Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 7.Oktober

O Gott, ich kann nicht bergen Wie angst mir vor den Schergen Die du vielleicht gesandt In Krankheit oder Grämen Die Sinne mir zu nehmen Zu töten den Verstand. Es ist mir oft zu Sinnen Als wolle schon beginnen Dein schweres Strafgericht Als dämmre eine Wolke Doch unbewusst dem Volke Um meines Geistes Licht. Aus: „Am Gründonnerstage“ Teil des Gedichtzyklus „Das Geistliche Jahr“ Ich schreibe jetzt zuweilen an der Ledwina, die gut werden wird, aber so düster, dass mich zuweilen das Abschreiben daran jedesmal sehr angreift; starkes Arbeiten ist mir überhaupt sonst sehr erleichternd. Nach der Stimmung der geistlichen Lieder darfst Du meine jetzige nicht beurteilen, die gottlob viel anders und heller ist; vorzüglich… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erzählung "Ledwina" ist Fragment geblieben.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 1.April

Nun hören Sie: Schücking und Frau kommen zu uns, und zwar auf drei Wochen. Sie kennen nun Laßbergen und seine Abneigung vor aller Unruhe und Getreibe zu gut, als dass ich weitläufiger zu erörtern brauchte, wie fatal und jeden einzelnen beengend das Zusammentreffen beider Besuche sein würde. Ich schrieb deshalb sogleich an Schücking, dass er seinen Urlaub danach einrichten oder, wenn dies nicht in seiner Macht stehe, den Anfang und die Dauer desselben mir genau angeben müßte, damit Sie und die Tante danach Ihre Abreise bestimmen könnten. Sie denken wohl, dies sei eine etwas epineuse Aufgabe gewesen? (für mich nämlich). Keineswegs. Schücking kennt Laßbergen, seine trotz aller Herzlichkeit förmliche Höflichkeit und seine… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste will ein Zusammentreffen Elise Rüdigers mit Levin Schücking in Meersburg - angesichts der früheren Liebesbeziehung - unbedingt vermeiden.
An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 30.März

Übrigens bin ich innerlich – (o Anna, ich bitte, verstehe mich diesmal recht) sehr gefasst; man hält meine Zurückgezogenheit wahrscheinlich für Stolz unter meinen Bekannten, denn sie sind fast sämtlich schüchtern und demütig gegen mich geworden, aber mir desto ergebener. Ach Gott, wenn sie einmal in mein gepresstes Herz sehen könnten, sie würden mich nicht mehr lieben. Liebe Anna, ich will Dir eine böse Richtung meines Charakters nicht verderben – sieh, so wie ich strenger gegen mich werde, werde ich es auch gegen andere – ich komme mir unwillkürlich und unabänderlich vor, wie ein strenger, unglücklicher Richter, der die härteste, nagenste Strafe seiner eigenen Fehler in der unerbittlichen Bestrafung ähnlicher an anderen… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 17.November

Brentanos Totenamt von Freiligrath habe ich gelesen und jetzt auch das Gedicht im Immermanns Album; das erstere finde ich wohl hübsch, das zweite kaum; hier ist wirklich mitunter nur „gereimte Prosa“, und wenn ich das finde, die selbst so sehr nach dieser Seite neigt, so muss es wohl auffallend sein. Ich fürchte, Freiligraths Ader fängt an sich zu erschöpfen; auch das erste Gedicht hat mich mehr durch seine Pietät gerührt, als durch eigentliche Kraft oder Lieblichkeit erfreut; doch ist es noch immer besser, als was man so gewöhnlich sieht…. Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1842 7.September

Ich habe wieder einige sehr gute Rezensionen bekommen über die einzelnen Sachen, die eine in der „Revue“, wo meine „Judenbuche“ sehr herausgestrichen und dem besten, was je in der Art geschrieben, an die Seite gesetzt wird, eine zweite in der Rezension des „Musenalmanachs“, wo Gutzkow meinen „Geierpfiff“ sehr heraushebt und mich ein ganz außerordentliches episches Talent nennt, und noch eine dritte. Qu’en dites vous? Ich komme wirklich auf, woran ich eigentlich schon ganz verzweifelt hatte. Meine neuen Gedichte sind bald fertig. Rüschhaus, 7. September… Weiterlesen »

Hintergrund: "Die Judenbuche" wird nach dem Erstabdruck in Cottas "Morgenblatt" noch einmal im "Westfälischen Anzeiger" veröffentlicht, wiederum als Fortsetzungsgeschichte zwischen dem 1. Juni und dem 13. Juli 1842. Ein anonymer Rezensent stellt die Kriminalnovelle im Mai 1842 in der Dresdner "Abendzeitung" den Werken Immermanns an die Seite. Auch der Autor Karl Simrock, den die Droste in Bonn kennengelernt hat, äußert sich lobend über das Werk - sehr zu Stolz und Freude der Verfasserin. Die überwiegend positiven Reaktionen auf die "Judenbuche" nehmen schließlich die bislang eher skeptische Verwandtschaft für das schriftstellerische Talent der Droste ein.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 5.Januar

