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Geschichten für Ludowine

(Entwurf)

Es war mal eine alte Hexe, die hatte eine junge Dienstmagd, der wollte sie auch gern das Hexen beybringen, damit sie ihr könnte zuweilen behülflich sein, weil aber das Mädchen so fromm und unschuldig war, scheute sie sich vor ihr, und konnte nimmer zu dem Anträge kommen, Einst bekam die Hexe Besuch von ihrer Schwester, so auch eine Hexe aber viel frecher war, der klagte sie ihre Scheu wegen des Mädchens, die Schwester aber verlachte sie, und sagte, sie möge ihr die Magd nur einmahl recht früh schicken, sie wolle schon damit fertig werden,

Am andern Morgen, wie es noch finster ist, weckt die Hexe die Magd, sie solle aufstehn, und zu ihrer Schwester gehn Milch holen, die Ihrige sei all, das Mädchen läuft hinaus, bleibt aber beym Brunnen stehen, und wäscht sich das Gesicht, wie sie nun zu der andern Hexe kömmt, kann diese ihr nichts anhaben, weil sie gewaschen ist, schickt sie also mit Milch zurück, kömmt drauf selbst zu ihrer Schwester, und sagt ihr den Grund warum es fehlgeschlagen, nach einiger Zeit schickt die Hexe wieder das Mädchen zur Schwester, sie möge Feuer holen, das Ihrige sei verloren, und wie die Magd am Brunnen stehn bleibt, und einen Eimer mit Wasser langt, kommt die Hexe heraus, und schilt gewaltig über ihr Zaudern, das Mädchen ist darüber so verwirrt geworden, daß sie vor großer Eil unter Weges fällt, mit dem Gesichte in den Tau, wie sie nun aufsteht und es abwischt, war sie doch gewaschen, und konnte ihr die Hexe wieder nichts anhaben, —

Zum drittenmahl, wie sie dorthin geschickt wird, pflückt sie im Gehen ein Kraut, das heißt Dorant, da war sie wieder gesichert, aber die Hexen waren unermüdlich, und wie sie zum viertenmal hin muß, als solle sie der Schwester backen helfen, bekömmt diese Gewalt über sie, nimmt sie mit in den Keller, verschließt ihn, und nun zwingt sie das Mädchen, daß sie muß allerhand Teufelskünste lernen und versuchen, kaum ist sie aber wieder frei, so läuft sie zum Pfarrer, und offenbart ihm die ganze Geschichte, die beiden Hexen werden eingefangen und verbrannt, wegen des Mädchens aber war man lange zweifelhaft, weil sie so unschuldig dazu gekommen, da sie aber selbst klagte wie der Teufel ihr hart zusetzte, die gelernten Stücke zu brauchen, sie auch eher nicht mehr beten könne, und selbst wünschte, zur möglichen Sühnung ihrer Sünden zu sterben, beschloss man sie zu töten, nur solle sie sich selbst die Todesart wählen, sie wünschte, daß ihr die Adern geöffnet würden, was auch geschah, und sie starb, konnte aber nicht beten, bis an ihr Ende, obschon sie willig und fest im Gemüthe war, sie ließ sich vor ihrem Tode vom Pfarrer versprechen, daß er sie noch sechs Wochen in der Seelmesse citiren wolle, um zu sehn, ob sie Gnade gefunden, wie dieses nun geschah, erschien sie wie ein dicker grauer Rauch, und sagte aus, sie leide große Peinen, könne aber wegen ihres letzten guten Willens erlöst werden, wenn ein Priester sieben Jahre hindurch Tag und Nacht vor dem Altar bete, auch nichts genösse, als an jedem Morgen, das Sakrament in der Messe, da blieb der Pfarrer gleich am Altäre, und wie die Kirchleute hinaus und er allein in der Kirche war, kam hinter dem Altäre hervor, eine graue Henne mit sieben Küchlein, die lief dreimahl um denselben; und verschwand, wie nun ein Jahr herum war, erschien sie wieder um dieselbe Stunde mit sechs Küchlein, und so jedes Jahr mit einem minder, bis sie nach Verlauf der sieben Jahre allein erschien, dreymahl um den Altar lief, sich dann erhob, und als eine weiße Taube verschwand, da war der Pfarrer froh, und ging vom Altäre fort, wie er aber in die Mitte der Kirche kam, fiel er vor Mattigkeit hin und war tot.

