Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 12.September

Adelen habe ich noch nicht schreiben können, und muss erst ihre Adresse durch die Mertens abwarten, da sie grade nach Karlsbad reiste, als ich in Bonn war, und der Mertens diese dann zu schicken versprochen. Ich werde dieser doch in den nächsten Tagen schreiben, da ich einen in Betracht der Umstände sehr langen Brief von ihr erhalten, wenige Tage, nachdem man ihren Mann, der mir in Bonn schon sehr bedenklich vorkam, auf einer kleinen Geschäftsreise morgens tot im Bette gefunden. Sie ist doch sehr erschüttert, und mit Recht, denn sie haben eine wahre Höllenehe geführt, und die Schuld stand ganz zu gleichen Teilen. Vielleicht wird sie jetzt wieder liebenswürdiger, da der wenigstens angebliche Grund zu dem ewigen innern Grimmkochen… Weiterlesen »

Hintergrund: Auf Veranlassung ihres Vaters, des Bankiers Abraham Schaaffhausen, heiratet Sibylle 1816 den leitenden Bankangestellten Louis Mertens. Das Paar bekommt sechs Kinder, doch die Ehe gilt gemeinhin als unglücklich - beide verbringen viel Zeit getrennt voneinander, sie auf ihrem Landgut Plittersdorf bei Bonn, er in Köln. Sibylle schart einen illustren Künstler- und Gelehrtenkreis um sich, und sie hat Affären - mit Männern wie mit Frauen. Eine von ihnen ist Adele Schopenhauer.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 6.Juli

In Bökendorf ist es krimmelvoll bis unters Dach ein halbes Dutzend Tanten und Nichten mit ihren Familien dort – wenn ich, so etwa um den dritten Tag, auf eine Stunde hingehe, um meine Aufwartung zu machen, komme ich halb taub und ganz duselig zurück. Hierhin kommen sie nicht oft, weil es den Onkel angreift, so sehe ich Malchen auch selten, und wir haben gar wenig von unserm Widersehn nach sechs Jahren – das arme Herz ist noch sehr herunter von ihrem Schrecken und Kummer, aber ihr tut das Gewirre gut, und zerstreut sie, während es mich nur rein konfus macht, und doch ist sie von Natur aus viel ernster als ich – freilich, Berlin und Rüschhaus! – da mag ihr noch wohl die ländlich Ruhe vorkommen, was mir ist wie in summender… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1838 1.August

Ich habe schon gesagt, dass mir Schlüter zuweilen schreibt. Er schickt mir dann die Druckbogen, wie sie nach und nach herauskommen, aber leider doch zu spät, um die Druckfehler zu verbessern, deren einige recht schlimme eingeschlichen sind. Einer der schlimmsten ist im ersten Gesange des St. Bernhard, wo es heißt: „Der Bruder nun in seiner Not – beginnt aufs neu das Kreuz zu reiben – als solle nicht ein Stäubchen bleiben.“ Es muss nämlich heißen „das Kleid zu reiben“. Nun lautet es stattdessen, als ob der Bruder sich den Buckel jucke. So etwas ist sehr fatal; man muss es aber jetzt mit Geduld tragen bis zur etwaigen zweiten Auflage. Jedermann sagt, es sei so schwer, Druckfehler aufzufinden, daher komme es, dass in allen Büchern… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erstausgabe der Gedichte erscheint Anfang August 1838 halbanonym unter dem Namen Annette Elisabeth von D. ... H. ... in Hüffers Aschendorffscher Buchhandlung in Münster. Das Buch wird in einer Auflage von 400 Stück gedruckt, hat 220 Seiten und soll 25 Silbergroschen kosten. Die Droste erhält kein Honorar, aber 30 Freiexemplare, die sie ihrem Mentor Schlüter überlässt. Verkauft werden 74 Exemplare zum Preis von jeweils 16,5 Groschen.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 7.Februar

Wie gehts Luisen? Wann sieht sie denn ihren neuen Mutterfreuden entgegen? Ich denke sehr viel an Euch und habe immer zwischendurch an Euch gedacht, wenn mir auswärtiges Denken sonst wohl vergehen musste. … Den 11ten. Soeben erhalte ich Ihren Brief. Also ein Mädchen! Nun, Gott segne Mutter und Kind. Ich bin herzlich froh, dass alles so weit ist. Aber mein Lotharchen kömmt nun ganz drunter, der ist nun fortan „der große Junge“ und soll viel verständiger und artiger sein, als er kann. Das leide ich aber nicht. Sie erwähnen des armen Stümpchens gar nicht in Ihrem letzten Briefe; das geht nicht, ein Brief ohne meinen Patenjungen! Versucht er schon, sich auf seine Beinchen zu stellen? Wie geht’s mit dem Zahnen? Und wie mit dem… Weiterlesen »

Hintergrund: Das zweite Kind der Schückings, Geraldine, wird am 10. Januar 1846 geboren.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 11.September

… und NB. was stellt das für, dass Du behauptest, gar kein Material zu haben? Wo sind denn diejenigen glänzenden, poetischen, gediegenen, mit (Gesichts-)Schmerzen gebornen „jüngsten Kinder meiner Laune“, die ich dir in meinem letzten Briefe von Meersburg gesendet? Heißt es hier wirklich: parturiunt montes, nascetur ridiculus mus? Zu deutsch: Kannst Du wirklich ganz und gar nichts davon brauchen? Mich dünkt, es kamen doch eine Masse schöner Gebräuche darin vor, die es nicht verdienten, so ganz für die Hunde zu gehn. Wirklich, konntest Du nicht wenigstens einiges umarbeiten? Sag‘ es mir nur frei heraus, du weißt, ich hülle mich dann in meine Größe, und tröste mich mit deinem schlechten Geschmacke. … Ferner: Rüdiger… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking hat den Auftrag angenommen, für den - letztendlich nicht realisierten - Sammelband "Deutschland im 19. Jahrhundert" einen Aufsatz über Westfalen zu verfassen.
An: Joseph von Laßberg, aus: Rüschhaus
1837 18.März

