Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 30.Juni

Liebste Jenny, ich bin krank, kann gar nicht schreiben und muss doch, seit 14 Tagen, über meine Kräfte. Zwei Briefe an Dich, wovon ich an dem einen zwei, an dem andern vier Tage mich geplagt hatte, habe ich zerreißen müssen, weil unterdessen alles änderst eingerichtet worden war, nun kann ich aber nichts mehr! und da Mama selbst kömmt, kann sie dir auch von allen Verwandten und Freunden zehnmal umständlicher selbst erzählen. Ich schicke Dir also für dieses Mal nur dieses wunderliche Blatt, was die inwendig voll geschriebene Adresse eines der Briefe war und allerlei enthält, was ich sonst abschreiben müsste, und mich wirklich in diesem Augenblicke gar nicht capable dazu fühle. … Wie leid es mir tut, nicht nach dem lieben… Weiterlesen »

Hintergrund: capable: fähig
Fiduzit: Vertrauen
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1844 12.Dezember

Aber, lieb Herz, was schreiben Sie mir von der Möglichkeit einer Trennung! Glaubte ich es, so würde mir todangst; indessen haben Sie dies so oft, gottlob umsonst, gefürchtet, dass der Gedanke gar nicht bei mir haften will. Warum sollte R vom neuen Oberpräsidenten (den wir noch nicht mal erraten können) zurückgesetzt werden? Von einer Spannung zwischen R und Devigneau haben Sie mir freilich schon früher gesagt, aber übrigens ist die allgemeine Stimme so für R. Ich habe seiner, sowohl was Charakter als Kenntnisse und Fleiß anbelangt, nie anders als mit ausgezeichneter Achtung erwähnen hören (und ich bin oft in diese Gelegenheit gekommen), so dass ich meine, Devigneau kann es nicht wagen, einen so allgemein geschätzten und… Weiterlesen »

Hintergrund: Elises Mann, Regierungsrat Karl Ferdinand Rüdiger, wird 1845 nach Minden versetzt.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1846 28.August

Ich bin auf dem Punkte, nach Hülshoff auszuwandern. Mein guter Bruder will es so und hat recht daran; denn so verführerisch, ich möchte sagen betäubend lieblich mein Klausnerleben auch ist, so ist es doch allerdings nicht geeignet, jemanden, der sehr an den Nerven und noch mehr an Apprehensionen leidet, wieder zurechtzuhelfen. Also in Gottes Namen! Ich schicke den „Helmut“ mit vielem Dank zurück; er hat mir viel genutzt; so geschwind er sich von der Sache abmacht; denn mein Wissen war hier wieder gar arges Stückwerk, ohne Ordnung und System, rein Aufgeschnapptes! und es hat mich sehr gefreut, endlich einmal etwas, wenn auch Kurzes, doch Gründliches darüber zu lesen. Die beiden Lateiner nehme ich mit, ich stecke mitten darin… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit dem Helmut meint die Droste einen Band über Naturgeschichte von Johann Heinrich Hellmuth, den Schlüter ihr geliehen hat. Annette nutzt die Informationen aus dem Buch, um ihre Muschelsammlung zu ordnen.
Apprehension: Reizbarkeit
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 12.September

Guten Morgen, Levin, es regnet draußen, in mir aber ist heller Sonnenschein, weil ich bei Dir bin und Dein gutes Affengesicht mir so recht vor Augen tritt. NB. Dein Porträt ist mir doch jetzt von großem Werte, und ich gäbe es um vieles nicht hin, obwohl Du mich ansturst wie ein grimmiger Leu, dass ich immer sagen möchte: friß mich nicht, kleines Pferd! Um jetzt auch mal auf mich selbst zu kommen: es geht mir denn so leidlich; von meinen Gesichtsschmerzen bin ich gottlob total geheilt, durch eine wahrhaft wunderbar wirkende Salbe, die mir ein altes Laienschwesterchen in Meersburg gegeben. Aber übrigens ist mir doch zuweilen hundsschlecht, und ich kann des Klimas noch ganz und gar nicht gewöhnen, obwohl ich alle Tage renne wie ein… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 13.Juni

Vorgestern habe ich Deinen Brief erhalten, mein gutes Herz, und heute sitze ich schon wieder hinter der Feder, und zwar auch einmal „in flüchtigster Hingeschmissenheit“, damit mein Brief womöglich noch vor oder mindestens zugleich mit demjenigen anlangt, den Dir Laßberg schreiben wird. Dieser hat nämlich soeben einen Brief vom alten Hug aus Freiburg erhalten des Inhalts, dass ihm eine Anfrage vom Regierungsdirektor von Recke (in Freiburg) geschehn hinsichtlich der moralischen und politischen Richtung des Levin Schücking, dem man, im Falle man hierüber gleich sichre und günstige Zeugnisse zu erhalten vermöge, als man bereits über andre erwünschte Eigenschaften eingeholt, die Redaktion der „Freiburger Zeitung“ anzubieten gedenke…. Weiterlesen »

