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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Ich glaubte jeden Tag zu sterben

Es ist mir sehr drückend gewesen, Ihnen, liebes Kind, so lange nicht schreiben zu können; aber ich bin seit zwei Monaten sehr krank. Im März höchst elend, so daß ich jeden Tag zu sterben glaubte. Man hat mich hierher gebracht, um immer unter den Augen des Arztes zu sein, und jetzt ist es seit zehn Tagen bedeutend besser. Was mir fehlt? Ich habe es für Schwindsucht gehalten; es sollen aber nur innere Nervenkrämpfe sein, und jetzt scheint es auch so, da ich mich so plötzlich und rasch bessere, und bey weitem weder so kraftlos noch mager geworden bin, wie zwei Monate unausgesetzten Leidens ohne Nachtruhe und fast ohne Nahrung dies voraus setzen ließen. Noch am Tage vor der glücklichen WendungWeiterlesenIch glaubte jeden Tag zu sterben

Wie Schlegel seinen Rock verlor

(…) Schlegel hat einen schönen Ring vom König bekommen, und ist schrecklich eitel damit, ist überhaubt lächerlich eitel, trotz seines vielen Verstandes, und gibt dadurch seinem Feinde, Clemens Droste, viel gute Gelegenheit an die Hand, ihn zu ärgern. Neulich ist ein Fleischer mit einer schweren Last Fleisch auf dem Rücken gerade vor Schlegel gefallen, so daß man geglaubt hat, es wäre kein Stück von ihm ganz geblieben, er hat indessen, wunderbarer Weise, nichts dabey gelitten, außer dem Verlust seines besten Röckchens, was überher eine andere Farbe bekommen hat (…)

Goethe – ein Schweinickel!

(…) Johannes Stapel war auch hier … übrigens verbauert er immer mehr, und nahm sich, aufrichtig gesagt, mitunter etwas kläglich aus, einmahl war in Abbenburg ein Disput über Goethe, zwischen Onkel Fritz, unserm Werner, Galen, und Hassenpflug, Johannes hatte immer schweigend zugehört, auf einmahl sagt er ganz laut „Mit Erlaubnis! ist der Goethe nicht ein Schweinickel?“ Alle sperrten Nase und Mund auf, und ich sagte „er hat freylich Manches geschrieben, was für ganz junge Leute nicht passt“. Er stand auf, sagte „nun weiß ich genug, wenn er ein Schweinickel ist!“, und ging triumphierend den Laubgang hinauf. Keiner machte Bemerkung hierüber, aber es wurde Allen schwer das Lachen zu lassen. (…)

Eine Stelle an einer Bibliothek wäre das Wahre für ihn

(…) Nun zu dem, was Du über Schücking schreibst. Ich habe ihm die mögliche Aussicht auf jene Beschäftigung, die der liebe Laßberg so freundlich für ihn ausgesonnen, mitgeteilt, und er hat mir geantwortet, „er verstehe das Provenzalische allerdings und habe diesen Zweig der mittelalterlichen Literatur mit Liebe studiert, soviel er davon in Händen bekommen können, doch hätten ihm nie vorzüglich seltne Sachen und Manuskripte zu Gebote gestanden, und so könne er sich wohl für einen ausgeben, der zum Übersetzen et. cet. zu gebrauchen wäre, ob er aber zum eigentlichen Forschen Gelehrsamkeit und vor allem die zum Vergleichen und Schließen hinlängliche Belesenheit des in diesem Zweig vorhandenen besitze, daran zweifle er. Doch habe er sich allerdings in die Sprache sowohl wieWeiterlesenEine Stelle an einer Bibliothek wäre das Wahre für ihn

Mein ganzes liebes Zusammenleben mit mir selbst

(…) Ich bin auf dem Punkte, nach Hülshoff auszuwandern. Mein guter Bruder will es so und hat recht daran; denn so verführerisch, ich möchte sagen betäubend lieblich mein Klausnerleben auch ist, so ist es doch allerdings nicht geeignet, jemanden, der sehr an den Nerven und noch mehr an Apprehensionen[1]Apprehensionen: Ängsten leidet, wieder zurechtzuhelfen. Also in Gottes Namen! Ich schicke den „Helmut“ mit vielem Dank zurück; er hat mir viel genutzt; so geschwind er sich von der Sache abmacht; denn mein Wissen war hier wieder gar arges Stückwerk, ohne Ordnung und System, rein Aufgeschnapptes! und es hat mich sehr gefreut, endlich einmahl etwas, wenn auch Kurzes, doch Gründliches darüber zu lesen. Die beiden Lateiner nehme ich mit, ich stecke mitten darin,WeiterlesenMein ganzes liebes Zusammenleben mit mir selbst

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