Routenplanung

Von Annette von Droste-Hülshoff
12. Januar 1837

Es ist also jetzt beschlossen, dass man mich bis Düsseldorf bringen will, d. h. zu Wagen bis Köln und dann gleich mit dem Dampfboot weiter. Dann müßten nun entweder die Pferde in Düsseldorf sein, oder, was vielleicht noch besser wäre, in Ruhrort, wo ich dann schon einige Stunden weiter wäre, auch in einer kleineren Stadt und einem kleineren Gasthofe, was wohlfeiler und angenehmer ist. Oder am allerbesten wäre es wohl, ich führ‘ bis Wesel; denn ich glaube nicht, dass die Pferde, wenn sie in zwei Tagesreisen von Münster bis Düsseldorf gingen, um 10 Uhr in Düsseldorf sein könnten, sie würden vielmehr den zweiten Tag erst nachmittags ankommen und müßten also einen ganzen halben Tag und eine Nacht im Wirtshause liegen. Zu Ruhrort würde es noch plus minus derselbe Fall sein, hingegen nach Wesel könnten die Pferde schon von Schermbeck gefahren sein und sich auch schon etwas ausgeruht haben, so dass ich gleich weiterfahren könnte. Was meinst Du dazu, liebe Mama?

Die paar Stunden, die ich von Düsseldorf bis Wesel vielleicht auf dem Dampfboote allein fahren müßte (ich sage vielleicht, denn im Grunde glaube ich nicht, dass man mich allein wird gehn lassen; ich habe nur noch von dem Plane bis Wesel zu fahren nichts gesagt), aber diese paar Stunden würden mir gar nichts machen, da ich ja auf demselben Dampfboote blieb, was ich in Köln bestiegen, und also, bis sich in Düsseldorf meine Begleitung von mir trennte, schon wieder irgendwelche ordentlich Damen gefunden haben, neben denen ich die paar Stunden still sitzen könnte. Nur wünschte ich dann sehr, dass der Kutscher sich bei Ankunft des Dampfboots am Landungsplatze vorfinden, mich zum Gasthof führen und auf meine Sachen ein wachsames Auge haben möchte. …

Aber notabene: Geld muss ich noch haben. Ich glaube, dass ich, so für mich allein, die Reise nicht unter 20 Taler machen kann, und der Weihnachten hat mich sehr geplündert, denn ich habe nicht weniger als 12 Personen müssen Geschenke machen …

Bonn, 12. Januar 1837

Hintergrund: Der Aufenthalt in Bonn vom 6. November 1836 bis 5. Februar 1837 ist eine Zwischenstation auf der Heimreise von Eppishausen nach Münster. Annette wohnt in Bonn bei Pauline von Droste-Hülshoff, trifft sich u.a. mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen und Adele Schopenhauer. Mit Mertens kommt es zu einem neuerlichen Streit, als diese die Gedichte der Droste für nicht druckreif erklärt.
Die Pläne, ein Buch beim Verlag DuMont Schauberg zu veröffentlichen, stehen in Frage. Über Köln, Wesel und Schermbeck reist die Droste mitsamt ihrem Manuskript zurück nach Münster, wo sie am 10. Februar 1837 ankommt.