Mein „St. Bernhard“ hat seltsame Schicksale! Sie wissen, dass ich von Eppishausen aus den Kölner Verleger gebeten hatte, mit der Herausgabe zu zögern, bis ich nach Bonn komme, weil ich noch einiges verändern wolle. In Bonn angekommen, finde ich denjenigen Professor, der sich mit der Besorgung der Sache beladen hatte, gänzlich zerfallen mit dem Verleger, der bis dahin auch der seinige gewesen war. Die guten Leute schrieben sich die furchtbarsten Injurien und werden wohl kaum auf dem Wege der Güte mehr auseinander zu bringen sein…. Weiterlesen »

An: Hildegund von Laßberg, aus: Abbenburg
1845 31.August

Mein liebstes Gundelchen, obwohl ich jetzt sehr wenig Zeit habe, muss ich Dir doch sagen, wie mich Deine lieben Briefchen gefreut haben. Du bist mein gutes, altes Gundelweible, was seine Tannette nicht vergißt, wenn sie auch eine Zeitlang von Meersburg fort ist. Aber Hildel vergißt mich auch nicht, das weiß ich wohl. Ich wollte, Ihr wärt jetzt beide bei mir in Abbenburg, da könntet Ihr recht Eure Freude haben an den vielen, vielen jungen Entchen, die hier auf dem Teiche herumschwimmen und so zahm sind, dass sie uns aus der Hand fressen, und an den ungeheuer vielen kleinen Schweinchen, die jetzt noch ganz niedlich sind und gar nicht schmutzig. Einige davon sind schneeweiß mit schwarzen Flecken, was ganz allerliebst aussieht; aber… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Nichten der Droste, die zwillingsschwestern Hildegunde (1836 bis 1909) und Hildegard (1836 bis 1914) von Laßberg, nannten ihre Tante gerne Tannette. Sie erben nach dem Tod ihrer Mutter Jenny 1859 das von der Droste in Meersburg ersteigerte Fürstenhäuschen.
An: Pauline von Droste, aus: Meersburg
1846 14.Oktober

Ich hätte Dir so gern unmittelbar nach meiner Ankunft geschrieben, aber die Nachwehen der Reise ließen sich doch spüren, wo dann eine Unfähigkeit, in gebückter Stellung zu verweilen, immer das erste ist, was sich bei mir einstellt. Jetzt bin ich jedoch ziemlich wieder auf dem Strumpf und kann Euch Lieben, von denen ich gewiss weiß, dass Ihr meinen Weg in Gedanken mitgemacht und mit Euern guten Wünschen begleitet habt, nunmehr Rechenschaft von meinem honetten Betragen in der wilden fremden Welt ablegen, sowie Kunde geben von den „ungeheuerlichen und abenteuerlichen Gefahren“, denen ich um so sicherer entgangen bin, da sie gar nicht den Mut gehabt haben sich zu zeigen. Es ist kein Dampfkessel zersprungen, weder Land- noch… Weiterlesen »

Hintergrund: Mirabile dictu - Es ist erstaunlich zu sagen.
Kondukteur: Schaffner
Omnibus: Langgezogene Kutsche, in der bis zu 16 Reisende sich gegenübersitzen können; den Namen erhält dieses um 1825 entstandene Transportmittel, weil es "allen" bestimmt ist.
Effekten: Gepäck mit Kleidung und Wertgegenständen
Ankunft in Meersburg: Im Gegensatz zu den Angaben Annettes notiert ihre Schwester Jenny in ihrem Tagebuch als Ankunftszeit 14 Uhr. Die hier beschriebene Fahrt ist in Bild und Ton hier nachzuerleben: Annettes letzte Reise
An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1842 29.September

Geschrieben hast Du nun zwar nicht, jedoch denke ich mir Dich wieder zu Hause und in einer Stimmung, wo das Andenken Deiner Freunde anfängt in Dir wieder aufzuleben; Du hast jetzt allerdings eine schwere Stellung, die alle Deine Zeit und Kräfte in Anspruch nimmt, aber doch mindestens eine unbehinderte, was weniger für Dich als für diejenigen, denen jetzt alle Deine Pflichten gehören, so viel wert ist, dass man kaum wagen darf über das Schicksal zu murren, auf welchem ergreifenden und traurigen Wege es dieses auch herbeigeführt hat. Dennoch traust Du mir wohl zu, dass mein erstes Gefühl aufrichtiger Kummer um einen Mann war, den ich so voll Lebenshoffnung verlassen hatte, und der sich mir immer geneigt und nach seiner Weise… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei Brustwassersucht sammelt sich als Folge von Herzfehlern oder Kreislaufstörungen Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand; sie kann zu schwerer Atemnot bis hin zum Tode führen - wie im Falle von Sibylle Mertens' Ehemann Louis.
Nach dessen Tod kommt es zwischen Sibylle und den Kindern zu einer Auseinandersetzung um das Erbe. Die Kinder zwingen ihre Mutter schließlich gerichtlich, ihr Vermögen zu veräußern, damit sie deren Erbteil auszahlen kann. Das Verfahren zieht sich über mehrere Jahre hin und hat zur Folge, dass Sibylle Mertens sich finanziell deutlich einschränken muss.
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