Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1844 12.Dezember

Mit der Rezension bin ich sehr zufrieden; mehr wie zufrieden; überrascht und geblendet, da ich sie, nach den vorläufigen Andeutungen meiner Mutter, für beinahe schlimm halten musste. Was kann ich mehr erwarten! Das Lob schwimmt ja durchaus oben, und der wenige saure Bodensatz ist ja so milde eingeschmuggelt, dass ich immer denken, Zedlitzens Bekanntschaft mit Schückings hat auch eben nicht geschadet. Die Proben sind zwar allerdings weder glücklich gewählt noch glücklich ans Licht gebracht. In der ersten („An die Schriftstellerinnen“) fehlt einmal (4te Strophe) eine ganze Zeile, und zuletzt wird die „Gattin“ einer sehr wunderliche „Göttin“. Aber das ist ein Malheur und keine Schuld. Über Freiligrath geht’s arg her, zwar… Weiterlesen »

Hintergrund: Die erwähnte Rezension von Joseph Christian von Zedlitz ist am 26. November 1844 in der Allgemeinen Zeitung Augsburg erschienen, bei der Zedlitz als Korrespondent tätig ist. „Schückings Verteidigungsrede“ - eine Rezension über Freiligrath – ist in derselben Ausgabe der Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.
An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1838 11.November

Johannes Stapel war auch hier … übrigens verbauert er immer mehr, und nahm sich, aufrichtig gesagt, mitunter etwas kläglich aus, einmahl war in Abbenburg ein Disput über Goethe, zwischen Onkel Fritz, unserm Werner, Galen, und Hassenpflug, Johannes hatte immer schweigend zugehört, auf einmal sagt er ganz laut „Mit Erlaubnis! ist der Goethe nicht ein Schweinickel?“ Alle sperrten Nase und Mund auf, und ich sagte „er hat freilich Manches geschrieben, was für ganz junge Leute nicht passt“. Er stand auf, sagte „nun weiß ich genug, wenn er ein Schweinickel ist!“, und ging triumphierend den Laubgang hinauf. Keiner machte Bemerkung hierüber, aber es wurde Allen schwer das Lachen zu lassen. Bökendorf, 1. August… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1841 14.Dezember

Meine Mutter hatte bei unserer Abreise ein Unwohlsein, Schwindel, plötzliche Übelkeiten, die mich doch sehr besorgt machten, so dass ich nur sehr ungern und halb gezwungen ging. Seitdem war die letzte Nachricht von Haus der plötzliche Tod unrer Anna (meines Bruders Töchterchen), und auf diesen Schrecken nun seit anderthalb Monaten keine Zeile! Sie können sich meine Angst nicht denken. Ich stand morgens im Finstern auf und wartete stundenlang an der Treppe auf den Postboten, damit man mir keinen Brief mit übeln Nachrichten unterschlagen könne, und ich glaube, wenn es länger gewährt hätte, wäre ich krank oder verrückt geworden. Gottlob! Der Brief ist da und alles gut. … Übrigens geht es Sch sehr gut. Er ißt, was ihm… Weiterlesen »

An: Joseph von Laßberg, aus: Rüschhaus
1832 8.Januar

1. Wie ist die Kleidung in den ersten Sardinischen Flecken? der Stoff, die gewönlichste Farbe, der Schnitt jedes Kleidungsstücks? im Hause sowohl als im Puze? Schmuck, Halsband, Armringe. Besonders die Kleidung der Männer. 2. Ist das Klima schon gleichbedeutend anders als diesseits der Alpen, macht die Luft einen andern Eindruck? Was für andre Pflanzen sind da? Mehr oder weniger Gewitter, Regen? Kommen Ende Febr. schon Gras und Blumen hervor? 3. Welchen Charakter hat die Fassnacht dort auf dem Lande? Schon einen italienischen? Maskiert man sich? Erinnert etwas an die italienischen Volksmasken? Feiert man die Fassnacht mit Tanzen, Herumschwärmen, öffentlichen Spielen und Übungen? 4. Gibt es vielleicht ein anderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Joseph von Laßberg war ursprünglich ein Freund von Annettes und Jennys Onkel Werner von Haxthausen - die beiden haben sich 1814/15 auf dem Weiner Kongress kennengelernt. Auf dem Rückweg von einer Italienreise machen die Haxthausens 1831 in Konstanz Station; Jenny reist ihnen dorthin entgegen und lernt bei dieser Gelegenheit Joseph von Laßberg kennen, der im nahen Eppishausen lebt. Am 3. Oktober 1831, auf einem gemeinsamen Ausflug zum Rigi, soll der um 25 Jahre ältere Laßberg Jenny seine Liebe erklärt haben.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 13.November

In meinem Weinberge hat es heuer wenige und essigsaure Trauben gegeben. Alles verregnet! Doch elf Ohm Wein gemacht, gleich von der Kelter den Ohm zu 17 Gulden verkauft und somit, nach Abzug aller Kosten des Jahres, doch noch gegen sechzig Taler reinen Überschuß. Immerhin noch ein schöner Zins von 400 RT.! Und zwar in einem völligen Mißjahr. Ein gutes oder nur leidliches habe ich noch nicht gehabt. Das vorige war bekanntlich auch sehr schlecht, aber doch besser und hat mir 95 RT. reinen Ertrag gebracht. Wenn das am dürren Holze geschieht, so sind mir wirklich einige sanguinische Hoffnungen auf das grüne wohl zu verzeihen. Zwar habe ich eigentlich nichts davon, da ich, etwas voreilig generös, mich sogleich aller Vorteile… Weiterlesen »

