Wie sind Sie mit ihr bekannt geworden?

Von Annette von Droste-Hülshoff
27. Dezember 1842

Jetzt habe ich Ihnen soviel vorgeklatscht, lieber Levin, dass mir kaum Raum zu viel Lieberem und Nötigerem bleibt. Vorerst: Wollen Sie nicht mal einen kleinen offnen Zettel an Elise einlegen? Einen Brief erwartet sie nicht, und wünscht ihn wohl kaum, da die Korrespondenz, wie Sie selbst fühlen, vorläufig noch etwas Peinliches haben würde, und sie durch meine Briefe viel ungenierter au courant ihrer Lage bleibt, aber dieses wäre doch eine Freundlichkeit. Zwingen sollen Sie sich indessen nicht, beengt es Sie, so lassen Sie es.

Dann eine Bitte, mein Kind, Du hast Deinen Brief zerissen, um mir das Herz nicht schwer zu machen, meinst Du, dass mir etwas schwerer auf dem Herzen liegen könnte wie die Angst ohne bestimmten Gegenstand, wenn Du mir nicht offen mehr schreibst? Ein Glück magst Du allenfalls für Dich behalten, aber Deine Prüfungen will ich teilen und mittragen, wie es einer ehrlichen Mutter zukömmt …

Von der Gall habe ich nichts gelesen; schreibt sie gut? Auch hübsche Briefe? Und ist’s dieselbe Dame, von der Ihnen Freiligrath mal schrieb? Schreiben Sie doch etwas Genaueres über sie; wie sind Sie mit ihr bekannt geworden?

Mehr über die Adressatin/den Adressaten: Levin Schücking
Hintergrund: Levin Schücking und die Schriftstellerin Luise von Gall lernen sich im Sommer 1842 kennen - zunächst brieflich. Ferdinand Freiligrath hat den Kontakt hergestellt. Schücking und Gall schreiben sich mehrere Monate lang und verloben sich noch vor der ersten persönlichen Begegnung. Zu einem Treffen kommt es erstmals am 30. Mai 1843 in Darmstadt. Gegenüber der Droste erwähnt Schücking seine neue Bekanntschaft im November 1842 zum ersten Mal.