Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 1.April

Nun hören Sie: Schücking und Frau kommen zu uns, und zwar auf drei Wochen. Sie kennen nun Laßbergen und seine Abneigung vor aller Unruhe und Getreibe zu gut, als dass ich weitläufiger zu erörtern brauchte, wie fatal und jeden einzelnen beengend das Zusammentreffen beider Besuche sein würde. Ich schrieb deshalb sogleich an Schücking, dass er seinen Urlaub danach einrichten oder, wenn dies nicht in seiner Macht stehe, den Anfang und die Dauer desselben mir genau angeben müßte, damit Sie und die Tante danach Ihre Abreise bestimmen könnten. Sie denken wohl, dies sei eine etwas epineuse Aufgabe gewesen? (für mich nämlich). Keineswegs. Schücking kennt Laßbergen, seine trotz aller Herzlichkeit förmliche Höflichkeit und seine… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste will ein Zusammentreffen Elise Rüdigers mit Levin Schücking in Meersburg - angesichts der früheren Liebesbeziehung - unbedingt vermeiden.
An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1843 24.Juni

Sie sind also Bräutigam, und zwar einer höchst wahrscheinlich sehr guten und ganz gewiss höchst liebenswürdigen Braut, die nach Ihrer Beschreibung wirklich grade das zu besitzen scheint, was zu Ihrem innern Glück und äußeren Wohle nottut, und wonach mein Auge lange ängstlich für Sie umher gesucht hat. Nun, Gott segne Sie und gebe Ihnen alles Glück, was Ihr Herz so reichlich verdient! Wenn meine Wünsche für Sie nur erfüllt werden, dann will ich auch nicht zanken, dass Sie meinen warmen, angstvollen Rat, wie gewöhnlich, mit aller Hochachtung beiseite geschoben und dem Schicksal den Handschuh gradezu ins Gesicht geworfen haben. Jetzt bittet Dein Mütterchen Dich aber noch einmal, und es ist die letzte Bitte, von deren… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 7.Februar

Wir haben binnen wenigen Monaten viel Angst ausgestanden, doch ist gottlob nur ein Schlag niedergefallen: wir haben den guten Onkel Fritz Haxthausen verloren, ein recht betrübender Verlust, jedoch einer, wie viele im Leben vorkommen und womit man sich abfinden muss. Aber dass Mama und ich, seine einzigen Pfleger – denn er war zuletzt hier in Münster – zwei Monate voraus wussten, er sterbe an Magenkrebs und werde wahrscheinlich zuletzt verhungern, das war sehr hart und überstieg zuweilen, wenn er so geduldig und voll Hoffnung war, wirklich unsre Kräfte. Der Himmel ließ es nicht zum Äußersten kommen, ein Schlagfluss trat früher hinzu. Wohl ein Glück, aber doch ein mit vielem Schrecken verbundenes. Seitdem – auch schon… Weiterlesen »

Hintergrund: Schlagfluss: Schlaganfall
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1846 19.Januar

Ich bin jetzt wieder homöopathisch, der fatale Knoten hat sich fast ganz verloren, aber dafür ist mir seit 14 Tagen das Ohr fast ganz zugeschwollen, es braust mir darin wie ein Mühlenwehr, und ich begreife jetzt wohl, weshalb taube Leute gewöhnlich so einfältig sind, ich bin auch halb simpel. Sonst bin ich diesen Winter ungewöhnlich wohl und habe gar keinen Husten. … Meine gute Rüdiger schreibt fleißig, ist aber mitsamt ihrem Manne sehr mißvergnügt in Minden, und sie arbeiten aus allen Kräften, von dort wegzukommen. Ihr Haus beschreibt sie düster und melancholisch, wie einen Kerker. Es ist dasselbe, was der Erzbischof bewohnt hat, und sie meint, jetzt bedauere sie den armen Mann erst recht und fühle seine Hypochondrie… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Schriftstellerin Bettina von Arnim war nach dem Tod ihres Mann Achim Anfang der 40er Jahre wieder zurück nach Berlin gezogen und unterhielt Unter den Linden einen intellektuellen Salon. Die Lichtfreunde waren ein Zusammenschluss evangelischer Christen, die sich von ihrer als reaktionär empfundenen Amtskirche abgrenzen wollten. Adele Schopenhauer lebte seit 1844 aus gesundheitlichen Gründen vorwiegend in Italien, zusammen mit ihrer Freundin Sibylle Mertens-Schaaffhausen.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1844 20.Dezember

Ich hoffe, Cotta hat keinen Schaden an mir; wenigstens sind einige Stimmen von Gewicht für mich aufgetreten, in der „Allgemeinen“ Zedlitz (Du kennst von ihm die „Nächtliche Parade“), und jetzt schreibt mir Schücking, dass nächstens eine von Kühne (wohnt in Weimar) eingerückt werden würde. Dieser ist jetzt der berühmteste unter den Rezensenten und sehr streng, deshalb würde ich nichts besonders Gutes erwarten, aber Schücking kündigt es mir doch so vergnügt an! Man muss sehn, was es gibt! In unserm „Merkur“ bin ich nun gar über alle Berge herausgestrichen worden und dachte sicher, es hätte ein Freund getan; jetzt weiß ich aber, wer es ist, ein schlesischer Literat, Kynast, der sich seit einigen Wochen in Münster aufhält…. Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1839 7.Juli

