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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Verhaftung auf der Meersburg

Wie froh bin ich, Dir mal wieder selbst schreiben zu können, mein lieb Mütterchen, und zwar nur Gutes. Wir sind zwar alle krank gewesen, aber auch alle glücklich entwischt. Mit Laßberg hielt es etwas lange an, sein Winterhusten hatte sich ungewöhnlich stark eingestellt, weil er im vorigen Sommer die Badekur versäumt, und nun kam die Grippe dazu und zog sich so in die Länge, daß er am Ende recht schwach dabey wurde. Seit 14 Tagen ist aber alles vorüber, und seine Kräfte nehmen noch rascher zu als sie abgenommen, so daß ich ihn jeden Tag wenigstens um ein halbes Jahr jünger geworden finde. Jenny, die Kinder, Tony, Hohbach, Obsers Annchen, alle die Grippe! Von den Kindern Gundel am stärksten, dochWeiterlesenVerhaftung auf der Meersburg

Luise mag es töricht finden

Nun zu Euern Geschenken. Ihr gutes Volk, ich habe mich recht tüchtig darüber gefreut; kindisch, würde Luise vielleicht sagen, aber das schadet nicht, die Freude bleibt mir doch. Luise hat übrigens Recht, die Lorgnette ist mir zu lieb, als daß ich sie nicht immer bey mir haben sollte, wenn auch nicht immer an mir. Beim Schreiben und Zeichnen liegt sie neben mir auf dem Tische, weil ich sie an der Kante zu verbiegen fürchte; aber sowie ich aus meinem Turm tauche, wird sie umgehängt und verläßt mich selbst des Nachts nicht, wo sie wie ein treues Hündchen auf einem Seidenpapier-Kissen neben meinem Bette schläft. Es ist aber auch ein gar niedliches Ding mit seinem Blumenkränzchen wie ein Bräutchen, und ichWeiterlesenLuise mag es töricht finden

Eine Krone aus Papier

(…) Ich habe Dir schon gesagt, daß Wessenberg hier war. Seine Persönlichkeit ist jetzt weder angenehm noch bedeutend; indessen habe ich ihn zu spät kennen gelernt, da er offenbar schon sehr stumpf ist. Man sagt, er behandle Frauen gewöhnlich mit großer Geringschätzung und fast wie unmündige Kinder; mit mir hat er aber eine ehrenvolle Ausnahme gemacht, und nachdem er mir schon durch Baumbach viel Verbindliches über meine Gedichte und den Wunsch, meine Bekanntschaft zu machen, hatte zukommen lassen, trat er mir jetzt, ziemlich taktlos und geziert, mit den Worten entgegen: „Sie sind also die Dichterin! Wahrlich, Sie haben eine herrliche Ader, von seltner Kraft! et cet.“, und Du glaubst nicht, mit welcher koketten, kleinlichen Ostentation er mich den übrigen Tag,WeiterlesenEine Krone aus Papier

Sklave der öffentlichen Meinung

(…) Ein Schriftsteller ums liebe Brot ist nicht nur Sklave der öffentlichen Meinung, sondern sogar der Mode, die ihn nach Belieben reich macht oder hungern läßt, und wer nicht gelegentlich sein Bestes und am tiefsten Gefühltes, Überzeugung, Erkenntnis, Geschmack, verleugnen kann, der mag sich nur hinlegen und sterben, und der Lorbeer über seinem Grabe wird ihn nicht wieder lebendig machen. (…) Ich bin in diesem Sommer sehr fleißig gewesen und habe an dem „Geistlichen Jahr“ dermaßen nachgearbeitet, daß ich bey meiner Abreise mit der laufenden Zeit gleich war und dem Jahresschluß bedeutend vorzueilen hoffte. Seitdem bin ich in Rückstand gekommen, teils war ich krank, teils anderweitig verhindert, hatte allmählich auch einen babylonischen Turm von unbeantworteten Briefen aufwachsen lassen, der zwarWeiterlesenSklave der öffentlichen Meinung

Damit Sie überall an das Nettle erinnert werden

(…) Obwohl mir seit einigen Tagen infolge einer Erkältung wieder recht unwohl ist, so kann ich doch dies Paket nicht abgehen lassen, ohne mich Ihnen, meine gütige Freundin, wenigstens mit einigen Zeilen zu vergegenwärtigen. Ich denke soviel an Sie und höre nun durch meine Schwester, daß Sie auch an mich denken, daß Sie von mir reden und sogar für mich zeichnen. Sie sind doch gar zu lieb! und ich wollte, ich könnte Ihnen recht etwas Liebes wieder tun. Würden die Tage nur heller, daß ich mit meinem Ausschneiden voran käme oder wenigstens mein Daguerreotyp könnte aufnehme lassen. Jetzt mache ich mir vorläufig die Freude, allerlei dummes kleines Zeug für Sie zusammenzubringen, damit Sie überall an das Nettle erinnert werden undWeiterlesenDamit Sie überall an das Nettle erinnert werden

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