Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Therese von Droste, aus: Bonn
1830 14.Oktober

Mit Arno habe ich nicht geschrieben, weil ich gerade nach Plittersdorf geholt wurde, wo ich die Mertens sehr leidend antraf, es waren aber nur Krämpfe, und so konnte ich nach drei Tagen wieder hieher gehen. Sie brachte mich sogar selbst zurück, obgleich sie in den Tagen, die ich bei ihr war, mehrere Male vor Schmerzen ohnmächtig wurde; sie ist übrigens im ganzen ziemlich gesund jetzt; dies war nur so ein einzelner Anfall, sonst kann sie gewaltig viel vertragen und ist so gut zu Fuße, dass ich mich darüber wundern muss — sie läuft von Plittersdorf nach Bonn und wieder zurück in einem Tage, und dabei den ganzen Tag auf den Straßen umher. Mit Tony glaubt sie ganz prächtig fertig geworden zu sein, sie hat rechten Nutzen von… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 27.Dezember

Jetzt habe ich Ihnen soviel vorgeklatscht, lieber Levin, dass mir kaum Raum zu viel Lieberem und Nötigerem bleibt. Vorerst: Wollen Sie nicht mal einen kleinen offnen Zettel an Elise einlegen? Einen Brief erwartet sie nicht, und wünscht ihn wohl kaum, da die Korrespondenz, wie Sie selbst fühlen, vorläufig noch etwas Peinliches haben würde, und sie durch meine Briefe viel ungenierter au courant ihrer Lage bleibt, aber dieses wäre doch eine Freundlichkeit. Zwingen sollen Sie sich indessen nicht, beengt es Sie, so lassen Sie es. Dann eine Bitte, mein Kind, Du hast Deinen Brief zerissen, um mir das Herz nicht schwer zu machen, meinst Du, dass mir etwas schwerer auf dem Herzen liegen könnte wie die Angst ohne bestimmten Gegenstand,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und die Schriftstellerin Luise von Gall lernen sich im Sommer 1842 kennen - zunächst brieflich. Ferdinand Freiligrath hat den Kontakt hergestellt. Schücking und Gall schreiben sich mehrere Monate lang und verloben sich noch vor der ersten persönlichen Begegnung. Zu einem Treffen kommt es erstmals am 30. Mai 1843 in Darmstadt. Gegenüber der Droste erwähnt Schücking seine neue Bekanntschaft im November 1842 zum ersten Mal.
An: , aus: Hülshoff
1824 31.Dezember

Du lieber Gott, ich soll schreiben und liege schon im Bette und muss noch obendrein nachher einen Teil der Nacht wachen. So soll es mich denn wundern, wie sich Engelbert und Fanny als junges Ehepaar machen werden, obn dieses neue Verhältnis für uns so sehr angenehm ausfallen wird, als wir uns es jetzt wohl denken, und ob, übers Jahr, die kerkeringsche Familie sich wohl um ein Mitglied wird vermehrt haben. Ferner, wie es Fritz Böselager gehen wird, von dem heute Abend bei Tische viel geredet worden, und was es mit Linchen Borg und Dolfs gibt; das sind lauter Dinge, worauf ich neugierig bin. Gott gebe, dass die gute Engel auch endlich einen einigermaßen sicheren Aufenthalt gefunden hat. Wenn dieses gelesen wird, ist sie entweder in… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach alten Brauch werden in Silvesterbriefen die Erwartungen für das kommende Jahr niedergeschrieben, um sie ein Jahr später erneut zu lesen.
Luise von Landsberg-Velen, eine Bekannte der Familie Droste, bringt im Februar 1825 eine Tochter zur Welt.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 26.Mai

Ich schreibe Dir unter Kanonendonner, unter Pauken- und Trompetenschall. Die Bürgermiliz hat sich vor der Pfarrkirche aufgepflanzt und läßt ihr Geschütz, wirklich ordentliche Kanonen, seit vier Uhr Morgens, sechs Messen lang, so unbarmherzig zu Gottes Ehre knallen, dass fast in jedem Hause ein Kind schreit; und wir auf dieser Seite haben alle Fenster aufsperren müssen, damit sie nicht springen. In den Schwaben ist doch mehr Lust und Leben wie in unsern guten Pumpernickeln! Stiele hat sich in eine Uniform gezwängt, die aus allen Nähten bersten möchte, und maltraitiert die große Trommel mordmäßig. Als ich aus der Kirche kam, salutierte er höchst militärisch und sagte dabei höchst bürgerlich: „Guten Morgen, gnädiges… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1845 5.März

Hierbei fällt mir Hüffer ein; hören Sie, wie es mir mit dem gegangen ist! Er antwortete sehr höflich, dass er keineswegs den Ladenpreis verlange, sondern sich als meinen Kommissionär ansehe und neben Druck- und sonstigen Kosten nur gewisse Prozente – ich weiß nicht mehr wieviel – nehmen werde. Die Bücher kamen an – es waren statt 300 nur 172 – dabei die Rechnung, und diese machte, trotz der minutiösesten Berechnung, nur 63 Taler; im Laden kostete das Buch 25 Silbergroschen. Die Auflage war 500* Exemplare stark. Hüffer hat also 328 Exemplare verkauft und dafür 272 Taler eingenommen; so war er doch längst wieder zu seiner Auslage oder vielmehr hatte schon entschiedenen Profit gehabt, was mir sehr tröstlich ist. Denn die… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 25.Mai

