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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Ich kann mir einbilden, Du wärst es

(…) Ob ich mich freue nach Haus zu kommen? Nein, Levin, nein. Was mir diese Umgebungen vor sechs Wochen noch so traurig machte, macht sie mir jetzt so lieb, daß ich mich nur mit schwerem Herzen von ihnen trennen kann. Hör, Kind! Ich gehe jeden Tag den Weg nach Haltenau, setze mich auf die erste Treppe, wo ich Dich zu erwarten pflegte, und sehe, ohne Lorgnette, nach dem Wege bey Vogels Garten hinüber. Kömmt dann jemand, was jeden Tag ein paarmahl passiert, so kann ich mir bey meiner Blindheit lange einbilden, Du wärst es, und Du glaubst nicht, wieviel mir das ist. Die Schenke am See Ist’s nicht ein heitrer Ort, mein junger Freund, Das kleine Haus, das schier vomWeiterlesenIch kann mir einbilden, Du wärst es

Freiligrath muß ein kompletter Esel sein

(…) Du schreibst, ich solle Dir die vorzüglichsten Rezensionen über mein Buch mitteilen? Liebes Kind, gelesen habe ich selber nur zwei, eine im „Mindener Wochenblatt“ von Fr. v. Hohenhausen, die andre im „Telegraphen“ von Levin Schücking, der seit zwei Jahren anfängt, Aufsehen in der kritischen Welt zu machen. Beide waren freylich brillant genug, wollen aber doch die Tür nicht zutun, da die eine von einem Frauenzimmer, die andre von einem Bekannten ist. Dagegen schreibt mir Adele Schopenhauer, das Buch habe in Weimar und Jena Furore gemacht, Kühne und O.L.B. Wolff hätten soeben Rezensionen beendigt, die in den nächsten Nummern der gelesenen Tagblätter erscheinen würden (was ohne Zweifel geschehn ist, aber nicht bis Münster kömmt). (…) Auch Freiligrath, der neulich inWeiterlesenFreiligrath muß ein kompletter Esel sein

Die Klatscherei der Bornstedt

(…) Sie werden von Elisen einen Brief erhalten haben, worin sie ihre Briefe und Portrait, so wie auch beides von mir, zurück wünscht. Sie können sich auf mein Wort verlassen, daß diesem Wunsch Elisens keine Bitterkeit zum Grunde liegt, sondern nur eine natürliche Furcht vor dem Schwerte des Damokles, das ihr durch die Klatscherei der Bornstedt erst recht sichtbar geworden ist. Daß diese Klatscherei, die übrigens nur wenigen bekannt war, fast in der Geburt erstickt ist, haben wir teils Schlüters zu verdanken, teils dem Umstande, daß die Bornstedt mich ganz auf dieselbe Weise angegriffen und dadurch ihrem boshaften Plane zwei Köpfe gegeben hat, die sich einander auffraßen. Ich habe übrigens Elisens Wunsch nicht angeregt, aber ihr allerdings Recht gegeben: BeidesWeiterlesenDie Klatscherei der Bornstedt

Sie sind also Bräutigam …

(…) Sie sind also Bräutigam, und zwar einer höchst wahrscheinlich sehr guten und ganz gewiß höchst liebenswürdigen Braut, die nach Ihrer Beschreibung wirklich grade das zu besitzen scheint, was zu Ihrem innern Glück und äußeren Wohle notthut, und wonach mein Auge lange ängstlich für Sie umher gesucht hat. Nun, Gott segne Sie und gebe Ihnen alles Glück, was Ihr Herz so reichlich verdient! Wenn meine Wünsche für Sie nur erfüllt werden, dann will ich auch nicht zanken, daß Sie meinen warmen, angstvollen Rat, wie gewöhnlich, mit aller Hochachtung beyseite geschoben und dem Schicksal den Handschuh gradezu ins Gesicht geworfen haben. Jetzt bittet Dein Mütterchen Dich aber noch einmahl, und es ist die letzte Bitte, von deren Erfüllung noch vieles abhängenWeiterlesenSie sind also Bräutigam …

Welches Ende nimmt’s mit Freiligrath?

(…) Mit der Rezension bin ich sehr zufrieden; mehr wie zufrieden; überrascht und geblendet, da ich sie, nach den vorläufigen Andeutungen meiner Mutter, für beynahe schlimm halten mußte. Was kann ich mehr erwarten! Das Lob schwimmt ja durchaus oben, und der wenige saure Bodensatz ist ja so milde eingeschmuggelt, daß ich immer denken, Zedlitzens Bekanntschaft mit Schückings hat auch eben nicht geschadet. Die Proben sind zwar allerdings weder glücklich gewählt noch glücklich ans Licht gebracht. In der ersten („An die Schriftstellerinnen“) fehlt einmahl (4te Strophe) eine ganze Zeile, und zuletzt wird die „Gattin“ einer sehr wunderliche „Göttin“. Aber das ist ein Malheur und keine Schuld. Über Freiligrath geht’s arg her, zwar nicht ärger als er verdient, aber dennoch dauert erWeiterlesenWelches Ende nimmt’s mit Freiligrath?

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