Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Meine Gedichte werden denn doch gegen Ostern erscheinen können. Bis vor kurzem habe ich wenig daran getan, aber seit es draußen kalt und kotig geworden ist, habe ich mich in meine Winterpoesie gehüllt; es ist doch sonderbar, dass zum Dichten eigentlich schlechtes Wetter gehört, ein neuer Beweis, dass nur die Sehnsucht poetisch ist und nicht der Besitz. Säß mein liebstes Kind mir noch gegenüber, ich würde wieder zwei Gedichte täglich machen; jetzt lasse ich es langsamer angehn, aber es giebt doch was, und ich bin neugierig auf Ihr Urteil über das Spätere. N B. Velhagen scheint doch an dem Verlage meiner Gedichte etwas gelegen; die Rüdiger sagt, dass er Nanny Scheibler angegangen, ihm denselben zu verschaffen; dies zur… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 30.November

Nun in Eil zwei Zeilen Antwort auf Ihren Brief, der mich natürlich aufs unangenehmste überraschen musste. Ich habe ihn gestern abend erhalten, heute früh meinen Bruder herüber bitten lassen und schicke Ihnen jetzt statt aller Auseinandersetzung die Kopie des Briefs, den derselbe soeben beendet und an Herrn Hüffer geschickt hat; wollen Sie dieselbe gefälligst vorläufig der Cottaischen Buchhandlung mitteilen, so wird die Sache dadurch ohne weitere Weitläufigkeiten erklärt und zugleich die Buchhandlung aller Sorge enthoben werden. Ich bitte, dass Sie derselben mein Bedauern über einen Vorfall ausdrücken wollen, der durch meinen Mangel an Geschäftskenntnis herbei geführt worden ist. Übrigens muss ich auch so anständiges Lehrgeld… Weiterlesen »

Hintergrund: In der zweiten Gedichtausgabe, die 1844 bei Cotta erscheint, sind viele Gedichte erneut abgedruckt, die bereits im ersten Band von 1838 veröffentlicht waren. Weil die Auflage von 1838 noch nicht annähernd verkauft ist, stellt deren Verleger Johann Hermann Hüffer Forderungen an den Cotta-Verlag. Er beruft sich dabei auf das Preußische Landrecht, nach dem einem Verleger bei einer Zweitauflage der volle Preis für jedes nicht verkaufte Exemplar der Erstauflage zusteht. Von den 400 gedruckten Exemplaren des ersten Gedichtbandes sollen, entgegen früherer anderer Angaben von Hüffers Verlag, nur 74 verkauft worden sein. In die Auseinandersetzung schaltet sich Annettes Bruder Werner ein und erzielt mit Hüffer eine Einigung: Die Familie Droste kauft vermutlich 172 Buchexemplare der ersten Gedichtausgabe für 64 Reichstaler auf.
Die erwähnte unentgeltliche Mitarbeit bei der Kölner Zeitung soll der Schriftstellerin Elise von Hohenhausen zugute kommen, deren Erzählung „Die Gattin“ im Gegenzug im April 1845 in dem Blatt veröffentlicht wird.
An: Therese von Droste, aus: Meersburg
1848 27.Februar

Wie froh bin ich, Dir mal wieder selbst schreiben zu können, mein lieb Mütterchen, und zwar nur Gutes. Wir sind zwar alle krank gewesen, aber auch alle glücklich entwischt. Mit Laßberg hielt es etwas lange an, sein Winterhusten hatte sich ungewöhnlich stark eingestellt, weil er im vorigen Sommer die Badekur versäumt, und nun kam die Grippe dazu und zog sich so in die Länge, dass er am Ende recht schwach dabei wurde. Seit 14 Tagen ist aber alles vorüber, und seine Kräfte nehmen noch rascher zu als sie abgenommen, so dass ich ihn jeden Tag wenigstens um ein halbes Jahr jünger geworden finde. Jenny, die Kinder, Tony, Hohbach, Obsers Annchen, alle die Grippe! Von den Kindern Gundel am stärksten, doch haben sich beide nachher… Weiterlesen »

Hintergrund: Der genannte Bernhard Zeerleder konvertiert 1846 zum Katholiken und kämpft 1847 für den Sonderbund der konservativen Schweizer Kantone. Am 11. Februar 1848 wird der Major auf der Meersburg verhaftet.
Sequestention: Amtliche Beschlagnahme
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 1.April

Nun hören Sie: Schücking und Frau kommen zu uns, und zwar auf drei Wochen. Sie kennen nun Laßbergen und seine Abneigung vor aller Unruhe und Getreibe zu gut, als dass ich weitläufiger zu erörtern brauchte, wie fatal und jeden einzelnen beengend das Zusammentreffen beider Besuche sein würde. Ich schrieb deshalb sogleich an Schücking, dass er seinen Urlaub danach einrichten oder, wenn dies nicht in seiner Macht stehe, den Anfang und die Dauer desselben mir genau angeben müßte, damit Sie und die Tante danach Ihre Abreise bestimmen könnten. Sie denken wohl, dies sei eine etwas epineuse Aufgabe gewesen? (für mich nämlich). Keineswegs. Schücking kennt Laßbergen, seine trotz aller Herzlichkeit förmliche Höflichkeit und seine… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste will ein Zusammentreffen Elise Rüdigers mit Levin Schücking in Meersburg - angesichts der früheren Liebesbeziehung - unbedingt vermeiden.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1841 29.Oktober

