Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1846 30.Januar

Schückingen muss ich auch jetzt schreiben, ich bin ihm auf zwei Briefe Antwort schuldig. Der letzte hat mich auch nicht eben gefreut, so freundlich er war, fürs erste schickt er mir seine Gedichte, worin er als entschiedener Demagog auftritt. Völkerfreiheit! Preßfreiheit! Alle die bis zum Ekel gehörten Themas der neueren Schreier. Vorn eine Abteilung „Liebesgedichte“, eingeleitet durch eins an seine Luise, worin er ihr als der echten königlichen Isolde, vor deren Schein alles verbleicht, diesen Abschnitt gleichsam widmet, und dann pele, mele, was er je an Damen geschrieben. Jedes Gedicht bringt ein paar Groschen mehr. Ich suchte aus Neugierde nach einem an die Bornstedt, konnte es aber nicht erraten. Dagegen sind einige mir… Weiterlesen »

Hintergrund: par contrecoup: indirekt
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1834 9.Oktober

Meine Briefe sind jetzt nur lauter Zeddel, liebste Sophie, man kömmt gar nicht zu sich vor Packen, Besuchen machen und annehmen, das ist aber vielleicht gut für uns alle. Ich hatte in meinem letzten Briefe ganz den (wahrscheinlichen) Tag der Heirat zu sagen vergessen – vor dem 18. wird es nicht sein, weiter ist noch nichts gewiss, wenn die nötigen Scheine für Laßberg bis dahin ankommen, wird es wohl auf den Tag bleiben. Aber der Weg ist weit und die Papiere (Totenschein seiner Frau, seiner Eltern – scheint, dass die Proklamation richtig und keine Einsprüche geschehn) müssen von verschiedenen Orten kommen, Laßberg meint aber, bis zum 18. solle alles richtig sein. Kommt doch sobald als möglich, wir alle freuen uns so darauf, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit einer Verbindung zwischen ihrer Tochter Jenny und dem verwitweten Joseph von Laßberg war Therese von Droste anfangs nicht einverstanden. Knapp drei Jahre hatte Joseph hartnäckig um Jenny geworben, als die 39jährige am 18. Oktober 1834 dem 64jährigen ihr Ja-Wort gibt.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1841 29.Oktober

Vorerst die neueste Neuigkeit (wenn sie Ihnen nicht vielleicht schon alt ist): Schücking ist hier und wird einige Zeit bleiben, um meines Schwagers Bibliothek zu ordnen. Sie denken wohl, der Gedanke sei von mir ausgegangen, aber keineswegs, obschon ich wollte, ich hätte ihn gehabt. Denn es ist ein guter Gedanke, der Schücking in ein Klima bringt, dessen seine Brust sehr benötigt war, ihm für einige Zeit Unterkommen gibt, ihn wieder an regelmäßige Beschäftigung gewöhnt und endlich ihn mit vielen nützlichen Büchern und noch nützlicheren Personen in Berührung bringt. Jetzt muss ich Sie bitten, wenn Sie Junkmann sehn sollten, ihm einzuknüpfen, dass er der Mama ja nicht sagt, dass dieser Plan bereits im Reifen war, als wir… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 27.Dezember

Ich wollte ein paar stille, gemütliche Stunden mit Elisen und Tante Ittchen zubringen, war im ordinärsten Kostüm, dabei noch verregnet und verpluddert – an der Treppe kömmt mir E. hastig entgegen, führt mich durch die Küche ins Kabinettchen, wo mir schon der französische Caquet vom Saale entgegen schallt, und bittet mich vom Himmel zur Erde nicht umzukehren, – Gott behüte! linksum kehrt Euch! – Tante Ittchen und Nanny Scheibler werden zur Hilfe gerufen, und ich fahre endlich in den Saal, grimmig wie eine wilde Katze, unter der Bedingung, mir Niemanden vorstellen zu lassen, und kein Wort französisch zu sprechen. So pflanze ich mich, möglichst weit ab, zwischen Tante Ittchen und Nanny Sch, drehe den ganzen Abend dem Franzosen den… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1840 26.April

Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den regelrechten Gedanken nicht aufkommen läßt. Ich tue gar nichts; seit Beendigung des geistlichen Jahres, also seit drei Monaten, sind zwei Balladen das einzige, was ich geschrieben; doch liegt dies wohl zum Teil daran, dass ich, des seit zwanzig Jahren bis zum Ekel widerholten Redens über Mißkennung des eignen Talents müde, mich zu etwas entschlossen habe, was mir im Grunde widersteht, nämlich einen Versuch im Komischen zu unternehmen. So dränge ich dann jeden Trieb zu anderm gewaltsam zurück und scheue mich doch vor jener gleichsam bestellten Arbeit wie das Kind vor der Rute. Nicht dass ich meine, sie… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 20.Juli