Hintergrund: Die Freiburger Zeitung erscheint seit 1784. Mit dem Verleger wechseln Titel und redaktionelle Ausrichtung mehrfach im Laufe ihrer 150jährigen Geschichte. 1943 muss sie ihr Erscheinen einstellen. Die Universitätsbibliothek Freiburg hat alle Jahrgänge des Blattes digitalisiert. Die Freiburger Zeitung vom Entstehungstag des vorliegenden Droste-Briefes als pdf gibt es hier.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 4.Mai

… fand ich im „Morgenblatt“ mein Gedicht an Junkmann, was sich ganz gut macht; und dann füttert es seit 10–12 Tagen sein Publikum so unbarmherzig mit meiner Erzählung –– von Hauff „Die Judenbuche“ getauft –, dass alle Dichter, die sich gedruckt sehen möchten, mich verwünschen müssen; denn ich und noch ein anderer Prosaist haben vorläufig das Blatt unter uns geteilt und werden wohl in diesem ganzen Monat auch nicht ein fremdes Hälmchen aufkommen lassen. Ich finde, dass sich meine gedruckte Prosa recht gut macht, besser und origineller als die Poesie, aber anders wie ich mir gedacht, und Dein früheres Urteil hat sich, im Gegensatz zu dem meinigen, bestätigt. Der Dialog – dem ich jetzt einsehe durch Betonung beim… Weiterlesen »

An: Ludowine von HaxthausenSophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1839 7.November

Von Jenny hat Mama gestern einen Brief. Sie hat einen Umschlag gehalten und ist sehr traurig darüber, übrigens aber schon fast hergestellt. Das Kind hat noch nicht gelebt und ist erst von vier Monaten gewesen, so sehr hat sie sich in der Zeit verrechnet. Sie schreibt, es ginge ihr näher als wir wohl dächten; ich kann es mir aber wohl denken und wollte, wir wären jetzt bei ihr. Rüschhaus, 7. November… Weiterlesen »

An: Guido von Haxthausen, aus: Abbenburg
1845 10.Juni

Onkel Karl war eben bei mir und erzählte mir von einem Verstoße zwischen Dir und Bökendorf, um sechs Schock Bohnenstangen. Er setzte mir auseinander, dass sechsunddreißig Schock derselben, aus den gemeinschaftlichen Forsten zum gemeinschaftlichen Gebrauche gehauen und, nur damit sie nicht gestohlen würden, sämtlich in Vörden aufbewahrt worden, und jetzt Bökendorf einen kleinen Teil derselben nötig bedurft, Du aber den Wagen leer zurückgeschickt hättest. Ich weiß nicht, was Du, lieber Guido, vielleicht dagegen zu antworten haben magst, ob Du diesen unbedeutenden Artikel vielleicht als geschenkt, gekauft et cet. völlig meinst in Anspruch nehmen zu können. Aber ich bitte Dich, um der Liebe willen, die ich immer zu Dir und… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Zwist zwischen Annettes Stiefonkel August, Karl und Friedrich von Haxthausen und ihrem Vetter Guido von Haxthausen dreht sich um eines der Haxthausenschen Güter in Vörden, das Guido zusteht, und währt bereits seit Jahren. Nun haben die Onkel - ohne Guidos Einverständnis einzuholen - einen Teil des Familien-Waldes verkauft, um Augusts Russland-Reise zu bezahlen. Wohl aus Verärgerung behält Guido 360 in diesen Wäldern geschlagenen Bohnenstangen (ein Schock = 60 Stangen), die bei ihm in Vörden eingelagert sind, für sich.
An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1830 26.März

Ich kann mich unmöglich so schnell entschließen, als von mir verlangt wird. Wenn es nicht so lange Zeit hat, bis ich wieder in Rüschhaus bin und ein wenig mit Euch überlegt habe, so lasst es lieber ganz beruhen, denn auf keinen Fall ist mir viel daran gelegen mitzugehn, aber es könnte mir wohl, bei näherer Überlegung, sehr zuwider sein. Gegen Mannheim habe ich, an und für sich, einen Widerwillen. Die guten Seiten dieses Aufenthalts reizen mich nicht. Von der schönen Gegen kann ich im Winter nicht profitieren. Dass die Stadt schön und regelmäßig gebaut ist, ist mir gleichgültig. Das Theater ist gut, d.h. etwa wie das Kasseler, aber Du weißt selbst, dass ich etwas geizig mit Theatergeld bin, und bloß wenn ich etwas Besonderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Reise, die über Nizza nach Rom führen soll, ist eine Idee Werner von Haxthausens. Der Onkel würde gerne seine Schwester Therese und deren Töchter, Jenny und Annette, mitnehmen. Die Droste freut sich sehr darauf, doch ihre schlechte Gesundheit macht ihr einen Strich durch die Rechnung; mehrfach werden die Reisepläne geändert. Im September bricht ein Teil der Familie von Haxthausen nach Italien auf; die Droste-Frauen sollen später nachkommen. Politische Unruhen (Revolution in Paris und Belgien, Aufstände in einigen deutschen Städten) machen den Plan schließlich zunichte. Ende September/Anfang Oktober reist die Droste stattdessen nach Bonn.