Rätsel und Sprichworte

  • Wer hat geschrien, daß es alle Menschen hörten? — Der Esel in der Arche Noa
  • Wann ist der Mann Herr im Hause? — Wenn die Frau nicht heim ist
  • Welches ist das teuerste Wasser? — Was der Wirt unter den Wein schüttet
  • Wo kommen alle Röcke zusammen? — in der Not
  • Warum haben die Weiber keinen Bart? — Weil sie nicht so lange schweigen können als man sie rasiert
  • Warum nistet der Storch nicht auf der Mühle? — Weil er denkt, der 35 Müller werde ihm die Eier stehlen
  • Welcher ist der beste Fisch? – Den man in der Schüssel hat
  • Wann sind die kleinen Fische am besten? — Wenn man keine größeren hat
  • Wie kannst du machen, daß die Mäuse dein Korn nicht fressen? – Schenke es Ihnen, so fressen sie ihr Eigenes
  • Warum gibt man große Ämter an Unwürdige? — Weil man billiger die schweren Lasten auf Esel als auf Menschen legt
  • Welcher ist der stärkste Buchstabe? — E., denn er hält zwei Menschen ihr Leben lang zusammen,
  • Was geht übers Wasser und wird nicht nass? – Die Sonne.
  • Was ist das beste am Bier? — daß es nicht im Halse stecken bleibt, sonst müsste man ersticken,
  • In welcher Stadt sterben die meisten Leute? — In der Bettstatt.
  • Was ist mitten im Rosenkranz? – Die Schnur.
  • Wer sieht mehr der ein oder der zwei Augen hat? — Der eins hat, denn er sieht zwei Augen an den andern, sie aber nur eins an Ihm
  • Wo trägt man die Schweine auf den Händen? — Im Kartenspiel.
  • Wenn zwölf Vögel auf einem Baume sitzen, und man schießt drei herunter, wieviel bleiben sitzen? — Keiner, sie fliegen alle fort
  • Wieviel müsste man Körbe haben, wenn man den Blocksberg abtragen wollte? – Wenn Einer so groß wäre, daß der halbe Berg hinein ging, so bräuchte man nur zwei
  • Wie kannst du machen daß Fische außer dem Wasser von ein Jahr zum andern lebendig bleiben? – Nimm sie in der Silvesternacht einige Sekunden vor zwölf aus dem Wasser.
  • Welches ist das getreueste Tier? — Eine Laus, sie läßt sich mit einem henken.
  • Was sieht hinten aus wie vorn? — Eine Bratwurst
  • Warum bedeutet es Unglück, wenn einem ein Hase über den Weg läuft — Weil es besser wär, man hätte ihn in der Schüssel
  • Wann erschrecken die Hunde am meisten? — Am Freitag nach Ostern, dann meinen sie die Fasten gingen wieder an
  • Wie kann man ein Stück Brot unter eine Suppenschüssel legen, es dann hervor langen und aufessen, daß doch dasselbe Brot wieder unter der Schüssel liegt? — Man muß die Schüssel auf den Kopf setzen.
  • Wo kucken die Stockfische aus dem Wasser? — Wo du hinein siehst.


Vor etwa hundert Jahren war ein adliges Fräulein im Oberlande einem sehr schönen Offizier verlobt, wie nun bald die Hochzeit sein sollte, mußte er ins Feld, wo er in einer Schlacht blieb, das Fräulein war darüber so außer sich, daß sie in der Verzweiflung Gott lästerte, da kam in der Nacht der Teufel zu ihr, in der Gestalt ihres Liebsten, und forderte sie auf zu einem Bunde um ihre Seele, dann wolle er auch, so lange sie lebe, immer in dieser Gestalt um sie sein, und ihr außerdem allerhand Zauberkräfte verleihn, sie ging es ein, und der Teufel blieb bey ihr, doch ohne grade unsichtbar zu sein, dennoch geheim, daß es niemand wusste.

Über eine Zeit, riet er ihr ins Kloster zu gehn, was sie auch tat, da nun, während sie sich mit ihrem Liebsten in ihrer Zelle verschloss, ihre Truggestalt betend in der Kirche lag, kam sie zu dem Rufe einer großen Frömmigkeit, und ward bald darauf, Aebtissin, —

Von der Zeit an, gab es wunderbare Dinge im Kloster, vorzüglich wurden von Zeit zu Zeit, einzelne Nonnen von langwierigen und seltsamen Krankheiten befallen, und da sie natürlich Macht über diese Krankheiten hatte, und sie durch scheinbare Fürbitten konnte aufhörn heißen, wuchs ihr heiliger Ruf immer mehr und mehr. —