Hintergrund: Das Fürstenhäuschen fällt nach Annettes Tod zunächst an ihre Schwester Jenny, die es wiederum ihren Töchtern - den im Brief erwähnten Zwillingsmädchen - vererbt. 1918 kauft ein Nachfahr von Annettes Bruder Werner das Häuschen aus dem Nachlass Hildegard von Laßbergs - Carl von Droste-Hülshoff. Er lebt darin bis zu seinem Tode 1922 und gründet das Droste-Museum, das heute in den Räumlichkeiten zuhause ist.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

O mein Sprickmann, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ihnen nicht lächerlich zu erscheinen, denn lächerlich ist das, was ich Ihnen sagen will, wirklich, darüber kann ich mich selber nicht täuschen. Ich muss mich einer dummen und seltsamen Schwäche vor Ihnen anklagen, die mir wirklich manche Stunde verbittert; aber lachen Sie nicht, ich bitte Sie noch einmal, mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen, er heißt „Sehnsucht in die Ferne“; nein, nein, Sprickmann, es ist wahrhaftig kein Spaß. Sie wissen, dass ich eigentlich keine Törin bin; ich habe mein wunderliches, verrücktes Unglück nicht aus Büchern und Romanen geholt, wie ein jeder glauben würde. Aber niemand weiß es, Sie wissen es ganz allein,… Weiterlesen »

Hintergrund: Otaheite lautet der ursprüngliche Name von Tahiti.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Abbenburg
1838 19.Juli

Mit der äußeren Ausstattung des St. Bernhard bin ich sehr zufrieden, sie ist in der Tat sehr anständig, einen einzigen Druckfehler habe ich gefunden, der aber den Sinn nicht entstellt und mir somit keinen Kummer macht. Er kömmt vor bei der Szene im Grabgewölbe: „So liegen Sie, und keine Träne Rann auf die bleiche Wange noch“, statt dessen steht „Kam auf die bleiche Wange noch“. Dies macht einigermaßen den Eindruck, als erwarte man, dass die Leichen weinen sollten, dahingegen das rann das Hinabträufeln fremder Tränen deutlicher bezeichnet; doch das macht wenig und ist ohne Zweifel meine undeutliche Schrift schuld daran. Was mich mehr betrübt, ist, dass ich jetzt überzeugt bin, zuviel gestrichen zu haben, geschrieben sieht… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 14.Dezember

Nun noch ein Wort von meinen Gedichten. Die Abschrift ist fast fertig, aber Sie, mein armes gutes Kind, sollen sich damit nicht plagen; Sie haben jetzt eine immer wachsende Haushaltung in Aussicht, müssen zu diesem Zweck Ihre eignen und Ihrer lieben Frau Schriften zu poussieren suchen, ohne sich Ihrem Verleger durch Protektion Fremder, deren Erfolg noch sehr zweifelhaft ist, unangenehm zu machen. Ich habe dies längst gedacht und muss mich schämen, dass Laßberg es mir zuerst hat deutlich aussprechen müssen, der sich dann auch erboten hat, sobald alles fix und fertig, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln. So ist’s am besten, und ich bitte Sie nur, mir zu sagen, was ich nach Hauffs Äußerungen etwa von Cotta zu erwarten hätte. Sie… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 2.Januar

Viel Glück zum neuen Jahre, mein altes Lies! Das vergangene ist nicht eben zu loben, Ihnen hat es viele äußere und innere Stürme gebracht, mir eine lange Krankheit und doch auch manche Erschütterung, und so steht’s mit fast allen, die uns nahe sind. Möge das begonnene friedlicher sein! Und um ihm den möglichst vorteilhaften Anstoß zu geben, fange ich es mit einem Briefe an diejenige an, von deren Liebe ich seine besten und innigsten Momente erwarte. Nicht wahr, mein Lies? Treu bei Sonnenschein und Schnee, in guten und bösen Tagen? In Leiden uns auf den andern gestützt, die Freuden doppelt genossen, und wenn’s uns beiden schlecht gehn sollte, doch wenigstens noch einander gehabt! So wär‘ es doch ein Wunder, wenn zwei so zähe… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Lorgnette, die Sehhilfe der Droste, ist erhalten und heute in Privatbesitz. Mit gebundnem und ungebundnem Stil sind Lyrik und Prosa gemeint. Bei der erwähnten Rezension handelt es sich um eine Besprechung, die Elise Rüdiger über „Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1844“ in der Kölnischen Zeitung veröffentlicht hat. Der Wunsch danach war vom Verleger Friedrich Brockhaus über Schücking an Rüdiger herangetragen worden.
Mit dem Plan an ein Westfalen-Werk Bei uns zu Lande auf dem Lande trägt sich die Droste schon seit 1838, tut sich aber mit der Umsetzung schwer.
Der Brauch des Neujahrs-Abgewinnens lässt jenen gewinnen, der bei einer Begegnung dem anderen zuerst ein gutes neues Jahr wünscht.
Scilla und Charibdis bezieht sich auf die griechische Mythologie und steht für eine fast unmöglich zu bewältigende Aufgabe – wie jene, den Weg zwischen dem Ungeheuer Scilla und dem Strudel Charibdis zu finden.