ich doch zwischendurch immer am Besehen bleiben kann. Und wo hast du die kleine Pharaonsmuschel hergekriegt? Das ist ein äußerst rares Stück, ich habe sie ein paarmal in ganz großen Sammlungen, aber immer zuletzt, als das Beste von der ganzen Geschichte, gesehen. Die beiden Muscheln mit den langen Beinen find ich auch sehr schön, und den… Weiterlesen »

Hintergrund: Daniel Nikolaus Chodowiecki war der populärste Kupferstecher, Grafiker und Illustrator des 18. Jahrhunderts in Deutschland; sein Bruder Gottfried Chodowiecki war Miniaturmaler. Eine Petschaft war ein Stempel, mit dem ein Siegel in Siegelmasse gedrückt wurde.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Sie haben doch wohl bei Beendigung des Halbjahrs nicht versäumt, sich bündig fest zu stellen? Ich bitte, antworten Sie mir hierauf, denn ich bin in großer Unruhe deshalb; ohne dieses könnten Sie um alles kommen, und selbst ein schriftlicher Kontrakt kann unter Umständen trügen, wie ich Ihnen früher ein Beispiel vom alten Steinmann angeführt. Sind Sie aber noch nicht gebunden und fürchten Veränderungen, die Ihre ohnedies delikate Lage bis zum Bedenklichen, ich wage es zu sagen: bis zum fast Unehrenhaften steigern könnten, so bitte ich Sie, um alle der treuen Sorge und Liebe willen, die ich Ihnen immer bewiesen, sprechen Sie es ehrlich gegen mich aus, und ich will dann mein möglichstes tun, Ihnen durch August, der ja jetzt alle… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 14.Dezember

Nun noch ein Wort von meinen Gedichten. Die Abschrift ist fast fertig, aber Sie, mein armes gutes Kind, sollen sich damit nicht plagen; Sie haben jetzt eine immer wachsende Haushaltung in Aussicht, müssen zu diesem Zweck Ihre eignen und Ihrer lieben Frau Schriften zu poussieren suchen, ohne sich Ihrem Verleger durch Protektion Fremder, deren Erfolg noch sehr zweifelhaft ist, unangenehm zu machen. Ich habe dies längst gedacht und muss mich schämen, dass Laßberg es mir zuerst hat deutlich aussprechen müssen, der sich dann auch erboten hat, sobald alles fix und fertig, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln. So ist’s am besten, und ich bitte Sie nur, mir zu sagen, was ich nach Hauffs Äußerungen etwa von Cotta zu erwarten hätte. Sie… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 16.November

Von Adelen habe ich Antwort, eine höchst unerwartete: mein buchhändlerischer Verehrer ist – ein Schlagschatten, ein Doppelgänger, kurz, Velhagen & Klasing, der sich vor drei Jahren hinter Adelen steckte, wie jetzt hinter Nanny Scheibler. … Ich glaube, Adele hat Recht; Cotta würde denken, dass entweder das eine oder das andre der Bücher bestimmt reüssieren werde, und deshalb vielleicht beide gut honorieren. Aber in diesem Falle kann ich kaum unter Jahresfrist auftreten, und dann doch nur mit dem ersten Bande des Prosaischen; wenigstens fürchte ich nicht weiterzukommen, da es im Frühling wieder nach Abbenburg geht, und ein Buch, in einem fremden Hause geschrieben, schon alles mögliche ist. Adele schreibt auch von Ihnen mit… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Meersburg
1842 26.Januar

Scheppe und ich sind auch dicke Freunde und haben uns wertvolle Geschenke an Versteinerungen und Schneckenhäusern gemacht, denn er kriecht ebenso wie ich am See und in den Weinbergen umher und ist lange vor mir gekrochen, so dass die Meersburger an diese neue Art von Vierfüßlern gewohnt sind, was mir jetzt gut zustatten kömmt, denn es fällt keinem ein, was Besonderes darin zu finden, die Höflichsten bleiben sogar stehn und geben mir die Stellen an, wo seltene Sorten zu finden sind und wo der Physikus und Herr Jung auch gesucht hätten. … Ich gehe zuweilen zu Kessels oder den guten Klosterfrauen, deren freundliche und verständige Unterhaltung mich sehr anspricht, sonst zu niemandem, denn ich habe keine Zeit, da der Nachmittag… Weiterlesen »

Hintergrund: Dass Levin Schücking sich zeitgleich auf der Meersburg aufhalten wird, kommt für die Droste keineswegs so überraschend, wie sie gegenüber ihrer Mutter und später auch gegenüber der Freundin Elise Rüdiger vorgibt. Den Plan, Schücking die umfangreiche Bibliothek des Schwagers Laßberg sortieren zu lassen, haben Annette und ihre Schwester noch im Rüschhaus zusammen ausgeheckt. In Münster sorgt vor allem Luise von Bornstedt wegen dieses Zusammentreffens in der Ferne für "fatalen Klatsch".
Die Bornstedt hat sich inzwischen nicht nur bei der Droste, sondern allgemein in Münster unbeliebt gemacht, was schließlich, während Annette in Meersburg weilt, auch die literarische "Heckenschriftsteller-Gesellschaft" im Hause Elise Rüdigers sprengt.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1839 1.September

Was sagen Sie dazu, dass ich Ihrem Manne schreibe? So geht’s, Elise, wenn man zu arglos ist! Sie tun Ihre frommen Augen lange nicht weit genug auf. Warum lassen Sie so gefährliche junge Personen in Ihr Haus? … Aber ernstlich, liebes Herz, geben Sie den einliegenden Brief Ihrem Herren Gemahle, er betrifft unseren guten Schücking. Mit Hassenpflug das ist leider nichts. Er hat mein Schreiben erst ganz vor kurzem vorgefunden, als er, nach einer längeren Abwesenheit, zurückkehrte, und war schon vorher längst mit einem Sekretär versehen. Artigkeiten hat er genug geschrieben, sein Brief schwimmt in Freundschaft und Erinnerungen, doch was nutzt mir das? Ich weiß nun zwar, dass er sich Schückings gelegentlich erinnern wird, aber wann?… Weiterlesen »