1826 18.September

Die Spiegel und Mamas schönes Bild erhältst Du durch Überbringer dieses, und heute nachmittag kömmt noch zweimal Gelegenheit, erstlich Klemens, der einen Hasen und ein Huhn bringt und der zugleich Deine kleine Uhr trägt, und endlich ein Wagen, der alles übrige bringt, was noch hier ist. Nur mit einigen Punkten steht es schlimm. Erstlich die Stangen vom Wilkingheger Bett. Davon wußte wenigstens gestern noch niemand recht Bescheid, was aus ihnen geworden. Wenn sie also um das Fremdenbett vielleicht gehören, so rat‘ ich Dir, vorläufig Deine oder meine zu nehmen, denn ich kann Dir nicht dafür stehn, ob sie sich gegen dieses Nachmittag oder überhaupt finden.

Ferner will Jennchen durchaus keine Gemüsekörbe abgeben; sie behauptet, dass kein einziger da wär‘, der nicht schon immer dagewesen, und diese wären obendrein alle entzwei, so dass sie selber neue nötig hätten; die Wilkingheger Körber müßten, wenn sie nicht in Rüschhaus wären, alle wieder mit Koppenraths Sachen nach Wilkinghege gekommen sein, und da würden sie ja wohl zurückgeschickt werden. ich glaube, dass es am besten ist, dass wir uns selber welche kaufen. Wenn Du aber durchaus Dir nicht zu helfen weißt, so schreib es mir, so soll doch einer auf dem wagen mitkommen, den sie uns vorläufig wenigstens leihen. Trutchens Bügelbrett kömmt mit, obschon Drückchen sich anfangs sehr dagegen setzte, weil das Wilkingheger nach Rüschhaus gekommen wär‘; ich sagte aber, Trutchen wolle gern ihr eigenes haben, damit sei sie es besser gewohnt. Du musst nun aber ja dafür sorgen, dass das andere wieder mit zurückkömmt, sonst glaube ich wahrhaftig, sie ist kapabel, mir gleich etwas ganz Unnötiges zu waschen, damit sie mir kann davonlaufen kommen und klagen, sie hätte kein Bügelbrett.

Hülshoff, September (?) 1826

Hintergrund: Am 25. Juli 1826 stirbt unerwartet der Vater Clemens-August von Droste-Hülshoff. Der älteste Sohn Werner, der mit seiner Frau auf Gut Wilkinghege lebt, übernimmt als Alleinerbe Burg Hülshoff. Therese von Droste siedelt mit ihren beiden Töchtern Annette und Jenny in den wenige Kilometer entfernten Witwensitz Rüschhaus über. Der Umzug scheint nicht ohne Auseinandersetzungen um den Hausrat abgelaufen zu sein.

1 Anmerkung

  • # Levin Schücking:
    Levin Schücking

    Ein großes, altmodisches, mit schwarzer Serge überzogenes Kanapee, ein braun angestrichener Tisch, ein Paar Rohrstühle und ein altes Klavier … bildeten die Einrichtung; es konnte nichts geben, was mehr geeignet war, die allereinfachsten Lebensgewohnheiten anzudeuten.
    <b<Aus: Annette von Droste. Ein Lebensbild, 1862