Sechs Wochen im Brunnen

Von Annette von Droste-Hülshoff
15. Februar 1843

… ich bin wirklich sechs Wochen lang wieder recht miserabel daran gewesen, habe mich halbtot gehustet, mitunter Fieber gehabt und sogar die Leute dahin erschreckt, dass sie einige Nächte bei mir gewacht haben. Unerwartet kam mir das freilich nicht, da ich wohl weiß, dass man einen kurzen Aufenthalt in besserem Klima immer schwer nachbezahlen muss, aber doch sehr unbequem. Jetzt ists um vieles besser, ich bin von Herzen wieder gesund, und der Husten läßt auch nach.

Die Fatalität kam recht mal à propos mitten in der Arbeit, und ich habe sechs Wochen meines Lebens gleichsam in den Brunnen werfen müssen. Vielleicht ist’s gut; denn ich fand des Dichtens und Korrigierens gar kein Ende, sehe jetzt aber wohl ein, dass ich mit dem Vorhandenen vorläufig zufrieden sein und nur rasch die Vollendung der Abschrift besorgen muss, ein Entschluß, zu dem ich sonst wohl nicht so bald gekommen wäre.

Mehr über die Adressatin/den Adressaten: Levin Schücking