Im Museum war ich seit einigen Tagen nicht, bis dahin war meine „Judenbuche“ beendigt, von der ich nur das im vorigen Briefe Gesagte wiederholen kann, nämlich: dass ich den Effekt fand wo ich ihn nicht suchte, und umgekehrt, das Ganze aber sich gut macht. Es ist mir eine Lehre für die Zukunft und mir viel wert, die Wirkung des Drucks kennengelernt zu haben. Gestrichen hat man mir nur einmal ein paar Zeilen, nämlich das zweite Verhör ein wenig abgekürzt; wenn du es nicht etwa schon getan hattest, worüber ich ungewiss bin. Zuerst war ich zürnig, grimmig wie eine wilde Katze, und brauste im Sturmschritt nach Deisendorf; auf dem Rückwege war ich aber schon abgekühlt und gab dem Operateur – Hauff, Dir oder gar mir selbst – Recht;… Weiterlesen »

Hintergrund: Im Meersburger Museum gibt es einen Lesesaal, in dem Zeitungen wie das "Morgenblatt", die "Kölnische" und die Augsburger "Allgemeine Zeitung" ausliegen.
Mit dem Hamburger Unglück ist der Große Brand gemeint, der in der Nacht auf den 5. Mai 1842 in einem Speicher ausbricht. Die Flammen breiten sich schnell aus und geraten außer Kontrolle - mit verheerenden Folgen: Nach vier Tagen Feuersbrunst liegt ein Drittel der Stadt in Schutt und Asche, mehr als 50 Menschen sterben, 4000 Gebäude werden zerstört, fast 20.000 Menschen verlieren das Dach über dem Kopf.
Das Droste-Gedicht "Warnung an die Weltverbesserer" wird erstmals im "Morgenblatt" vom 26. März 1842 abgedruckt, später erscheint es auch in der "Kölnischen Zeitung" (1. April 1842) und im "Westfälischen Merkur" (4. April 1842).
In Schückings Novelle "La fleur", erstmals erscheinen 1842 in "Europa, Chronik der gebildeten Welt", wird die gemeinsame Bekannte Luise von Bornstedt ironisch porträtiert.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 5.Mai

Ich habe Dir schon gesagt, dass Wessenberg hier war. Seine Persönlichkeit ist jetzt weder angenehm noch bedeutend; indessen habe ich ihn zu spät kennen gelernt, da er offenbar schon sehr stumpf ist. Man sagt, er behandle Frauen gewöhnlich mit großer Geringschätzung und fast wie unmündige Kinder; mit mir hat er aber eine ehrenvolle Ausnahme gemacht, und nachdem er mir schon durch Baumbach viel Verbindliches über meine Gedichte und den Wunsch, meine Bekanntschaft zu machen, hatte zukommen lassen, trat er mir jetzt, ziemlich taktlos und geziert, mit den Worten entgegen: „Sie sind also die Dichterin! Wahrlich, Sie haben eine herrliche Ader, von seltner Kraft! et cet.“, und Du glaubst nicht, mit welcher koketten, kleinlichen Ostentation… Weiterlesen »

An: Werner von Droste, aus: Rüschhaus
1845 25.November

Meinen herzlichsten Dank, liebster Bruder, für das hübsche Siegel, es war mir sehr erwünscht, eigentlich gradezu notwendig, und macht mir deshalb viel Freude. Ebenso herzlich danke ich Dir für deine Warnung hinsichtlich des Feuilletons. Ich bin ganz deiner Ansicht und werde gewiss nichts mehr einsenden, doch möchte ich gern ein eklatanten Bruch vermeiden, sowohl, um mir nicht mutwillig Feinde zu machen und ein paar Dutzend sehr scharfer satirischer Federn auf den Hals zu ziehen, die gewiss schlau genug sein würden, mich nicht von der katholischen, sondern von der rein poetischen Seite anzugreifen, und meinen literarischen Ruf möglichst zugrunde zu richten, als auch Schückings wegen, der doch ganz unschuldig an der Sache ist, dessen… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Veröffentlichung der "Westfälischen Schilderungen aus einer westfälischen Feder" in den "Historisch-Politischen Blättern für das katholische Deutschland" auf Betreiben von Guido Görres hat für Annettes Familie gesellschaftliche Folgen. Die "Kölnische Zeitung" gerät in derselben Zeitschrift unter Beschuss der katholischen Adelskreise, nachdem ihr Verleger Karl Joseph DuMont den revolutionär gesonnenen Karl Heinrich Brüggemann zum Chefredakteur gemacht hat. Der Brief - möglicherweise die entscheidende Erklärung für den Rückzug Annettes aus der literarischen Öffentlichkeit - wurde von der Nachfahrin Magda von Droste-Hülshoff erst 1971 zur Publikation freigegeben.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 17.November

Brentanos Totenamt von Freiligrath habe ich gelesen und jetzt auch das Gedicht im Immermanns Album; das erstere finde ich wohl hübsch, das zweite kaum; hier ist wirklich mitunter nur „gereimte Prosa“, und wenn ich das finde, die selbst so sehr nach dieser Seite neigt, so muss es wohl auffallend sein. Ich fürchte, Freiligraths Ader fängt an sich zu erschöpfen; auch das erste Gedicht hat mich mehr durch seine Pietät gerührt, als durch eigentliche Kraft oder Lieblichkeit erfreut; doch ist es noch immer besser, als was man so gewöhnlich sieht…. Weiterlesen »