Es ist Ihnen beim Anblicke dieser Zeilen wohl zumute, als hörten Sie eine Stimme aus der andern Welt. So schlimm ist es indessen nicht; ich bin lebendig und leide wenig, aber schwach, schwach! Jetzt ist es fast ein Jahr, dass ich meine Spiegelei nicht anders verlasse, als um bis zur grünen Bank auf dem Hofe zu schleichen. Mein Gehen ist so gut wie gar nichts mehr. Schreiben bringt mich nach wenigen Zeilen einer Ohnmacht nahe. Lesen darf ich nur mit großer Vorsicht ab und zu ein kleines Gedichtchen, oder einen kurzen Zeitungsartikel. Im übrigen ist mein Schlaf, wenn nicht gut, doch zur Notdurft hinreichend, Appetit dito; fieberhafte oder schmerzliche Zustände nicht vorhanden; Stimmung heiter; Aussehen ganz erträglich; und endlich… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette nennt ihre Wohnräume auf der Meersburg Spiegelei - nach dem früheren Bewohner, dem Gefangenenwärter Spiegel.
An: Betty von Haxthausen, aus: Hülshoff
1826 25.April

Ich bin vorgestern Abend glücklich, aber ermüdet hier angekommen, und habe meine lieben Eltern und Geschwister gottlob alle noch viel wohler aussehend gefunden, als ich sie verließ … die Mutter … ist ebenso rasch und rührig, ebenso gute Fußgängerin wie sonst. Auch der Papa sieht sehr gut aus, und die Jenny und der Ferdinand gar, sind beide auffallend stärker geworden. Ich habe überhaupt alle so zufrieden und glücklich wie möglich gefunden; Werner ganz und gar liebenswürdig, aus Freude über seine nahe Heirat; Papa ganz verklärt neben seinen Orchisbeeten, wo einige nagelneue Sorten aus der Schweiz blühen – unter uns gesagt, nichts weniger als schön; die am meisten ins Auge fallenden sind hellgelb und machen ungefähr so… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach sechsmonatigem Aufenthalt bei Onkel Werner und Tante Betty von Haxthausen in Köln kehrt Annette im April 1826 nach Hause zurück. Zu der Familienidylle, die sie hier beschreibt, tragen die Vorbereitungen für die Hochzeit ihres Bruders Werner mit Caroline von Wendt-Papenhausen am 11. Mai 1826 bei. Das Paar zieht auf das gepachtete Gut Wilkinghege, wenige Kilometer von Münster entfernt.
Annette weiß nicht, dass ihr zwei Schicksalschläge bevorstehen. Am 25. Juli 1826 - drei Monate nach dem Verfassen des vorliegenden Briefes - stirbt ihr Vater Clemens August plötzlich und unerwartet. Auch die Lebenszeit ihres lange Jahre kränkelnden Bruders Ferdinand (Fente) läuft ab - er erliegt am 15. Juni 1829 einer Lungentuberkulose.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Meine Gedichte werden denn doch gegen Ostern erscheinen können. Bis vor kurzem habe ich wenig daran getan, aber seit es draußen kalt und kotig geworden ist, habe ich mich in meine Winterpoesie gehüllt; es ist doch sonderbar, dass zum Dichten eigentlich schlechtes Wetter gehört, ein neuer Beweis, dass nur die Sehnsucht poetisch ist und nicht der Besitz. Säß mein liebstes Kind mir noch gegenüber, ich würde wieder zwei Gedichte täglich machen; jetzt lasse ich es langsamer angehn, aber es giebt doch was, und ich bin neugierig auf Ihr Urteil über das Spätere. N B. Velhagen scheint doch an dem Verlage meiner Gedichte etwas gelegen; die Rüdiger sagt, dass er Nanny Scheibler angegangen, ihm denselben zu verschaffen; dies zur… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 11.September

Ich gäbe viel darum, liebes Herz, wenn Sie grade dieses Mal echt offen und ausführlich geschrieben hätten, ganz wie zu Ihrem Mütterchen; denn ich sitze hier seit sechs Wochen mutterseelen allein, und weder Hahn noch Huhn kräht nach den Briefen, die ich bekomme, und mich verlanget so nach einem recht langen, warmen, lieben; aber das konnten Sie freilich nicht wissen, das erste nämlich. . … Daß Briefe an mich erbrochen würden, ist fortan gar keine Gefahr mehr vorhanden, selbst wenn ich grade abwesend sein sollte; aber ich wünsche dennoch dringend sie allein zu bekommen, um nicht genötigt zu sein sie vorzulesen, wo man dann, noch unvertraut mit dem Inhalte, beim Übergehen so leicht ungeschickt stockt, was allerlei Fatalitäten… Weiterlesen »

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