1821 7.Oktober
O Gott, ich kann nicht bergen
Wie angst mir vor den Schergen
Die du vielleicht gesandt
In Krankheit oder Grämen
Die Sinne mir zu nehmen
Zu töten den Verstand.

Es ist mir oft zu Sinnen
Als wolle schon beginnen
Dein schweres Strafgericht
Als dämmre eine Wolke
Doch unbewusst dem Volke
Um meines Geistes Licht.

Aus: „Am Gründonnerstage“
Teil des Gedichtzyklus „Das Geistliche Jahr“

Ich schreibe jetzt zuweilen an der Ledwina, die gut werden wird, aber so düster, dass mich zuweilen das Abschreiben daran jedesmal sehr angreift; starkes Arbeiten ist mir überhaupt sonst sehr erleichternd. Nach der Stimmung der geistlichen Lieder darfst Du meine jetzige nicht beurteilen, die gottlob viel anders und heller ist; vorzüglich ist das Lied am Gründonnerstage zu einer Zeit, wo sehr heftige Kopfschmerzen mir zuweilen eine solche Dumpfheit zuzogen, dass ich keine Geisteskräfte der Zerrüttung nahe glaubte, unter den schrecklichen Gefühlen geschrieben; jetzt bin ich überzeugt, dass ich nichts dergleichen zu befürchten habe.

Hülshoff, Herbst 1821

Hintergrund: Die Erzählung "Ledwina" ist Fragment geblieben.