Sch übersendet mir zugleich ein Geschenk von Cotta, ein Prachtexemplar des Nibelungenliedes in Folio, mit Randzeichnungen, nebst einem so artigem, fast demütigen Briefe, als ich mir ihn aus Cottas Feder nicht für möglich gedacht habe. Ich will ihn Ihnen abschreiben, halb aus Prahlerei (denn ich bin nicht ein Zehntel so bescheiden als Sie), halb um Ihr Urteil einzuholen, ob Sie meinen, dass ich hierauf wohl gradezu mit meinen gesammelten Gedichten und der etwas hohen Forderung auf Cotta losrücken kann. Sie haben weit mehr Schriftstellerroutine als ich, und wissen besser, inwiefern Verlegerlob auf pekuniäre Beziehungen nachzuwirken pflegt oder nicht. Ich bin zweifelhaft, ob ich sie mir immer mit dem Honigtopfe in der Hand als halbe… Weiterlesen »

Hintergrund: Zu den Droste-Gedichten, die Levin Schücking im Februar 1842 an Cottas „Morgenblatt für gebildete Leser“ gesandt hatte, gehörten „Der Knabe im Moor“, „Die Weltverbesserer“, „Im Moose“, „Am Turme“, „Junge Liebe“, „Am Bodensee“, „Die Vendetta“ und „Das alte Schloss“. Nicht alle gelangten zum Abdruck. Auch die „Judenbuche“ hatte Schücking an das Blatt vermittelt.
Levin Schücking arbeitet bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung als Redakteur ohne festen Anstellungsvertrag, lediglich auf der Basis von Honoraren für seine Beiträge. Mit seiner Tätigkeit als Vermittler zwischen dem Verleger Cotta und der Dichterin ist auch die Hoffnung auf eine Festanstellung verbunden. Mit Gustav Kolb, dem Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, verbindet Schücking eine Freundschaft.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1846 2.April

Von Schlüterchen habe ich vorgestern einen sehr herzlich gemeinten, aber grausam hölzernen scherzhaften Brief in Versen bekommen. Es ist komisch-rührend, auf diesem Meere von Güte und wahrer Kindlichkeit den Philisterzopf so stattlich herumsegeln zu sehn! Die lieben Leutchen denken, ich sei sterbenskrank, weil ich, meiner noch immer hartnäckigen Geschwulst im Ohre wegen, nicht ausgehen kann, und wollen mich nun mit auserlesenen attischen Scherzen erheitern. Ich habe noch nicht darauf geantwortet, will aber nächstens daran und frisiere schon an einer geistigen Schwanzperücke. Rüschhaus, 2. April… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 29.September

Erst gestern abend hier angekommen, und mit einem Kopfweh, von dem mir die Augen überlaufen, schreibe ich Ihnen doch schon heute, um die Realisierung des Wechsels nicht aufzuhalten, da die Bestätigung meines Meersburger Kaufs noch immer sich verzögert, und es deshalb möglich wäre, dass das Geld noch grade recht zum Zahlungstermine käme, was mir sehr angenehm wäre, weil sonst Laßberg für mich eintreten muss. Beeilen Sie deshalb, ich bitte, die Auszahlung und Absendung möglichst; Jenny wünscht dieses auch. Leider sehe ich eben, dass ich bei Endossierung des Wechsels statt „Rüschhaus bei Münster“ bloß „Rüschhaus“ geschrieben habe; ich hoffe, das bringt doch keine Schwierigkeiten? Jedenfalls ist’s nicht mehr zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Indossieren = gegenzeichnen.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 16.November

Von Adelen habe ich Antwort, eine höchst unerwartete: mein buchhändlerischer Verehrer ist – ein Schlagschatten, ein Doppelgänger, kurz, Velhagen & Klasing, der sich vor drei Jahren hinter Adelen steckte, wie jetzt hinter Nanny Scheibler. … Ich glaube, Adele hat Recht; Cotta würde denken, dass entweder das eine oder das andre der Bücher bestimmt reüssieren werde, und deshalb vielleicht beide gut honorieren. Aber in diesem Falle kann ich kaum unter Jahresfrist auftreten, und dann doch nur mit dem ersten Bande des Prosaischen; wenigstens fürchte ich nicht weiterzukommen, da es im Frühling wieder nach Abbenburg geht, und ein Buch, in einem fremden Hause geschrieben, schon alles mögliche ist. Adele schreibt auch von Ihnen mit… Weiterlesen »