Den ersten Argwohn brachten einige adlige Kinder auf sie, die oft zum Besuch ins Kloster kamen, wo dann die Aebtissin, die Kinder liebte, so oft sie mit ihnen allein war, ihnen allerhand zauberisches Spielwerk machte, diese erzählten dieses weiter, obgleich sie es Ihnen scharf untersagt hatte, vor allem, hatte die Aebtissin die Kinder häufig gefragt, „ob sie Ihnen mal Mäuschen machen solle?“ wo denn sogleich der Tisch von sehr kleinen und zahmen Mäusen gewimmelt habe, doch waren die Kinder noch zu jung, als daß man viel auf ihre Reden hätte geben sollen, als aber einstmals eine junge Nonne über Tag in die Kirche gehn wollte, und an der Zelle der Aebtissin vorüber ging, hörte sie die Aebtissin mit einer männlichen Stimme leise flüstern, sie ward neugierig und sah durchs Schlüsselloch, wo sie die Aebtissin im vertraulichen Kosen mit einem Offizier erblickte, wie sie nun danach in die Kirche ging, und die Gestalt derselben betend vor dem Altare fand, ward sie ohnmächtig vor Entsetzen, und gab nachher die ganze Sache an, man nahm die Aebtissin bey Nacht in ihrem Bette gefangen, sie war sehr frech, und bereit mitzugehn, man möge ihr nur ihren Rock reichen, so wolle sie aufstehn, Einer der Umstehenden warf ihr einen grade ihm zu Händen kommenden Rock zu, den sie verweigerte, und einen andern bestimmten forderte, man ward aufmerksam, und sie erhielt ihn nicht, trotz allerhand listigen Vorwänden, auch noch im Kerker suchte sie durch allerhand List dazu zu gelangen, doch umsonst, — So daß sie endlich den Mut verlor, und kurz vor ihrer Hinrichtung gestand, sofern sie den Rock erhalten, sei keine Macht auf Erden stark genug gewesen, sie zu halten, und dieses sei ein großer Teil ihres Bundes, sie ward endlich verbrannt, nachdem sie noch vieles bekannt. —

Bei der Stadt Bekum im Münsterlande steht eine alte Warte, drin ist ein Teufel gebannt, der in der Nacht oft erbärmlich heult, eines Abends ist ein Bürger der Stadt Bekum neben die Warte gesessen, da hat der Teufel plötzlich aus einem Fenster derselben geschaut, ohne Hörner, aber mit einem sehr langen Bart, wie der Bürger nun vor Angst ganz still zusammen kauert, kömmt ein zweiter Teufel, kohlschwarz, aber in weißes Leinen gekleidet, mit weißer Mütze und Schürze, ganz wie ein Koch, und überher mit Tiegeln, Töpfen, und Kochlöffeln behängt, den fragt der Teufel im Turm, „Sind se ferr“? (fern) der Andre Antwortet „lot se so ferr syn, esse se wilt, ick will doch wull kocken, wat se fretten sollt“ darauf ist er schnell weiter gegangen, der im Turm hat erbärmlich gewinselt, und ist in das Fenster gestiegen, um den Andern nachzufliegen, so oft er sich aber hinaus gebeugt hat, ist er mit einem elenden winslichten Gebrüll zurück gewankt, und wie nun der Bürger in seiner Not endlich ein Herz fasst, von dem Turme wegrennt, und der Teufel ihn sieht, hat er ein Rad über sich geschlagen, in den Turm hinein, der Bürger aber ist zwar sehr erschreckt doch sonst glücklich zu Hause gekommen.


Liebe Ludowine, sei nicht böse, daß ich nicht mehr schicke, die Geschichten, die ich mir in Bökendorf erzählen ließ, habe ich seitdem so gänzlich vergessen, daß die Erste auf diesen Blättern die Einzige ist, die ich mit großer Mühe zusammengebracht habe, du mußt dich deshalb an Therese und Minchen von Apenburg halten, von denen hatte ich sie alle, – Wegen der Schlachtschweedirs wollte mir Papa keine Auskunft geben, und auch nicht zugeben, daß ich das Fragment schickte, weil der Gegenstand interessant und noch mancherlei ausführliche Nachrichten darüber in Münster aufzufinden wären, ich will mir alle Mühe geben, und dir dann auch zugleich die alten Nationaltänze schicken, es ist nicht schwer sie zu bekommen, aber nur nicht so den Augenblick, und ich will gern gestehn, daß mir mein ganzes Versprechen aus dem Sinn gekommen, bis du mich durch Tony daran erinnertest, und mir ist nur wenig möglich, vorzüglich, da es so schlechtes Wetter ist, und ich also nicht zu den Bauernhäusern gehn kann.

Genaue Datierung unbekannt, wahrscheinlich Herbst 1821