Vorerst die neueste Neuigkeit (wenn sie Ihnen nicht vielleicht schon alt ist): Schücking ist hier und wird einige Zeit bleiben, um meines Schwagers Bibliothek zu ordnen. Sie denken wohl, der Gedanke sei von mir ausgegangen, aber keineswegs, obschon ich wollte, ich hätte ihn gehabt. Denn es ist ein guter Gedanke, der Schücking in ein Klima bringt, dessen seine Brust sehr benötigt war, ihm für einige Zeit Unterkommen gibt, ihn wieder an regelmäßige Beschäftigung gewöhnt und endlich ihn mit vielen nützlichen Büchern und noch nützlicheren Personen in Berührung bringt. Jetzt muss ich Sie bitten, wenn Sie Junkmann sehn sollten, ihm einzuknüpfen, dass er der Mama ja nicht sagt, dass dieser Plan bereits im Reifen war, als wir… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 4.Mai

Ich gehe jetzt täglich ins Museum, setze mich auf Deinen Stuhl am Fenster und sehe, was das „Morgenblatt“ bringt. Vorgefunden: erstens Dein Gedicht auf die Meersburg, was mir aber schon eine schöne Verlegenheit zugezogen hat, und zwar eine wohlverdiente, da die Idee, den guten Laßberg nebst Uhland auszumerzen zwar nicht von mir ausgegangen, aber doch approbiert worden ist; und jetzt fiel es mir wie ein Stein aufs Herz: Gott, das sieht ja ganz aus, als ob Levin sich öffentlich seiner schämte, als zu unbedeutend für ein Gedicht; und nun grade im „Morgenblatt“, das Laßberg gleich vor Augen kömmt! Es währte auch nicht lange, so waren die Puppen am Tanz; von allen Seiten wurde dem alten Herrn die schmeichelhafte Nachricht von Levin… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 15.Dezember

Lachen Sie nicht über die wahrscheinlich ungehörige Aufschrift dieses Briefes, mein guter Levin; Sie haben vergessen, mir Ihre Augsburger Adresse zu geben, und da ich nicht denken kann, dass nach so kurzem Aufenthalte der „Levin Schücking“ allein ausreichen sollte, muss ich versuchen, ob der „Redakteur“ mir durchhilft. Warum ich Ihnen so lange nicht geschrieben? Liebes Kind, zwischen Ihren zwei ersten und dem letzten Briefe liegen zwei Reisen, zwei Krankheiten und Geschäfte so ernster und anhaltender Art, wie ich nie daran gewöhnt und deshalb doppelt ungeschickt und von ihnen beschwert war. Nehmen Sie dazu, dass ich schweren Herzens Sie an der Katastrophe Ihres Schicksals sah, mit dem Gefühl, bei meiner durchaus oberflächlichen… Weiterlesen »

An: Werner von Droste, aus: Rüschhaus
1845 25.November

Meinen herzlichsten Dank, liebster Bruder, für das hübsche Siegel, es war mir sehr erwünscht, eigentlich gradezu notwendig, und macht mir deshalb viel Freude. Ebenso herzlich danke ich Dir für deine Warnung hinsichtlich des Feuilletons. Ich bin ganz deiner Ansicht und werde gewiss nichts mehr einsenden, doch möchte ich gern ein eklatanten Bruch vermeiden, sowohl, um mir nicht mutwillig Feinde zu machen und ein paar Dutzend sehr scharfer satirischer Federn auf den Hals zu ziehen, die gewiss schlau genug sein würden, mich nicht von der katholischen, sondern von der rein poetischen Seite anzugreifen, und meinen literarischen Ruf möglichst zugrunde zu richten, als auch Schückings wegen, der doch ganz unschuldig an der Sache ist, dessen… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Veröffentlichung der "Westfälischen Schilderungen aus einer westfälischen Feder" in den "Historisch-Politischen Blättern für das katholische Deutschland" auf Betreiben von Guido Görres hat für Annettes Familie gesellschaftliche Folgen. Die "Kölnische Zeitung" gerät in derselben Zeitschrift unter Beschuss der katholischen Adelskreise, nachdem ihr Verleger Karl Joseph DuMont den revolutionär gesonnenen Karl Heinrich Brüggemann zum Chefredakteur gemacht hat. Der Brief - möglicherweise die entscheidende Erklärung für den Rückzug Annettes aus der literarischen Öffentlichkeit - wurde von der Nachfahrin Magda von Droste-Hülshoff erst 1971 zur Publikation freigegeben.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 15.November

Ich habe die ganze Zeit bei Elisen logiert … Wir haben eine sehr liebe Zeit zusammen verlebt; Tante Ittchen war noch nicht da, und ich kroch derweil in ihr Bette, vor das sich Elise dann jeden Abend setzte, wo uns unter Ernst und Lachen oft die Mitternacht über den Hals kam, ehe wir es dachten; ich denke recht bald wieder hin zu gehen; es sollte mich wundern, wenn einem gewissen kleinen Pferdchen die Ohren nicht fleißig geklungen hätten, besonders, obwohl wider Verdienst, das rechte. … Jawohl ist sie seelengut; ich weiß sonst niemanden, der so durch und durch gut und mild wäre, außer etwa Schlüter, und ich glaube auch nie eine Freundin so, ohne Schwärmerei, herzlich und wie mein eignes Blut geliebt zu haben; und von ihr… Weiterlesen »