Schlagwort: Freundinnen

Sehnsucht nach dem alten Ding

Von Annette von Droste-Hülshoff
11. November 1845

Daß ich etwas krank und furchtbar apprehensiv gewesen bin, werden Sie schon durch Nanny und Luischen wissen; doch das ist jetzt vorüber, und ich will das gute Papier nicht mit all den Übeln, die ich hätte haben können und gottlob nicht gehabt habe, verderben, sondern Ihnen lieber danken, so gut ich kann, aber lange nicht so gut ich möchte, für die Treue, mit der mein altes liebes Lies mir seine Brieftäubchen zuflattern läßt. Altes Ding! Wie sie so brav ist, und wie lieb ich sie… Weiterlesen »

Meine eigentliche Liebhaberei

Von Annette von Droste-Hülshoff
27. Oktober 1845

Ich werde diesen Winter sehr einsam verleben. In meinem Alter nimmt die Lust, neue Bekanntschaften zu machen (und Du weißt, diese war bei mir nie groß), gewaltig ab, und mein früherer Zirkel ist gänzlich aufgelöst, auseinander gestäubt wie ein Haufen Flaumfedern. Die gute Rüdiger war mir noch zuletzt geblieben, ist aber seit vierzehn Tagen auch fort, nach Minden, wohin ihr Mann mit gleichem Range, aber einer Gehaltsverbesserung versetzt ist. Die Einsamkeit wird mich nun zwar eben nicht… Weiterlesen »

Gegensätze

Von Annette von Droste-Hülshoff
6. Juli 1845

In Bökendorf ist es krimmelvoll bis unters Dach ein halbes Dutzend Tanten und Nichten mit ihren Familien dort – wenn ich, so etwa um den dritten Tag, auf eine Stunde hingehe, um meine Aufwartung zu machen, komme ich halb taub und ganz duselig zurück. Hierhin kommen sie nicht oft, weil es den Onkel angreift, so sehe ich Malchen auch selten, und wir haben gar wenig von unserm Widersehn nach sechs Jahren – das arme Herz ist noch sehr herunter von ihrem Schrecken und Kummer, aber ihr tut das… Weiterlesen »

Einfältiges Abendrot

Von Annette von Droste-Hülshoff
17. Juni 1845

So eben erhalte ich Ihren Brief, da nicht früher Gelegenheit von hier nach Brakel war, und nun bin ich ganz desperat. Mein Gott, was soll ich anfangen, wenn Sie fortgehn! Sie sind mir nun so lange alles in einer gewesen, und ich kann mir gar keinen möglichen Ersatz denken, mag mir auch keinen denken, und will nur in Gottes Namen unter die Eremiten gehn, wenn Sie wirklich fort müssen. Es ist um allen Mut zu nehmen! Aber sollte es nicht noch einmal ein Schreckschuß sein, wie so manche… Weiterlesen »