Du schreibst, ich solle Dir die vorzüglichsten Rezensionen über mein Buch mitteilen? Liebes Kind, gelesen habe ich selber nur zwei, eine im „Mindener Wochenblatt“ von Fr. v. Hohenhausen, die andre im „Telegraphen“ von Levin Schücking, der seit zwei Jahren anfängt, Aufsehen in der kritischen Welt zu machen. Beide waren freilich brillant genug, wollen aber doch die Tür nicht zutun, da die eine von einem Frauenzimmer, die andre von einem Bekannten ist. Dagegen schreibt mir Adele Schopenhauer, das Buch habe in Weimar und Jena Furore gemacht, Kühne und O.L.B. Wolff hätten soeben Rezensionen beendigt, die in den nächsten Nummern der gelesenen Tagblätter erscheinen würden (was ohne Zweifel geschehn ist, aber nicht bis Münster kömmt)…. Weiterlesen »

Hintergrund: Mit dem "Kränzchen" ist die literarische Gesellschaft gemeint, die sich seit der Jahreswende 1838/39 sonntags bei Elise Rüdiger im Haus Rothenburg in Münster trifft.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 17.August

Seit ich zuerst deinen und dann der lieben Mama Brief erhielt, hat es mir wie ein Stein auf dem Herzen gelegen, dass ich antworten müsste, und habe es doch nicht gekonnt, denn ich bin tüchtig krank gewesen und hatte noch dazu meinen Homöopathen nicht, der auf längere Zeit verreist war. Jetzt ist er seit 14 Tagen da, und sein erstes Pulver hat mir wieder wunderbar gut getan. Gestern habe ich das zweite genommen, was mich tüchtig angreift, ich denke, desto besser wirkt es nachher! Liebe Jenny! Du schmähst mich so aus, und es war doch wirklich nicht unvernünftig, dass ich hier blieb, da ich recht gut fühlte, was mir in den Gliedern lag. Glaub nur, ich habe eine tüchtige Tour abgemacht in diesen fünf Wochen, fast so arg wie… Weiterlesen »

Hintergrund: In die Hände des Homöopathen Clemens von Bönninghausen hat sich Annette erstmals im Winter 1829/30 begeben - mit nachhaltigem Erfolg.
Die Spanische Fliege ist eine Käferart aus Südeuropa, deren getrocknete Flügel zu dieser Zeit als Zugpflaster verwendet werden.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 30.November

Nun in Eil zwei Zeilen Antwort auf Ihren Brief, der mich natürlich aufs unangenehmste überraschen musste. Ich habe ihn gestern abend erhalten, heute früh meinen Bruder herüber bitten lassen und schicke Ihnen jetzt statt aller Auseinandersetzung die Kopie des Briefs, den derselbe soeben beendet und an Herrn Hüffer geschickt hat; wollen Sie dieselbe gefälligst vorläufig der Cottaischen Buchhandlung mitteilen, so wird die Sache dadurch ohne weitere Weitläufigkeiten erklärt und zugleich die Buchhandlung aller Sorge enthoben werden. Ich bitte, dass Sie derselben mein Bedauern über einen Vorfall ausdrücken wollen, der durch meinen Mangel an Geschäftskenntnis herbei geführt worden ist. Übrigens muss ich auch so anständiges Lehrgeld… Weiterlesen »

Hintergrund: In der zweiten Gedichtausgabe, die 1844 bei Cotta erscheint, sind viele Gedichte erneut abgedruckt, die bereits im ersten Band von 1838 veröffentlicht waren. Weil die Auflage von 1838 noch nicht annähernd verkauft ist, stellt deren Verleger Johann Hermann Hüffer Forderungen an den Cotta-Verlag. Er beruft sich dabei auf das Preußische Landrecht, nach dem einem Verleger bei einer Zweitauflage der volle Preis für jedes nicht verkaufte Exemplar der Erstauflage zusteht. Von den 400 gedruckten Exemplaren des ersten Gedichtbandes sollen, entgegen früherer anderer Angaben von Hüffers Verlag, nur 74 verkauft worden sein. In die Auseinandersetzung schaltet sich Annettes Bruder Werner ein und erzielt mit Hüffer eine Einigung: Die Familie Droste kauft vermutlich 172 Buchexemplare der ersten Gedichtausgabe für 64 Reichstaler auf.
Die erwähnte unentgeltliche Mitarbeit bei der Kölner Zeitung soll der Schriftstellerin Elise von Hohenhausen zugute kommen, deren Erzählung „Die Gattin“ im Gegenzug im April 1845 in dem Blatt veröffentlicht wird.
An: Ludowine von HaxthausenSophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1839 7.November

Von Jenny hat Mama gestern einen Brief. Sie hat einen Umschlag gehalten und ist sehr traurig darüber, übrigens aber schon fast hergestellt. Das Kind hat noch nicht gelebt und ist erst von vier Monaten gewesen, so sehr hat sie sich in der Zeit verrechnet. Sie schreibt, es ginge ihr näher als wir wohl dächten; ich kann es mir aber wohl denken und wollte, wir wären jetzt bei ihr. Rüschhaus, 7. November… Weiterlesen »